Zum Inhalt springen

Header

Navigation

Legende: Audio Frauenstreik: «Wir wollen eine Million sein!» abspielen. Laufzeit 18:22 Minuten.
Aus Einfach Politik vom 15.03.2019.
Inhalt

Schweizer Frauenstreik «So geht es nicht, wir Frauen sind unzufrieden!»

Die Mobilisierung läuft: 28 Jahre nach dem ersten Frauenstreik organisieren Frauen in der ganzen Schweiz die Neuauflage.

Am 14. Juni 2019 sollen erneut Abertausende Frauen ihre Arbeit niederlegen. Das Ziel ist eigentlich dasselbe wie damals beim ersten Streik 1991: Die Ungleichbehandlung der Frau in Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft sichtbar machen und ein Zeichen dagegen setzen.

«Streik ist das allerletzte Mittel in einer Konfliktsituation», sagt Corinne Schärer, Zentralsekretärin bei der Gewerkschaft Unia. «Wir Frauen haben alles probiert, sind x-mal angerannt, und darum brauchen wir jetzt dieses Mittel!»

Frauen demonstrieren mit einem Plakat während des Frauenstreiks 1991.
Legende: Tausende Frauen legten am Frauenstreik im Juni 1991 schweizweit, wie hier in Basel, die Arbeit nieder. Keystone

Denn auch 28 Jahre nach dem ersten Frauenstreik seien viele Gleichstellungsforderungen noch nicht umgesetzt. Hinter dieser Forderung stehen nicht nur die Gewerkschaften. Solidarisch sind auch Organisationen wie der Schweizerische Bäuerinnen- und Landfrauenverband oder der Schweizerische Katholische Frauenbund SKF und der Bund Schweizerischer Frauenorganisationen Alliance F.

Hauptsächlich sind es aber viele lokale, kleine Gruppierungen, die sich seit dem letzten Herbst in diversen Städten formiert haben. Der Streik soll denn auch dezentral sein.

Unterschiedliche Streikgründe

Entsprechend unterschiedlich sind die individuellen Gründe und Motivationen für einen Streik. Während sich die einen gegen Gewalt an Frauen oder sexuelle Belästigung wehren, stehen für andere die schlechte Bezahlung «typisch weiblicher» Berufe, Lohnungleichheit oder die fehlende Anerkennung von Pflegearbeit im Vordergrund.

«Es geht darum, der Schweiz und der Welt zu zeigen: So geht es nicht, wir Frauen sind unzufrieden!», sagt zum Beispiel Simona Isler. Die 36-jährige promovierte Historikerin ist Mutter von zwei schulpflichtigen Kindern und Mitorganisatorin in der Berner Frauenstreik-Koordination.

Der Frauenstreik 1991

Personen-Box aufklappenPersonen-Box zuklappen
Der Frauenstreik 1991
Legende:Frauen demonstrieren 1991 in Basel.Keystone

«Wenn Frau will, steht alles still» – dies war das Motto des ersten Frauenstreiks 1991. Anlass war der zehnte Jahrestag der Annahme des Gleichstellungsartikels in der Bundesverfassung 1981 und seine zögerliche Umsetzung.

Hunderttausende Frauen in der ganzen Schweiz folgten damals dem Aufruf der Gewerkschaften und legten am 14. Juni ihre Arbeit nieder. Es war die grösste Protest- und Streikbewegung seit dem Landesstreik 1918. Die wichtigste Forderung: Gleicher Lohn für gleiche Arbeit. Im ganzen Land fanden Aktionen statt, Frauen demonstrierten in violetten Kleidern und mit Trillerpfeifen – in Bern wurde der Bundesplatz gestürmt.

Das Hin-und-Her zwischen den Ansprüchen von Beruf und Mutterschaft, das ständige Zu-wenig-Zeit-haben, dieser ewige Spagat – das sind für Simona Isler die Hauptgründe, warum sie am 14. Juni streiken will.

Statistiken sind deutlich

Ging es den Initiantinnen des 1. Streiks hauptsächlich um die Gleichberechtigung auf juristischer Ebene, so betonen die jetzigen Organisatorinnen vor allem ökonomische Ungleichheiten.

Simona Isler sagt: «Frauen und Männer arbeiten in der Schweiz gleich viele Stunden. Aber Frauen haben 108 Milliarden Franken weniger Einkommen pro Jahr – das ist ein Skandal!» Sie stützt sich dabei auf die Berechnungen der feministischen Ökonomin Mascha Madörin.

Und die Männer?

Nun wollen also die Frauen wieder auf die Strasse, oder in Betrieben protestieren – mit verlängerten Kaffeepausen, Streiks über Mittag. Die Aktionsformen seien vielfältig, betonen Simona Isler und ihre Mitstreiterinnen.

Und die Männer? «Die dürfen uns gerne unterstützen, kochen, Kinder hüten oder uns bei der Arbeit den Rücken frei halten», sagt Isler. Aber in den Vordergrund sollen sie nicht – denn im Zentrum sollen an diesem Tag die Frauen stehen.

Podcast «Einfach Politik»

Personen-Box aufklappenPersonen-Box zuklappen
Podcast «Einfach Politik»

«Einfach Politik» ist der Podcast von Radio SRF zur Schweizer Politik. Alle zwei Wochen gibt es jeweils am Freitag um 5 Uhr eine neue Folge. Wenn Sie keine der Folgen verpassen wollen, dann abonnieren Sie den Podcast. Hier finden Sie ihn:

Schliessen

Keine wichtigen News verpassen

Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten per Browser-Push-Mitteilungen. Mehr

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren. Weniger

Sie haben diesen Hinweis zur Aktivierung von Browser-Push-Mitteilungen bereits mehrfach ausgeblendet. Wollen Sie diesen Hinweis permanent ausblenden oder in einigen Wochen nochmals daran erinnert werden?

64 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Stefan Trasser  (chiggifan)
    In meinem weiblichen Umfeld, das sehr gross ist, hat es genau zwei Frauen, die bei dieser Nörglerei mitmachen. Die meisten findens peinlich.
    Feminismus war einmal enorm wichtig und ist zB in Afrika, wo ich lebe, enorm wichtig. Ich warte noch auf die Feministin, die so vielen Frauen praktisch geholfen hat wie ich, zB in einer Zwangsehe, mit der Ausbildung usw. Aber das kostet halt Geld, und das ist den Schweizer Feministinnen dann doch zuviel.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Stefan Trasser  (chiggifan)
      Man kann zu meinem Kommentar schon den Daumen runter drücken. Fakt ist, dass kürzlich bei einer nationalen Kampagne der Schweizer Feministinnen, bei der Alt Bundesrätin Kopp und viele wichtige Parlamentarierinnen mitmachten, lächerlich wenig Geld zusammenkam und die finanziellen Ziele bei weitem nicht erreicht wurden. Beim Portemonnaie sieht man schnell, wie wichtig etwas für jemand ist. Für die Feministinnen und für die Frauen in der Schweiz allgemein wars anscheinend kein Geld Wert.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Franz NANNI  (igwena ndlovu)
    Also was solls, Ihr Frauen seid anders als Maennner.. ob Ihr wollt oder nicht, das ist mal Tatsache.. Und so werdet Ihr auch immer unterschiedlich behandelt... Ihr wollt alle Vorteile, aber die Nachteile der Maenner die wollt Ihr nicht teilen.. ahaaa.. das sei was ganz Anderes... na ja...
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Daniel Fuchs  (Daniel Fuchs)
      @Franz: Es sind nicht die Frauen sondern nur die Feministen... Ansonsten haben Sie natürlich vollkommen Recht.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Jeanôt Cohen  (Jeanot)
    Eigentlich bin ich erstaunt das die Frauen nicht schon längst sich radikal durchsetzen. Es ist nun mal so, das Männer nur unter zwang etwas veränderen wenn sie keine Wahl habe. Dafür sind sie aber Sack stark in ausredenen bedenken zum nichts zu veränderten.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen