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Besuch bei der Sägerei Tschopp in Buttisholz
Aus Regionaljournal Zentralschweiz vom 17.09.2020.
abspielen. Laufzeit 07:06 Minuten.
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Schweizer Holz Massenproduktion gegen Schweizer Holzschwemme

Ein Unternehmen in Buttisholz will Dreischichtplatten aus Schweizer Holz für den Holzbau produzieren. Das ist ein Novum.

In den Schweizer Wäldern liegt viel Holz. Holz, welches niemand will und somit nicht weiterverarbeitet wird. Die Fachleute sprechen von einer Holzschwemme. Für diese gibt es mehrere Gründe. Sie heissen: Trockenheit, Stürme, Borkenkäfer.

Die Sägewerke sind voll und die Nachfrage nach Schweizer Holz stagniert, auch weil für den Holzbau häufig ausländisches Holz importiert wird.

Umgekippte Bäume im Wald
Legende: In vielen Wäldern der Schweiz bleibt das Holz liegen. Waldbesitzer finden oft keine Abnehmer. SRF/Karin Portmann

Dem will die Tschopp-Holzindustrie AG im luzernischen Buttisholz jetzt etwas entgegensetzen. Das 100-jährige Familienunternehmen ist spezialisiert auf Schalungsplatten und Holzpellets. Für 75 Millionen Franken will das Unternehmen ein neues Sägewerk bauen. Das Baugesuch dafür ist eingereicht.

Industriebrache
Legende: Das Familienunternehmen Tschopp will auf dem 20'000 Quadratmeter grossen Areal ausbauen. Das Baugesuch wurde Ende August 2020 eingereicht. SRF/Anna Hug

Das neue Sägewerk biete neue technologische Möglichkeiten und könne viel mehr Holz verarbeiten. Dies sei wichtig, gerade wenn man auf Nachhaltigkeit setzen möchte, sagt Daniel Tschopp, Co-Geschäftsführer von Tschopp-Holzindustrie : «Der Ruf nach Nachhaltigkeit mit Schweizer Holzprodukten für den Schweizer Markt wird grösser. Mit dem neuen Sägewerk wollen wir dem Rechnung tragen.»

Einzigartige Produktion in der Schweiz

Das Unternehmen will im grossen Stil Dreischichtplatten für den Holzbau aus Schweizer Holz produzieren. Diese werden beispielsweise für Wände und Innenverkleidungen gebraucht. Solche Dreischichtplatten werden bis jetzt nicht in der Schweiz produziert, sondern aus dem Ausland importiert. Tschopps Vorhaben ist also einzigartig.

Die Produktion der Dreischichtplatten benötigt viel Fläche und diese ist in der Schweiz kaum vorhanden. Es braucht für die Produktion grosse Anlagen und grosse Hallen. Tschopp hat diese Möglichkeit. Das neue Sägewerk entsteht auf einem dem Areal angrenzenden Grundstück von 20'000 Quadratmeter Fläche.

Sägewerk-Laufband mit Schalungsplatten
Legende: Die Firma hat sich in den letzten 60 Jahren einen Namen gemacht mit ihren Schalungsplatten. SRF/ Anna Hug

Waldeigentümer und Holzbauer hocherfreut

Beim Waldeigentümerverband sei man begeistert, dass das Buttisholzer Holzunternehmen ein neues Sägewerk baut und Schweizer Holz verarbeiten will, sagt Mediensprecher Urs Wehrli.

Aus Waldeigentümersicht ist die neu geplante Sägerei eine super Sache.
Autor: Urs WehrliMediensprecher Verband Waldeigentümer

Dazu komme, dass es für Schalungs- und Dreischichtplatten kein perfektes Holz braucht: «Da kann man auch Borkenkäferholz oder Holz, welches von einem Pilz befallen ist, verwenden.» Also genau solches Holz, welches die Schweizer Waldeigentümer im Moment nicht wegbekommen.

Auch der Präsident von Holzbau Schweiz, Hansjörg Steiner, freut sich, dass ein Schweizer Sägewerk Schweizer Holz verarbeitet, welches im Holzbau eingesetzt werden kann. «Wir müssen viel im Ausland einkaufen, weil die Industrie in der Schweiz nicht stark genug ist. Die Menge, die wir im Holzbau brauchen, ist hier nicht vorhanden.»

Bei Halbfabrikaten, welche verbaut werden, käme bisher 70 bis 75 Prozent des Holzes aus dem Ausland, so Steiner. «Ich glaube, dass die Schweizer Holzbauern bereit wären mehr zu zahlen, es muss aber in einem vernünftigen Rahmen sein. Wir sind Unternehmer und finanziell muss es sich auch für uns lohnen.»

Wussten Sie, dass...

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  • Ein Drittel der Schweizer Landesfläche mit Wald bedeckt ist?
  • Zirka 535 Millionen Bäume im Schweizer Wald stehen? Das ergibt 66 Waldbäume pro EinwohnerIn.
  • Die drei häufigsten Bäume Fichte (Rottanne), Tanne und Buche sind?
  • Der Gesamtvorrat an Holz, der im Schweizer Wald steht, zirka 427 Millionen Kubikmeter beträgt?
  • Jedes Jahr in der Schweiz zehn Millionen Kubikmeter Holz nachwächst?
  • Der jährliche Holzverbrauch der Schweiz mitsamt Importholz bei fast elf Millionen Kubikmeter liegt?
  • Ohne den Wald zu übernutzen, jährlich sieben bis acht Millionen Kubikmeter Holz geerntet werden könnten?

Quelle: Verband Waldeigentümer

Die neue Sägerei bietet für Tschopp also die Grundlage, ein neues Geschäftsfeld zu eröffnen. Co-Geschäftsführer Daniel Tschopp ist überzeugt, dass die Nachfrage da sein wird – trotz höheren Preisen. Sie seien schon aktiv von Kunden angefragt worden. «Holz aus dem eigenen Land und die Schweizer Qualität sind gute Argumente».

Regionaljournal Zentralschweiz, 17:30 Uhr;

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17 Kommentare

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  • Kommentar von Walter Matzler  (wmatz)
    Wäre vielleicht ein Vorteil wenn die billateralen Verträge eingeschränkt wären. Nicht nur Arbeitskräfte kämen dann weniger schnell in die Schweiz. Das würde sicher auch ausländische Produkte betreffen. Allerdings "Geiz ist geil" käme dabei etwas in Bedrängnis.
  • Kommentar von Peter König  (Vignareale)
    Vorbildlich was Tschopp plant und ausführt Aber
    diese Dreischichtplatten
    Swiss Made müssen dann auch verbaut werden. Und
    preislich der Importware angepasst sein. Hoffe dass Tschopp erfolgreich, wie bis anhin bleibt
  • Kommentar von Hans Christian  (H.C.)
    Gratulation an Tschopp Holz.
    Die Firma ist echt stark!

    Holz hat’s