Füsse und Waden rein ins kalte Wasser, und dann auf Storchenbeinen durchs Wasser treten – das ist Kneippen. Diese Art von Hydrotherapie geht auf die naturheilkundliche Lehre von Pfarrer Sebastian Kneipp zurück. Gerade in den 50er- bis 70er-Jahren war Kneippen in – und heute? Kneipp-Vereine gibt es immer weniger, aber das Wassertreten sei zeitgemässer denn je, findet der nationale Verband.
Aquafit, Eisbaden, Floating, Yoga auf dem Stand-up-Paddle – Sport und Wellness auf und im Wasser gibt es heute in ganz verschiedenen Versionen. Der Vorteil von Kneippen: «Kneippen ist schonend und selbst bereits bei Babys anwendbar», verspricht der Schweizer Kneipp-Verband auf seiner Website.
Die Kneipp-Methode hat fünf Säulen: nebst Hydrotherapie auch Heilpflanzen, Bewegung, Lebensordnung und Ernährung. Der deutsche Priester Sebastian Kneipp (1821–1897) hat die Kaltwassertherapie betrieben und ist damit bekannt geworden. Ihm ging es darum, die Balance des Körpers im Gleichgewicht zu halten. Wasser als Heilmittel war ihm besonders wichtig.
Im Storchenschritt durchs Wasser
Gerade in den 50er- bis 70er-Jahren hatte es vielerorts öffentliche Kneipp-Becken. Unterdessen gibt es schweizweit noch 14 Vereine. Im Kanton Aargau zum Beispiel gibt es noch drei Kneipp-Vereine. Einer ist der Verein Muri-Freiamt. Er betreibt in Bünzen, an der renaturierten Bünz, ein Kneipp-Becken.
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Bild 1 von 3. Das Kneipp-Becken an der Bünz im Aargau. Es wurde 2007 erbaut und liegt am Kreuzungspunkt verschiedener Wander- und Velowege. Bildquelle: SRF/Alex Moser.
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Bild 2 von 3. Alfred Strebel ist Ehrenpräsident des Kneipp-Vereins Muri-Freiamt. Sein Verein organisiert auch Meditationskurse und Wanderungen. Bildquelle: SRF/Alex Moser.
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Bild 3 von 3. Im Aargau gibt es noch drei Kneipp-Vereine: Muri-Freiamt, Seetal und Fricktal. Es seien sehr aktive Vereine, heisst es beim nationalen Verband. Bildquelle: SRF/Alex Moser.
Das Becken an der Bünz ist sechs Meter lang und rund zweieinhalb Meter breit. An einer Stange können sich die Kneippwilligen festhalten und im Kreis durch das wadenhohe Wasser stapfen.
Alfred Strebel ist Ehrenpräsident des Kneipp-Vereins Muri. Er erklärt, wie es geht: «Man geht mit dem rechten Fuss zuerst ins Wasser. Dann läuft man im Storchenschritt durch.» Dann lässt man die nassen Beine an der Luft trocknen. «Wassertreten bringt einem ein Wohlgefühl. Es entzieht die Hitze, man ist wie neu geboren», schwärmt er.
Zeitgemäss oder nicht?
Unter den Jungen sei die Wassertherapie nicht mehr sehr bekannt, weiss Strebel. «Wir versuchen, modern zu sein, auch über moderne Kommunikationsmittel junge Leute zu erreichen.» Trotzdem sind die Mitgliederzahlen der 14 Schweizer Kneipp-Vereine rückläufig. Das mag erstaunen, schliesslich ist Kneippen meist gratis.
Eigentlich sei die kostengünstige Kneipp-Gesundheitslehre zeitgemässer denn je, findet der Schweizer Kneippverband auf Anfrage: «Hitzegeplagte Menschen finden nachhaltige Abkühlung mit der Kneipp-Methode», sagt Co-Präsidentin Yvonne Schnetzer.
Nebst den Kneipp-Anlagen werde Kneippen auch in Reha-Kliniken und Wellness-Hotels praktiziert. In der Stadt Zürich haben drei Gesundheitszentren für das Alter Kneipp-Anlagen für die Öffentlichkeit gebaut. Die Stadt Zürich helfe so, die Kneipp-Methode zu verbreiten, heisst es beim Verband weiter. Auch trete man auf Gesundheitsmessen auf, um die «Sichtbarkeit zu erhöhen».
Hochburg Deutschland hofft auf Familien
Im Nachbarland Deutschland gibt es noch rund 600 Kneipp-Vereine. Früher waren es 1200. Kneippen gilt hier seit 2015 als immaterielles Kulturerbe der Unesco.
Trotzdem kämpfe man auch hier mit einem verstaubten Image und mit Mitgliederschwund, heisst es in diversen Medienberichten zum Thema. In Kurorten, die Kneippen anbieten, versucht man, unter anderem mit Kursangeboten für Kinder, junge Familien für die Heilmethode zu begeistern.