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Der neue Mr. Corona: Stefan Kuster und die Sorgen des Erfolgs
Aus Echo der Zeit vom 16.07.2020.
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Seit 100 Tagen im neuen Amt Kuster: Mit Symptomen geht man nicht aus dem Haus

Nicht nachlassen mit Blick auf Herbst und Winter. Das ist zurzeit das grösste Anliegen des neuen Mr. Corona ans Volk.

Ende Mai trat Stefan Kuster erstmals in seiner neuen Funktion als Nachfolger von Daniel Koch vor die Medien. Ruhig und sachlich referierte der 43-jährige Ostschweizer und platzierte wenn immer möglich eine positive Botschaft.

So auch jetzt, in einem Sitzungszimmer des Bundesamtes für Gesundheit: Fallzahlen um 50 pro Tag wären super gewesen – nun seien sie zwar höher, aber dank dem Engagement der Kantone stabil: «Die Fallzahlen an sich machen mir keine Sorgen. Aber wir haben natürlich die Herausforderung des Präventionsparadoxes: Wenn man etwas gut macht, ist es nicht mehr da – speziell bei diesen Erkrankungen. Und wenn es nicht mehr da ist, nimmt man es nicht mehr wahr.»

Wenn man etwas gut macht, ist es nicht mehr da. Und wenn es nicht mehr da ist, nimmt man es nicht mehr wahr.
Autor: Stefan Kuster

Kurz: Der Arzt und Infektionsspezialist befürchtet, dass die Disziplin der Bevölkerung jetzt nachlässt. Ausgerechnet in einer Zeit, in welcher viele unterwegs sind und Ferien machen. Von einer zweiten Welle will er nicht sprechen. Diese – so hofft er – werde gar nie kommen – auch wenn ihn die «NZZ» als «den Mann für die zweite Welle» beschrieben hat.

Bei Symptomen reagieren

Zwar gibt es ihm zu denken, dass junge Menschen trotz Symptomen im Club feiern. Das zu verhindern, sei schwierig. Man sei es sich einfach nicht gewohnt, bei leichten respiratorischen Symptomen gleich zu Hause zu bleiben, keine Freunde zu treffen und nicht am Arbeitsplatz zu erscheinen.

Kuster betont: «Diese Verhaltensänderung müssen wir unbedingt mit Blick auf Herbst und Winter hinkriegen, dass es gesellschaftlich akzeptiert und gewollt ist, dass man sich mit Symptomen nicht ausser Haus bewegt.»

Diese Verhaltensänderung müssen wir unbedingt mit Blick auf Herbst und Winter hinkriegen.
Autor: Stefan Kuster

Vorerst aber ist Kusters Agenda mit Sitzungsterminen gefüllt, denn es braucht auch in der aktuellen Lage viel Koordination. Ausserdem wird das Mandat der wissenschaftlichen Covid-Task-Force angepasst und besser in die BAG-Organisation integriert.

Braucht es eine klarere Linie der Behörden?

In den vergangenen Wochen und Monaten hatten sich Mitglieder der Task-Force wiederholt kritisch oder warnend zu Entscheiden der Behörden geäussert. Sie hätten etwa langsamer gelockert und geöffnet.

Wird sich das nun ändern, so dass Beamte und Expertinnen eine klare Linie vertreten? Er sei sich nicht sicher, ob es eine klarere Linie brauche, sagt Kuster: «Es braucht die verschiedenen Positionen. Und es braucht auch diesen Austausch und manchmal dieses Seilziehen, um die richtige, gesellschaftlich am besten verankerte Lösung zu finden.»

Und es braucht auch diesen Austausch und manchmal dieses Seilziehen, um die richtige, gesellschaftlich am besten verankerte Lösung zu finden.»
Autor: Stefan Kuster

Dass er seine neue Stelle starten konnte, während die mediale Aufmerksamkeit auf Daniel Koch lag, sieht er als Chance. Dass sein Vorgänger jetzt noch ab und zu ein lustiges Filmchen veröffentlicht, helfe der Sache, sagt Kuster.

Corona – ein besonderer Reiz

Was ihn in Bern erwarten würde, konnte er so nicht ahnen, als er sich für die Koch-Nachfolge als Leiter der Abteilung übertragbare Krankheiten interessierte. Damals war er leitender Arzt auf der Abteilung für Infektionskrankheiten und Spitalhygiene am Unispital Zürich: «Statistisch gesehen kann eine solche Pandemie alle paar Jahrzehnte auftreten. Dass es so schnell kam, hätte ich nicht gedacht.»

An sich gäbe es noch genügend andere Aufgaben für seine Abteilung: Antibiotikaresistenzen, Spitalinfektionen, HIV und andere sexuell übertragbare Krankheiten. Doch Kusters Alltag wird noch bis auf weiteres vom Coronavirus geprägt sein: «Als Spezialist für Infektionskrankheiten würde ich lügen, wenn ich sagen würde, das übe nicht einen besonderen Reiz auf mich aus.»

Echo der Zeit, 16.07.2020, 18:00 Uhr

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86 Kommentare

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  • Kommentar von Reto Derungs  (rede)
    Ja, ich denke, dass Herr Kuster einen guten Job macht. Angesichts der Zahlen (in den letzten sieben Tagen nur gerade 20 Hospitalisationen, keine Todesfälle mit einem positiven COVID-19-Befund) wäre es auch ein Witz, eine Bedrohungslage anzuzeigen. Leider ignorieren viele Medien die Zahlen des BAG und schüren weiter eine völlig unnötige Angst. Wie sagt der bekannt Virologe Prof. Dr. Beda Stadler doch so schön: "Die Coronaepidemie ist vorbei." Und dem gibt es nichts hinzuzufügen.
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    1. Antwort von robert mathis  (veritas)
      Herr Derungs Hr.Prof.B.Stadler ist leider nicht relevant seine Aussagen sind seine Meinung aber es gibt ebenso viele Gegenmeinungen von dotierten Professoren leider weiss bis anhin noch Niemand genau wie der Virus sich in Zukunft verhält er soll sogar schon mutiert haben so bleiben uns halt im Moment nur die Vorsichtsmassnahmen die bekannt sind
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    2. Antwort von Pascal Odermatt  (PDOdermatt)
      Er sagt auch, das Virus verschwindet wenn es warm wird. Währenddessen grassiert es in Südamerika.
      Während ich Prof. Stadler zwar respektiere, v.a. seiner Bodenständigkeit und unterhaltsamen Vorlesungen wegen, scheint er trotzdem nicht immer die zutreffendsten Aussagen gemacht zu haben.
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  • Kommentar von Marc Schlatter  (Marc Rafael)
    Mit meinem vorläufig letzten Corona-Beitrag möchte ich mich bei Herrn Egger von der Taskforce entschuldigen. Wie hier Herr Kuster zeigte er sich ebenso klug wie demütig, als er sagte, man sollte versuchen, punkto Rückhalt in der Bevölkerung von den Schweden zu lernen. So auch Herr Salathé: Man sollte uns mehr in die fachlichen Hintergründe einbeziehen. Selbst weitere Lockdowns könnten nur wirken, wenn die Bevölkerung mitzieht - zum Hausarrest für alle wird es nicht mehr kommen. Wohin ziehen wir?
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    1. Antwort von Marc Schlatter  (Marc Rafael)
      Ausserdem zeigt sich immer deutlicher, dass viele sich von der Regierung Sicherheit, Beständigkeit und Stärke wünschen. Der Glaube, dass sie uns das geben könne, ist eine Illusion - aber wie Kant, in einer Fussnote, zur Willensfreiheit anmerkt: Auch Illusionen können wirken, und dann sind sie Wirklichkeit.
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  • Kommentar von Marlies Artho  (marlies artho)
    Je mehr das man weiss, umso weniger weiss man.Es wird so viel über das Virus berichtet,man ist sich jedoch bis heute noch nicht sicher über Spätfolgen,vielleicht sollte man auch die Immunität der Menschen beobachten,allgemeine Lebenserwartung in frage stellen.Manchmal wäre weniger mehr.Könnte auch sein, dass ein zu hohes steriles Verhalten schädlich ist und Menschen immer mehr empfindlicher reagieren könnten, auf gewisse Viren. Einfach eine Überlegung über den heute noch unsicheren Sachverhalt.
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    1. Antwort von Hans Bernoulli  (H.Bernoulli)
      Sicher ist, dass Angst das Immunsystem schwächt.
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    2. Antwort von Daniela Zuber  (DaZu)
      @ M. Artho: " Je mehr man weiss, desto weniger weiss man." Diese Ausage ergibt keinen Sinn. Was sie ansprechen ist, dass man noch nicht viel weiss und vieles noch zum Teil unklar ist. Die Immunität im Zusammenhang mit Corona ist man sehr fest am erforschen. Also, darauf sind die Forscher schon mal gekommen. Allgemeine Lebenserwartung in Frage stellen? In welchem Zusammenhang? Wie funktioniert ein Virus, Frau Artho? Das würde ihre letzte Frage evtl. beantworten. Lesen sie mal nach.
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    3. Antwort von Marlies Artho  (marlies artho)
      Zur Lebensverlängerung, Menschen haben eine innere Uhr die irgendwann abläuft, niemand ist unsterblich. Verachtet wird Exit, jedoch wird aus Medizinisch-ethnischen gründen, Menschenleben medizinisch erhalten, auch bei Menschen die Lebensmüde sind. Deshalb braucht es eine Patienten Verfügung, damit die Ärzte nicht noch weiter sich um Patienten bemühen,so dass sie befreit werden von der Verantwortung. Oft zwiespältig bei Entscheidungen/Verantwortungen, da Loslassen bei einigen schwer fällt.
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    4. Antwort von Daniela Zuber  (DaZu)
      Ich verstehe was sie meinen Frau Artho aber ich weiss nicht, was das mit dem Corona zu tun haben soll. Was sie glaube ich ausblenden ist, dass es auch Menschen gibt die leben wollen und kämpfen wollen. Sie sprechen jetzt nur für diese Menschen, die lebensmüde sind.
      Was ist mit den Menschen, die leben wollen? Das gibt es auch. Ich gebe ihnen recht, dass es nicht richtig ist, einen Menschen künstlich am Leben zu halten, der eigentlich gehen möchte. Es gibt halt nicht nur eine Antwort darauf.
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    5. Antwort von Marlies Artho  (marlies artho)
      Es ist einfach eine Meinung.Vielleicht liegt es auch am loslassen von Angehörigen,sie geben noch der Person Unterstützung um für sich zu behalten, Lebensqualität der betroffenen Person? Sicher gibt es Menschen die kämpfen um weiter zu leben, was ja ok ist, wenn die Kraft vorhanden ist,das eine schliesst das andere ja auch nicht aus.Corona hat ja auch z.T. mit einem Überlebenskampf zu tun,starke Menschen überleben,schwache leider nicht, so traurig wie dies ist.Lebensende kann man nicht umgehen.
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