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Schweiz Selfscanning im Supermarkt: «Kassiererinnen wird es immer geben»

Seit Migros und Coop ihre Selfscanning-Automaten aufgestellt haben, bricht die Diskussion nicht ab. Lösen diese Stationen einen schleichenden Personalabbau aus oder erweitern sie umgekehrt die Entfaltungsmöglichkeiten des Personals? Eine Betroffene berichtet von der Front.

Ein Kunde scannt selbstständig seine Einkäufe ein.
Legende: Die neuen Selfscanning-Automaten sorgen für viel Gesprächsstoff. Keystone

In den grösseren Städten trifft man immer mehr auf die Selfscanning-Automaten. Anfangs waren sie noch ein technischer Blickfang. Langsam werden aber auch kritische Fragen gestellt. Nicht nur über die berufliche Zukunft des Personals, sondern auch über die einschneidende Veränderung in der Berufswelt. Ein Gespräch mit einer Kassiererin, die anonym bleiben möchte.

SRF: Gibt es den typischen Nutzer solcher Automaten?

Kassiererin: Nein, meine Erfahrung hat gezeigt, dass sowohl ältere als auch jüngere Kunden sie benutzen.

Müssen Sie oft helfen?

Ja, vor allem bei den Lebensmitteln. Es kommt immer wieder vor, dass die Kunden nicht wissen, ob sie eine Frucht oder ein Gemüse in den Händen halten. Auch bei den Backwaren, die keinen Barcode haben, werden wir gerufen.

Diebstähle – hatten Sie das schon einmal?

Leider. Aber ich unterscheide hier: Es gibt Kunden, die tippen die Ware ein und löschen sie gleich wieder. Das ist Diebstahl. Aber wenn jemand aus Versehen eine Ware nicht einscannt, beurteile ich das anders. Mit der Zeit lernt man, die Menschen richtig einzuschätzen.

Getrauen Sie sich, verdächtige Kunden zu kontrollieren?

Ja.

Sie haben gar keine Angst?

Nein. Ich überfalle die Kunden natürlich nicht mit Drohungen, sondern sage freundlich: «Ich glaube, Sie haben hier aus Versehen auf «Löschen» gedruckt»

Sehen Sie im Automaten auch einen Konkurrenten?

Nein. Kassiererinnen wird es schliesslich immer geben. In unserer Filiale mussten wir sogar eine zusätzliche Stelle schaffen.

Welche Reaktionen hören Sie häufig?

Manche sagen: «Diese Automaten sind ein Seich», andere pflaumen mich auch an der Kasse an: «Eintippen, das kann ja jeder Tubel!» Aber ich denke mir dann, dass diese Leute nur ihren Frust an mir austragen.

Scannen Sie Ihre persönlichen Einkäufe auch bei diesen Automaten ein?

Manchmal so, manchmal so.

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6 Kommentare

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  • Kommentar von Tom Duran, Basel
    Ein weiterer unnötiger Schwachsinn um die Gewinne der Multis weiter zu steigern. Die Preise sinken durch solche Sparmassnahmen jedenfalls nicht, ergo fliessen die Einsparungen in die Taschen der eh schon reichen Bosse und Verwaltungsräte! Dabei zahlen längst nicht alle mittels NFC oder einer Karte. Oder fällt dann mal der Strom aus, ist alles gratis? Erstaunlich wie sehr wir uns idiotisch der Elektronik unterwerfen und alles was von Oben kommt gedankenlos annehmen!
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  • Kommentar von Charles Halbeisen, Bronschhofen
    Sozial-Kontakt gehört zum Menschsein, wird aber immer mehr aus der Welt verdrängt, bis wir endlich eine "schöne Roboterwelt" haben, bei der jeder dem anderen aus dem Wege geht. Die fehlende Sozial-Kontrolle begünstigt wieder die Kriminalität. Um die Kriminalität einzudämmen, bracht es mehr Polizei. Am Schluss haben wir den Horror eines totalitären Überwachungs-Staates. Deshalb sollte sich jeder bewusst sein, dass sein Verhalten auch die Gesellschaft als ganze verändert.
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    1. Antwort von Hedvika Post, Zürich
      Technisierung bringt einfach nur mehr Möglichkeiten, was ein grosser Vorteil ist. Technologie hat nicht viel mit Kriminalität zu tun, sondern es ist die Einstellung der Menschen, mit Technologie kann man eher Kriminalität aufspüren. Technologie kann Menschen, die keine kriminellen Absichten haben, freier machen, da sie keine Kontrolleure brauchen und dadurch nicht unnötig belästigt werden und in einer freundlicheren Qualität mit anderen kommunizieren können.
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    2. Antwort von Tom Duran, Basel
      @Hedvika Post: schöne Zitate aus einem Werbeprospekt! Natürlich treffen diese Phrasen hinten und vorne nicht zu. Ansonsten müssten wir ja in einer total entkriminalisierten Welt leben. Aber trotz seit Jahrzehnten steigender technologiesierung sinkt die Kriminalität keinesfalls. Im Gegenteil, sie nimmt zu! Freundliches Personal muss halt geschult und dementsprechend entlöhnt werden. Anstatt immer mehr Geld in die eigenen Taschen zu leiten, sollten die Bosse mal an die Personalzufriedenheit denken
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    3. Antwort von E. Waeden, Kt. Zürich
      @H. Post: Doch traurige Tatsache ist, dass die Kriminalität, oder kriminelle Tätigkeiten über neue Technologien. welche den Menschen heute zur Verfügung stehen stark zunehmend sind. Daher hüte sich der Mensch vor zu viel Technologie! Und zudem isolieren sich die Menschen so immer mehr & es finden immer weniger soziale Kontakte statt. Da der Mensch aber eigentlich ein soziales Wesen ist, ist es also wider der Natur des Menschen. Und diese Abhängigkeit von Technik macht uns sehr viel unfreier.
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  • Kommentar von Markus Rüegg, Oberbuchsiten
    Im Interesse der Geschäfte werden die Kosten massiv gesenkt! Bei fast allen Kunden wird sich früher oder später Fehler gewollt oder ungewollt einschleichen. England das seit 20 Jahren Vorreiter in dieser Technologie ist, erleidet Milliarden Verluste und stellten daher wieder Verkäuferinnen ein. Irgenwie verrückt, es werden riesige Geldsummen verschleudert, weil man immer trendi sein will und das beste haben muss. Einige Zeit später ist man immer schlauer und geht auf dem Feld wieder eins zurück.
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