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Die Justizvollzugsanstalt Bostadel im Kanton Zug: 120 Häftlinge - immer mehr davon älter 60 Jahre
Aus Regionaljournal Zentralschweiz vom 12.02.2021.
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Senioren im Knast Ein Gefängnis rüstet auf für Häftlinge im Rentenalter

Die Gesellschaft altert - auch hinter Gittern. Das Gefängnis Bostadel im Kanton Zug erhält nun eine Betagten-Abteilung.

Die Justizvollzugsanstalt Bostadel bei Menzingen, in der idyllischen Hügellandschaft im Nordosten des Kantons Zug. Knapp 120 Häftlinge leben hier hinter Gittern und dicken Mauern, die meisten für sehr lange. Fast die Hälfte sitzt eine Strafe wegen Delikten gegen Leib und Leben ab, viele auch wegen Sittlichkeitsverbrechen. Andere sind hier in der Verwahrung.

Gefängnis ist schlecht ausgerüstet für Betagte

Anstaltsdirektor Andreas Gigon führt mit schnellem Schritt durch die Gebäude, öffnet Tür um Tür, schliesst schliesslich eine Zelle auf. Neun Quadratmeter gross, ein Bett, ein Waschbecken, ein kleines Pult mit Fernseher. «Das ist hier noch wie 1977 bei der Eröffnung des Bostadel», sagt Gigon. «Es ist dringend nötig, dass da etwas gemacht wird. Nicht bloss eine Pinselsanierung. Alles muss raus.»

Alles muss raus – nicht nur, weil die Einrichtung in die Jahre gekommen ist, sondern vor allem auch weil der Bostadel nicht ausgerüstet ist für eine bestimmte Gruppe von Insassen, die ständig wächst: betagte Häftlinge.

Blick in eine Zelle der Justizvollzugsanstalt Bostadel in Menzingen ZG.
Legende: Neun Quadratmeter gross und für betagte oder gar pflegebedürftige Insassen nicht geeignet: Blick in eine Zelle im Bostadel. SRF

Verwahrte werden hinter Gittern älter und älter

2008, als Andreas Gigon im Bostadel zu arbeiten anfing, gab es hier lediglich einen Insassen, der älter als 60 Jahre war. Heute sind es elf; Tendenz steigend.

Vor allem Verwahrte haben zunehmend schlechte Chancen, im Alter entlassen zu werden, sagt Gigon: «Das Sicherheitsbedürfnis der Gesellschaft hat sich verändert. Verwahrte Häftlinge wurden früher in einem gewissen Alter entlassen und kamen in einer betreuten Wohngruppe unter. Das gibt es heute kaum mehr.»

Also bleiben sie im Bostadel. In einem Gefängnis, das vor bald 50 Jahren konzipiert wurde und nicht auf betagte Insassen ausgerichtet ist. Alleine schon wegen der vielen Treppen und der fehlenden Rollstuhlgängigkeit.

In den Zellen soll es Platz für ein Pflegebett haben

Das soll sich nun ändern. Für knapp 70 Millionen Franken soll der Bostadel, der gemeinsam von den Kantonen Zug und Basel-Stadt betrieben wird, um- und ausgebaut werden; erweitert zum Beispiel um eine neue Abteilung für 20 alte und langzeitverwahrte Insassen.

«Wir orientieren uns hier an Altersheim-Zimmern», sagt Andreas Gigon. Will heissen: Die Zellen im Neubau werden grösser, damit ein Pflegebett darin Platz findet, das von beiden Seiten her zugänglich ist. Einzelne Zellen sollen auch auf Rollstühle ausgerichtet sein. Eine vergleichbare Einrichtung existiert in der Schweiz bislang nicht.

Modell der ausgebauten Justizvollzugsanstalt Bostadel in Menzingen ZG
Legende: Modell der ausgebauten Justizvollzugsanstalt Bostadel: Im gelben Teil sollen betagte Häftlinge einquartiert werden. ZVG

Spitex für die Häftlings-Pflege?

Ältere Gefängnisinsassen brauchen aber nicht nur eine andere Infrastruktur, sondern auch mehr Betreuung. Für Bostadel-Direktor Gigon ist klar: «Wir werden unser Personal anders ausbilden müssen. Aber wir werden wohl auch externe Fachpersonen benötigen. Es ist vorstellbar, dass wir für gewisse Insassen auf die Spitex zurückgreifen müssen.»

Das Parlament von Basel-Stadt hat dem Umbau bereits zugestimmt. Jenes in Zug muss noch einen endgültigen Entscheid fällen, das dürfte aber Formsache sein. Die Bauarbeiten sollen 2026 starten. Läuft alles nach Plan, ziehen in rund zehn Jahren die ersten Bostadel-Insassen in die Betagten-Abteilung der Strafanstalt ein.

Regionaljournal Zentralschweiz, 12.2.2021; 17:30 Uhr;

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6 Kommentare

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  • Kommentar von Colin Hay  (History Matters)
    Geld, Geld, Geld, für die meisten Kommentarschreiber wieder DAS Argument! Die Gefangenen verbüssen ihre Strafe ja schon hinter Gitter und jeder hat ein Recht auf würdige Bedingungen; auch im Gefängnis. Wo kommen wir da sonst hin.

    Und das „Steuergelderverschwendungs“-Argument lasse ich hier nicht gelten, solange wir unnötige Milliarden ausgeben für Militärmunition, Kampfjets, Strassen die gefühlt jedes Jahr saniert werden etc..

    Wir haben genug Kohle im Keller hier in der Schweiz!
  • Kommentar von Damian Derungs  (Domino)
    Schon trsurig für was leute geld ausgeben wollen, das ihnen nicht gehört. Dieses zimmer würde ohne weiteres noch als jugi oder dergleichen durchgehen. Verstehe nicht ganz warum häftlinge neue möbel brauchen. Wer ein pflegebett braucht, kann auch ohne weiteres in ein heim umquartiert werden. Da ist man keine wirkliche gefahr mehr. Für alle anderen ist so ein zimmer mehr als zumutbar. Die haben mehr platz wie wir in jedem wk im bunker. Einfach so nebenbei mal erwähnt.
  • Kommentar von Vinzenz Böttcher  (AfroKaiser)
    Super Idee. So kosten diese Kriminellen uns alle etwas mehr Geld. Negative Kommentare zu dieser hervorragenden Investition werden nicht zugelassen. Deswegen hier meine volle Zustimmung. Wer schwere Verbrechen begeht, die lange Haftstrafen erzwingen, hat einen würdigeren Lebensabend verdient, als ein ehrlicher Arbeiter, der sich nicht alle Zusatzversicherungen leisten kann. Da weiß ich, wofür meine Steuern genutzt werden. Weiter so.