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Session Frankenstärke und Mindestkurs: Wie viel Macht soll die SNB haben?

Die Wirtschaft klagt, die Politik fordert: Nach der Aufhebung des Euro-Mindestkurses geht die Debatte um die Macht der SNB weiter. Im SRF-Streitgespräch haben SP-Nationalrätin Leutenegger-Oberholzer und FDP-Nationalrat Noser schon mal ihre Standpunkte klargemacht.

Zwei Männer und eine Frau stehen an einem Pult.
Legende: SP-Nationalrätin Susanne Leutenegger-Oberholzer und FDP-Nationalrat Ruedi Noser (rechts) im Radiostudio. SRF

Seit die Schweizerische Nationalbank (SNB) Mitte Januar entschieden hat, den Euro-Mindestkurs aufzuheben, steht sie in der Kritik. Manche monieren, sie habe zu viel Macht, dass sie solche Entscheide alleine fällen könne.

Die Alternative wäre, die Unabhängigkeit der SNB einzuschränken, sie stärker an die Politik zu binden. Etwas, das SP-Nationalrätin und Wirtschaftspolitikerin Susanne Leutenegger-Oberholzer befürwortet.

Forderung nach neuem Mindestkurs

Sie hat zudem eine klare Forderung an die SNB: einen neuen Mindestkurs zu setzen. Und sei es ein faktischer – was bedeutet, dass die SNB den Mindestkurs nicht offiziell ausruft, sondern automatisch bis zu einem gewissen Kursniveau interveniert.

«Der Mindestkurs war ein Segen für die Schweiz», sagt die linke Wirtschaftspolitikerin. Denn er habe der Schweiz eine sehr gute wirtschaftliche Situation beschert, habe verhindert, dass die Folgen der Finanzkrise auf die Schweiz durchschlugen, sowie die Beschäftigung und das Wachstum stabilisiert.

Wirtschaft stellt sich auf Regeln ein

Der FDP-Nationalrat Ruedi Noser hingegen findet, dass die Geldpolitik primär Aufgabe der SNB und nicht der Politik sei. Im Gegenteil: «Wir müssen in erster Linie dafür schauen, dass wir die Wirtschaft nicht dauernd mit neuen Unsicherheiten und Regulierungen beschäftigen», wie das in den letzten sechs Jahren der Fall gewesen sei. Stabilität, so dass die Rahmenbedingungen für die Wirtschaft klar sind, lautet sein Motto.

Man kann Entlassungen schon einfach durchwinken. Doch uns sind sie nicht egal.
Autor: Susanne Leutenegger-OberholzerSP-Nationalrätin

Auf den momentanen Kurs von Franken 1.06 könne man sich als Unternehmer einrichten. Zumal er «ziemlich stabil zu sein scheint», sagt Noser, selber Unternehmer im Bereich Telekommunikation und Informatik mit seiner Firma «Noser Gruppe.» Auch sein Unternehmen habe grosse Verluste gemacht nach der Bekanntgabe der SNB, betont Noser. Aber, wenn die Regeln klar seien – und momentan heisse das ein flexibler Wechselkurs – dann könne sich die Wirtschaft auf diese Regeln einstellen.

Eine starke Währung ist ein Kompliment an ein gutes System. Und wir werden immer eine starke Währung haben.
Autor: Ruedi NoserFDP-Nationalrat

Viele Firmen, die am 15. Januar schwarz gesehen hätten, würden bereits handeln und vorwärts schreiten, sagt Noser. «Denn sie wissen, dass sie die Probleme selbst lösen müssen.» Und ja, dazu gehörten auch Stellenkürzungen.

Genau an diesem Punkt stört sich Leutenegger-Oberholzer. «Die Verteidigung der Arbeitsplätze ist zentral», sagt sie. Man könne Entlassungen natürlich einfach durchwinken. «Doch uns sind sie nicht egal», betont die Sozialdemokratin Leutenegger-Oberholzer.

Noser wendet ein, dass sich die Wirtschaft mit dem starken Franken werde arrangieren müssen. Er kann dem ganzen sogar Gutes abringen: «Eine starke Währung ist ein Kompliment an ein gutes System. Und wir werden immer eine starke Währung haben.»

Debatte im Livestream

Debatte im Livestream

Der Nationalrat debattiert heute in einer Sonderdebatte zur Frankenstärke. Sie wird ab 15:00 Uhr live hier auf srf.ch/news, auf SRF info sowie auf SRF 4 News übertragen.

Schneider-Ammann im Fokus

Volkswirtschaftsminister Schneider-Ammann.
Legende: keystone

Der starke Franken beschäftigt den Nationalrat. Welche Strategien sind nach der Aufhebung des Mindestkurses für eine Stärkung der Schweizer Wirtschaft angebracht? Hören Sie hier, wie sich der Volkswirtschaftsminister Johann Schneider-Amman in der Währungskrise positioniert.

24 Kommentare

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  • Kommentar von Marlies Artho, Schmerikon
    Wieso versucht die Politik sich in ein Geschäft einzumischen das für viele schwer verständlich ist.Das Vertrauen an die Politik wird irgendwie gestört.Warum möchte man einem Kompetenten Fachmann wie T.Jordan die Kompetenz absprechen,um Entscheidungen zu treffen,die manchmal eben nicht so einfach sind und nicht allen passt. Sprichwort:Viele Köche verderben den Brei.Eigeninteresse sollte bei diesem Geschäft für einmal ausgeschaltet werden und eher die Situation in der wir heute stecken betrachten.
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    1. Antwort von Hans Knecht, Torny
      Marlies Artho, weil es vielleicht in einer Ego-Gesellschaft um den eigenen Vorteil geht? Man versuche es mal z.B. aus der Sichtweise eines Narzisten zu sehen: Wenn ich durch ein Einflussnahme auf die SNB mir, bzw. der Firma einen Finanzvorteil verschaffe und ich daraus einen fetten Bonus erziele, dann kann es mir doch egal sein wenn die Wirtschaft an die Wand gefahren wird und die Allgemeinheit leidet. Ich kann mich dann immernoch mit meinem Geld absetzen.
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    2. Antwort von M.Müller, Zürich
      @Knecht und genau so ist es. Die SNB kann mit einer Anbindung den CHF schlecht kaufen, hat aber dann den Ramsch Euro im Keller. Solange die FED u. die EZB unverdientes Geld drucken um ihre Exporte zu steigern, solange wird der CHF ein Fels in der Brandung sein. Die Welt ist verkettet u. wenn unser stärker CHF an der Kette zieht, kommen wir nicht weit und das können wir nur erdulden. Ein Freikaufen mit Anbindung würde uns eine Schuldenfalle bescheren wie beim € u. $, ohne Ausgang bis zum Kollaps.
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  • Kommentar von Hans Knecht, Torny
    Macht bitte nicht aus der SNB einen weiteren Parteien-Spielball wie das Bundesgericht. Danke. Ansonsten müsste man eine Partei-Verbots-Initiative starten.
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  • Kommentar von Sascha Stalder, Oberdiessbach
    Das wäre eine Katastrophe, wenn die Politlobbyisten auch bei der Geldpolitik dreinreden dürften. Zudem wären durch Indiskretionen Tür und Tor für Spekulationen offen.
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