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Prinzip «Nur Ja heisst Ja» beim Sex findet Anklang
Aus Tagesschau vom 12.04.2022.
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Sexualisierte Gewalt Prinzip «Nur-Ja-heisst-Ja» beim Sex findet Anklang

  • 45 Prozent der Schweizer Einwohnerinnen und Einwohner halten das Zustimmungsprinzip «Nur-Ja-heisst-Ja» für die beste Lösung, um Betroffene vor sexualisierter Gewalt zu schützen.
  • Dies ist das Ergebnis einer repräsentativen Umfrage des Forschungsinstituts GFS Bern im Auftrag von Amnesty International Schweiz zur Reform des Sexualstrafrechts.
  • Bei Frauen, Jungen und queeren Menschen, die auch objektiv am stärksten von sexualisierter Gewalt betroffen sind, ist die Unterstützung für die Reform besonders hoch.

Die Umfrage von GFS Bern zeigt: Geht es um den Schutz vor sexualisierter Gewalt, fallen das aktuell geltende Nötigungsprinzip bei weiten Teilen der Befragten durch. Ebenso die Ablehnungslösung («Nein heisst Nein»), welche als Alternative zur Zustimmungslösung diskutiert wird. «Für die Beibehaltung des Status quo im Sexualstrafrecht spricht sich nur eine kleine Minderheit von 13 Prozent aus», lässt sich Cloé Jans von GFS Bern in einer Mitteilung zitieren.

Beleuchtet man die Antworten nach Alter und Geschlecht, zeigt sich: Die Hälfte der 18- bis 39-Jährigen beurteilen die Zustimmungslösung als beste Option zum Schutz von Betroffenen. Bei den über 65-Jährigen sind es 40 Prozent. Besonders gross ist die Unterstützung für das Nur-Ja-heisst-Ja-Prinzip bei Frauen: 47 Prozent sprechen sich dafür aus. Bei den Männern sind es 44 Prozent.

Befragung deutet auch auf problematische Verhalten hin

Laut den Ergebnissen von GFS Bern, gibt die grosse Mehrheit der Befragten an, sich bei den Themen Beziehung und Sexualität rücksichtsvoll zu verhalten. Es werde aktiv sichergestellt, dass das Gegenüber mit sexuellen Handlungen einverstanden sei. «Die Studie macht jedoch immer wieder Gruppen ersichtlich, deren Antworten auf problematisches Verhalten und Einstellungen hinweisen», wird Cloé Jans weiter zitiert.

Wenn das Gegenüber irgendwann früher einmal zu Sex zugestimmt habe, werte dies beispielweise rund jede fünfte Person mindestens eher als Einwilligung. Und: «Rund jede zehnte Person findet, Geschlechtsverkehr mit dem Partner oder der Partnerin sei unter bestimmten Umständen in Ordnung, auch wenn das Gegenüber aktuell nicht zugestimmt hat.» Solche problematischen Ansichten seien unter Männern «signifikant stärker verbreitet als unter Frauen», schreibt das Forschungsinstitut in seiner Mitteilung.

Amnesty appelliert an Parlament, Verantwortung wahrzunehmen

Wie aus der Umfrage weiter hervorgeht, ist eine Mehrheit der Befragten der Meinung, das Parlament sei besonders gefordert, sexualisierte Gewalt hierzulande zu bekämpfen.

Amnesty International Schweiz, welche die Umfrage bei GFS Bern in Auftrag gegeben hat, appelliert an die eidgenössischen Räte, ihre Verantwortung wahrzunehmen. «Ein neues Sexualstrafrecht sollte sich an den Realitäten und Bedürfnissen der Menschen orientieren, die am stärksten von sexualisierter Gewalt betroffen sind und jetzt eine Verbesserung benötigen», lässt sich Alexandra Karle, Geschäftsleiterin von Amnesty Schweiz, zitieren.

Amnesty setzt sich laut Mitteilung aktiv für eine Zustimmungslösung im Schweizer Sexualstrafrecht und eine Neudefinition des Vergewaltigungstatbestandes ein. Der Ständerat wird in der Sommersession über die Reform beraten.

Datenerhebung und Stichprobengrösse

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Das Forschungsinstitut GFS Bern hat die repräsentative Umfrage im Auftrag von Amnesty International Schweiz zwischen dem 3. und 10. März 2022 durchgeführt. Insgesamt wurden die Antworten von 1012 Einwohnerinnen und Einwohnern ab 18 Jahren für die Auswertung berücksichtigt. GFS Bern hat die Daten via Online-Befragung erhoben und die Stichprobe nach Alter, Geschlecht, Sprachregion, Bildung und Partei gewichtet.

Der statistische Fehler beträgt ± 3.1 Prozentpunkte. Bei 1012 Befragten und einem Ergebnis von 50 Prozent liegt der effektive Wert mit 95-prozentiger Wahrscheinlichkeit zwischen 46.9 und 53.1 Prozent.

Die Aufteilung der Befragten insgesamt auf die Sprachregionen ist wie folgt: 701 in der Deutschschweiz, 205 in der Romandie und 106 in der italienischsprachigen Schweiz.

SRF 4 News, 12.04.2022, 11:00 Uhr;

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119 Kommentare

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  • Kommentar von SRF News (SRF)
    Liebe Community, vielen Dank für die spannenden Diskussionen zu diesem Artikel. Wir schliessen nun die Kommentarspalte und wünschen einen schönen Abend. Liebe Grüsse, SRF News
  • Kommentar von Peter Weierstrass  (PWeierstrass)
    Strafgesetzbuch Art. 188 und 192 erfassen sexuelle Handlungen mit Abhängigen - diese Leute können schlecht Nein sagen.

    189 + 190: Drohungen, Gewalt und psychischer Druck sind bei sexuellen Handlungen verboten.

    Nach Art. 191 sind sexuelle Handlungen mit "zum Widerstand unfähigen" Menschen strafbar. 193 erwähnt das Ausnützen einer Notlage.

    Heute: Frauen werden für so schwach und wehrlos gehalten, dass man sie mit "ja heisst ja"-Lösungen unter besonderen Schutz stellen muss.
  • Kommentar von Anja Kroll  (AnjaFKroll)
    Zwischen einem „Nein“ und einem „Ja“ liegt ein riesiges Feld. Es heisst Schweigen. Schweigen wird jetzt als Zustimmung bzw. Nicht-Ablehnung interpretiert In vielen Fällen geht es genau um diesen Bereich. Viele Opfer von Übergriffen reagieren mit Schockstarre, nicht mit offenem Widerstand. Nein sagen in einer als bedrohlich erlebten Situation kann zu schwierig sein. Das ist menschlich. Deshalb: nur Ja heisst Ja.
    1. Antwort von Peter Weierstrass  (PWeierstrass)
      Wenn jemand während dieser "Schockstarre" sexuelle Handlungen vornimmt, macht er sich genauso strafbar. Es gibt nicht nur den Artikel 190 im Strafgesetzbuch, sondern auch den Artikel 191.