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Legende: Video Walter Nowak leidet bis heute unter dem Missbrauch abspielen. Laufzeit 00:25 Minuten.
Aus News-Clip vom 22.01.2019.
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Sexueller Missbrauch Katholische Kirche zahlt Opfern massiv mehr Geld

2018 bezahlte die katholische Kirche rund 700'000 Franken an Opfer von sexuellen Übergriffen, deren Fall verjährt ist. Im Vorjahr waren es noch 435'000 Franken. Ein Opfer kritisiert das Vorgehen der Kirche.

Walter Nowak ist 12 Jahre alt und glaubt an das Gute, als er in den 1960er- Jahren in das Kinderheim St. Iddazell des Klosters Fischingen (TG) kommt. Doch für ihn wird es ein Ort des Grauens.

«Nachts hörte ich die schweren Schritte des Paters auf dem Holzboden. Sie kamen immer näher, die Türe öffnete sich, er packte mich am Arm und zerrte mich in sein Schlafzimmer», erinnert sich Walter Nowak. «Es war immer derselbe Pater, der mich und auch andere Kinder physisch und sexuell missbrauchte.»

«Das Leid kann nicht wiedergutgemacht werden»

Walter Nowak, heute 62, stellte bei der katholischen Kirche einen Antrag auf eine Genugtuungszahlung und erhielt im Dezember 10’000 Franken: «Das Leid, das mir angetan wurde, kann mit keiner Summe wieder gutgemacht werden - doch wenigstens anerkennt die Kirche damit, dass Unrecht passiert ist». Er ist eines von 47 Missbrauchsopfer in der Schweiz, das 2018 eine Genugtuungszahlung erhalten hat. 2018 flossen rund 700'000 Franken an Missbrauchsopfer, das zeigen die Zahlen, die SRF vorliegen. 2017 waren es noch 435'000 Franken.

Massiv mehr schwerwiegende Fälle

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Der Genugtuungsfonds wurde Ende 2016 gegründet, 2017 nahm die Kommission Genugtuung ihre Arbeit auf und es wurden die ersten Zahlungen an Opfer geleistet. Der Fonds wird von der Schweizer Bischofskonferenz, der Vereinigung der Höheren Ordensobern der Schweiz und den kantonalen Kirchen der Römisch-katholischen Zentralkonferenz geäufnet. Weil das ursprünglich in den Fonds einbezahlte Geld nicht ausreichte, musste der Fonds durch die Geldgeber bereits zum zweiten Mal mit jeweils rund einer halben Million Franken nachalimentiert werden. Über die Höhe der Entschädigung in der Höhe von bis zu CHF 10‘000 in einem Regelfall oder bis zu CHF 20‘000 in einem besonders schwerwiegenden Fall entscheidet die Kommission Genugtuung der katholischen Kirche. Von den 2018 bearbeiteten Fällen wurden im Vergleich zu 2017 fast doppelt so viele Dossiers als schwere Fälle beurteilt.

Die Kommission Genugtuung der katholischen Kirche Schweiz bezahlt pro Fall bis zu 20’000 Franken. «Wenn ein Opfer vergewaltigt wurde ist für uns klar, dass wir die maximale Genugtuung von 20’000 Franken bezahlen» erklärt Liliane Gross, Präsidentin der Kommission. «Klar ist aber auch: das Leid kann mit keinem Geld wiedergutgemacht werden. Es geht um einen symbolischen Betrag.»

Legende: Video Kommissionspräsidentin Gross: «Bis zu 20'000 Franken bei schweren Fällen» abspielen. Laufzeit 00:33 Minuten.
Aus News-Clip vom 22.01.2019.

Täter streiten Tat ab

In mehr als der Hälfte der Fälle sind die mutmasslichen Täter verstorben. Es gibt beschuldigte Kleriker, die einen sexuellen Missbrauch stets abstritten. Das war auch im Fall Nowak so. Doch das ist für die Kommission nicht von entscheidender Bedeutung. «Wir sind für die Opfer da, nicht für die Täter,» erklärt Liliane Gross.

Wenn der Mundgeruch wichtig ist

Die Kommission Genugtuung spricht nicht mit den Opfern, sondern fällt seine Entscheide aufgrund von Opfer-Dossiers, die im zuständigen Bistum von einem Fachgremium zusammengestellt werden.

Genugtuungszahlungen

Im Bistum Basel ist Fabian Berz als Personalverantwortlicher für die Zusammenstellung der Dossiers verantwortlich. Er überprüft, ob die Aussagen der Opfer, die sie im Rahmen von einem Interview mit einer Fachperson gemacht haben, zutreffen. «Oft können sich die Opfer nicht mehr genau erinnern, wie sich der Übergriff genau abgespielt hat, nur noch an ein Detail - und das kann sehr wichtig sein.»

Wie bei dem Mann, der als 7-jähriger missbraucht wurde. Er konnte sich nur noch an ein bestimmtes Detail erinnern: der Priester hatte Mundgeruch. «Dieses Detail erhöhte die Glaubwürdigkeit, denn so etwas erfindet man nicht. Und es zeigt, dass es sich vermutlich um Zungenküsse handelte. Somit können wir rekonstruieren, um was es sich für einen Missbrauch handelte,» erklärt Fabian Berz.

Doch Walter Nowak wollte nicht darüber sprechen: «Ich gehe auf keinen Fall zur Täterorganisation und erzähle, wie oft und wie lange ich von einem ihrer Pater missbraucht wurde» sagt Walter Nowak. Für sein Dossier war Fabian Berz zuständig. Er darf über den Fall sprechen, da ihn Walter Nowak von der Schweigepflicht entbunden hat. «Wenn wir wie im Fall Nowak kaum Angaben über das Ausmass des Missbrauchs haben, fehlt uns ein wichtiger Bestandteil für das Dossier.» Walter Nowaks Fall wurde von der Kommission Genugtuung schliesslich als «Regelfall» eingestuft, das ergibt eine Genugtuung von 10’000 Franken.

Legende: Video Fabian Berz zur Kritik, dass das Verfahren nicht unabhängig ist abspielen. Laufzeit 00:36 Minuten.
Aus News-Clip vom 22.01.2019.

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14 Kommentare

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  • Kommentar von Manuela Fitzi  (Mano)
    Und der Staat betreibt von den frommen Mitgliedern die Steuern dafür... Gratuliere, noch so neutrale, saubere Schweiz.
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  • Kommentar von Roland Weber  (Roland Weber)
    Auch in Freikirchen - wie im Buch „das Paradies war meine Hölle“ und im Dok Film 2014 gezeigt.
    In der Mission wie dann auch in der Schweiz.
    Die Freikirchen SIL / Wycliffe übernehmen keine Verantwortung. Auch kein Geld - Deckel drüber, vergeben und die Täter schützen...
    Wer isr für die Opfer da????
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  • Kommentar von Denise Casagrande  (begulide)
    Mittels Geldzahlungen, können die kriminellen, gestörten sexuellen Missetaten der katholischen "Herrschaften" nicht "wieder gut gmacht" werden! Diese abstruse Täterschaft, gehört lebenslang hinter Gitter! Aber da halten offensichtlich die "scheinheiligen" Brüder bis hinauf zum Vatikan/Papst zusammen! Damit machen sich alle zu "Mittätern"! "Im Namen Gottes - beten", nützt den lebenslang traumatisierten Opfern gar nichts!!
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    1. Antwort von Dölf Meier  (Meier Dölf)
      Ich kenne keine fehlerlose Frau oder einen Mann. Dies ist nur die Spitze des Eisbergs. Würde man die säkulare Welt bezüglich missbräuchliche sexuelle Taten untersuchen, so würde das ein Erdbeben geben. Mein Vater war in einem Kloster. Als er nachts von einem MItbewohner bedrängt wurde, packte er den Koffer.
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