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Legende: Audio Das Resultat des HIV-Selbsttests kann falsch sein abspielen. Laufzeit 05:08 Minuten.
05:08 min, aus SRF 4 News aktuell vom 28.05.2019.
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Sich selbst auf Aids testen «Der Test kann HIV-positiv anzeigen, ohne dass man infiziert ist»

Der Grossverteiler Migros bietet seit kurzem einen Schnelltest für HI-Virus an. Die Präsidentin der Konferenz der Walliser Ärztegesellschaft, Monique Lehky-Hagen, ist den Tests gegenüber skeptisch. Er könne Menschen in Ängste stürzen, obwohl es keinen Grund gebe.

Monique Lehky-Hagen

Monique Lehky-Hagen

Präsidentin der Konferenz der Walliser Ärztegesellschaften

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Lehky-Hagen ist seit 2018 Präsidentin der Konferenz der Walliser Ärztegesellschaften. Sie praktiziert im Wallis als Ärztin für Innere Medizin.

SRF News: Wo sehen Sie Probleme bei diesem Selbsttest?

Monique Lekhy-Hagen: Es sind gute Tests. Das Problem hängt damit zusammen, dass man den guten Test im richtigen Moment beim richtigen Patienten und mit dem genügenden Vorwissen machen muss.

Sie sagen, die Tests seien zuverlässig, aber die Resultate nicht unbedingt. Heisst das, der Test kann HIV-positiv anzeigen, selbst wenn man keinen Erreger in sich hat oder umgekehrt?

Ja. Das ist eine Problematik, die viele Leute nicht verstehen. Es kommt drauf an, wann man den Test macht. Macht man ihn zu früh, direkt nach einem Kontakt, wird er negativ anzeigen. Das heisst aber nicht, dass man keinen HI-Virus hat. Es braucht Zeit, bis der Körper die Antikörper entwickelt hat, die mit diesem Test erkannt werden.

Im Gegensatz dazu kann es aber auch sein, dass der Test angibt, dass man HIV-positiv sei, obwohl man sich gar nicht mit HIV angesteckt hat. Wer dann dieses Vorwissen nicht hat, wird in Panik ausbrechen.

Das möchten wir mit unserer Warnung verhindern. Wir sind der Meinung, dass Leute, die eine Risikosituation eingingen, auch ein Risiko für andere Geschlechtskrankheiten haben.

Auch das Bewusstsein, dass viele andere Krankheiten nicht diagnostiziert werden, ist wichtig.

Diese Personen sollten sich sowieso an eine anonyme Beratungsstelle oder an eine Fachperson wenden. Sie sparen nichts, wenn sie den Selbsttest machen.

Für Sie ist dieser Selbsttest heikel, weil er ein gewisses Vorwissen braucht. Entweder man informiert sich via die Packungsbeilage oder man bezieht eine Fachperson in der Apotheke ein oder einen Arzt?
Ja, ich denke, so ist das. Man kann den Selbsttest schon machen, aber man muss sich Zeit nehmen, um genau zu verstehen, wie es sich mit diesen falsch positiven und falsch negativen Resultate verhält und wann man den Test macht. Insbesondere ist auch das Bewusstsein, dass viele andere Krankheiten nicht diagnostiziert werden, wichtig. Genau diese Krankheiten sind leider am Zunehmen in der Schweiz. Wer aus persönlichen Gründen nicht das Angebot von Fachpersonen nutzen will oder kann, der muss sich gut einlesen und wissen, wie der Test zu interpretieren ist.

Das muss man bedenken. In der Schweiz haben wir zum Glück eine rückläufige und sehr tiefe Prävalenz von HIV- Patienten.

Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) hat sich auf Studien aus Grossbritannien und Frankreich gestützt. Dort hatten diese Tests eine grosse Wirkung. Die Ansteckung ging zurück, weil sich sehr viele Leute testen liessen. Kann man das dann nicht adaptieren?

Bei uns stellt sich die Frage anders und das hat rein mit Statistik zu tun. Ein grundsätzliches Theorem besagt, dass wenn man diesen sehr guten Test in einer Bevölkerung anwendet, bei der diese Krankheit nicht häufig auftritt – zum Beispiel in der Schweiz –, dann ergeben sich mehr falsch positive Resultate, rein aus statistischen Gründen. Bringt man diesen Test aber bei einer Bevölkerung in Umlauf, bei der eine sehr hohe Prävalenz dieser Krankheit vorhanden ist, dann ergeben sich automatisch viel weniger falsch positive Resultate. Das muss man bedenken. In der Schweiz haben wir zum Glück eine rückläufige und sehr tiefe Prävalenz von HIV Patienten. Man möchte noch die, die man nicht gefunden hat, finden. Doch das System, das sich bis jetzt bewährt hat, sollte man nicht gefährden.

Das Gespräch führte Iwan Santoro.

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11 Kommentare

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  • Kommentar von Helena Müller  (Helena Müller)
    Ich finde, ein medizinischer Selbsttest gehört nicht in die Regale eines Grossverteilers. Punkt. Da geht es doch einfach darum, mit der Angst der Bevölkerung Geld zu machen.
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  • Kommentar von Denise Casagrande  (begulide)
    Wie kommt die "MIGROS" überhaupt zur Erlaubnis, HIV-Test-Equipment verkaufen zu dürfen?
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  • Kommentar von Marta Zaugg  (m_zaugg)
    Stimmt einfach nicht. Der Test kann nichts anzeigen, also nicht funktionieren. Positiv kann er bei einer negativen Person nicht anzeigen. Die Ärzte verdienen genug und haben noch genug zu tun. Gegen einen solchen Test spricht nichts. Sonst müsste man zuerst übers Internet diskutieren. Dort wird man krank gemacht, wenn man nicht den Verstand einsetzt.
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    1. Antwort von Hanspeter Müller  (HPMüller)
      Jeder Test kann bei nicht krankem Menschen ein falsch positives Resultat anzeigen. So wie auch jeder Test bei einem kranken Menschen ein falsch negatives Resultat anzeigen kann. Das hat mit dem Leben und den Tatsachen der Tests zu tun und nichts damit wie viel Aerzte verdienen oder nicht. Ihre Behauptung ist deshalb falsch.
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    2. Antwort von Marta Zaugg  (m_zaugg)
      Der oben abgebildete Test wird von der WHO empfohlen und zeigt kein HIV an, wenn man negativ ist. Er kann nur HIV nicht anzeigen, wenn zu früh getestet, oder kein Ergebnis anzeigen, weil er nicht funktioniert hat.
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    3. Antwort von Stefan Trasser  (chiggifan)
      @HPMüller: das ist so nicht korrekt. Während falsch negative Resultate Bei vielen Tests fast nicht verhindert werden können, sind falsch positive Resultate häufig fast komplett ausgeschlossen (Chance kleiner also ein Lottogewinn).
      Das Problem mit den falschen Negativresultaten kann man oft mit mehrfachen Tests über einen grösseren Zeitraum entschärfen.
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    4. Antwort von Hanspeter Müller  (HPMüller)
      @ Trasser: "Das Problem mit den falschen Negativresultaten kann man oft mit mehrfachen Tests über einen grösseren Zeitraum entschärfen." Nein, kann man nicht. In der Zeit bis zum positiven Resultat wägt man sich dann in falscher Sicherheit und ist ansteckend. Das ist verantwortungslos.
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    5. Antwort von Hanspeter Müller  (HPMüller)
      @ Zaugg und Trasser: Der in der Migros verkaufte Test "exacto" hat gemäss Herstellerwebseite "eine Sensitivität von nahezu 100 % und eine Spezifität von ebenfalls nahezu 100 % " Also beides nicht 100%. Gemäss Beipackzettel beziehen sich diese Zahlen nicht auf die Testung an und für sich, sondern im Vergleich zu den Labortests, und auch Labortests sind nicht perfekt. Dazu kommen 2% Anwenderfehler und das Diagnosefenster von 3 Monaten, das gemäss Studien von 68% der Anwender unterschätzt wird.
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    6. Antwort von M. Fretz  (MFretz)
      Gegen einen solchen Test spricht die falsche Sicherheit die das Resultat verspricht
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    7. Antwort von Stefan Trasser  (chiggifan)
      @HPMüller: wenn man noch nicht 100% sicher ist, Dass man kein HIV hat, dann muss man sich halt entsprechend verhalten. Auch bei einem Arztbesuch kann man sich vor ca. 4 Monaten und 2 Tests I'm Abstand von einigen Wochen nicht sicher sein.
      Auch die Tests Bei Arzt geben keine bessere Spezifität und Sensitivität. Der einzige Unterschied ist die Beratung beim Arzt. Und natürlich die Kosten.
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    8. Antwort von Hanspeter Müller  (HPMüller)
      @ Trasser: Den Test macht man in Realität aber nicht, um trotzdem aufzupassen. Und bezüglich Test beim Arzt: Diese Zeiten sind längst vorbei. Inzwischen gibt es bei Bedarf eine ganze Palette Tests, die nicht wie der Migrostest die Abwehrkörper messen, sondern den Virus direkt. Die sind nach wenigen Tagen positiv und in der Kombination viel zuverlässiger als der Selbsttest. Aber halt nur beim Arzt/Beratungsstelle, resp. dem dahinter stehenden Labor erhältlich.
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