Zum Inhalt springen

Header

Zur Übersicht von Play SRF Audio-Übersicht

Sicherheitsmassnahmen Riesiger Erdspalt wächst – Chippis VS droht Evakuierung

  • Im Val d'Anniviers im Wallis vergrössert sich eine Bruchlinie im Erdreich täglich um 2 bis 4 Millimeter und erreicht inzwischen eine Länge von 250 Metern.
  • Die Behörden befürchten einen Hangrutsch bei Vissoie in den Fluss La Navisence und bereiten Sicherheitsmassnahmen und Evakuierungspläne für die Gemeinde Chippis VS im Rhonetal vor.
  • Plätze in Zivilschutzräumen der umliegenden Gemeinden wurden vorsorglich reserviert.

Neben dem Hauptriss im Gebiet «Les Fios» gegenüber dem Dorf Vissoie (Gemeinde Anniviers) stellten Geologen und Geologinnen mehrere sekundäre Verwerfungen fest. Die instabile Masse umfasst rund 500’000 Kubikmeter. Der Ort wird seit Oktober 2025, also seit der Entdeckung der Bruchstelle, aktiv überwacht.

Zum Vergleich: Das Dorf Blatten im Walliser Lötschental war im Mai 2025 von neun Millionen Kubikmeter Fels, Geröll und Eis verschüttet worden.

Riss im Boden.
Legende: Am Hang im Gebiet im Ortsteil «Les Fios» auf der anderen Talseite von Vissoie (Gemeinde Anniviers) klafft der Boden jeden Tag ein Stück weiter auf. KEYSTONE / Laura Juliano

Die Verwerfung im Val d'Anniviers (Eifischtal) im Unterwallis entstand infolge der Hochwasserereignisse von 2018 und 2024. Das Flussbett der Navisence, das als Fundament für den darüber liegenden Hang diente, wurde durch das Wasser geschwächt. Ohne diese Stütze begann die Erdmasse langsam abzurutschen, was zu einer erheblichen Bodensenkung führte und einen 250 Meter langen und zwischen 80 Zentimeter und einen Meter breiten Riss entstehen liess.

Drohne überfliegt Ort wöchentlich

Darum wurden Überwachungsinstrumente installiert, um die Bewegungen kontinuierlich zu messen. Dabei handelt es sich um Längenmessgeräte, einen Laserscanner und eine Webcam. Eine Drohne überfliegt den Ort jede Woche. Die grossen Bäume am Hang wurden vorsorglich gefällt.

Luftaufnahme des Erdspalts.
Legende: Die Bewegung der Bruchlinie wird ständig beobachtet. KEYSTONE / Laura Juliano

Aus Sicherheitsgründen wurde die Bevölkerung gebeten, sich dem Gebiet nicht zu nähern. Bei einer Beschleunigung der Bewegungen kann ein Alarm ausgelöst werden. Das «Katastrophenszenario» wäre, dass die gesamte instabile Masse auf einmal abrutscht. Zum jetzigen Zeitpunkt gehen die Geologinnen und Geologen jedoch davon aus, dass dies in mehreren Etappen geschehen wird.

Ein Einsturz könnte den Fluss La Navisence unterhalb der Verwerfung aufstauen. Die Bildung eines temporären Sees würde insbesondere bei der anstehenden Schneeschmelze zu erheblichen Hochwassergefahren führen. Dies könnte für die Gemeinde Chippis in der Talebene an der Rhone gegenüber von Sierre/Siders gefährlich werden. Betroffen wäre auch das Stromnetz und ein Kraftwerk im Val d'Anniviers. Eine Notstromleitung ins Tal soll zu Beginn des Sommers bereitstehen.

Zivilschutzräume reserviert

In Chippis beobachten die Behörden die Lage aufmerksam. Die Navisence fliesst am östlichen Dorfrand in die Rhone/Rotten und könnte bei Hochwasser über die Ufer treten. Vorsorglich wurden bereits Plätze in den Zivilschutzräumen der umliegenden Gemeinden für den Fall einer Evakuierung von Chippis reserviert.

Die Bevölkerung von Chippis wurde am Montagabend zu einer öffentlichen Informationsveranstaltung eingeladen, bei der die Behörden einen Überblick über die Lage gaben.

Transparenzhinweis

Box aufklappen Box zuklappen

In einer ersten Fassung des Artikels wurde der Hauptriss im Ortsteil «Les Fioz» am Fusse des Dorfes Grimentz (Gemeinde Anniviers) verortet. Der gefährdete Bereich, lokal genannt «la faille des Fios», befindet sich aber weiter talauswärts im Val d'Anniviers am Abhang zum Fluss La Navisence gegenüber dem Ort Vissoie. Die lokalen Gebietsbezeichnungen «Fios» führten zu einer Verwechslung. Die Textstellen und der Kartenausschnitt sind entsprechend angepasst worden.

Fast 300 Einwohner, also etwa 20 Prozent der Bevölkerung, waren anwesend, wie der Gemeindepräsident von Chippis, Olivier Perruchoud, der Nachrichtenagentur Keystone-SDA sagte. Die grösste Sorge der Bürgerinnen und Bürger sei gewesen, wie viel Zeit sie für eine Evakuierung hätten und ob sie evakuiert werden müssten.

Diskutieren Sie mit:

SRF 4 News, 10.3.2026, 16:00 Uhr ; 

Meistgelesene Artikel