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Jäger müssen sich bei Gämsen zurückhalten
Aus Regionaljournal Zentralschweiz vom 13.07.2021.
abspielen. Laufzeit 03:46 Minuten.
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Sinkende Gämsenpopulation Jäger dürfen weniger Gämsen schiessen

Es gibt immer weniger Gämsen. Sie brauchen Schutz. Deshalb werden zum Beispiel in Nidwalden die Abschüsse reguliert.

Sie hat etwas Edles mit ihren dunklen Streifen vom Auge bis zur Nase hin, sie ist eine flinke Kletterin und sie zu jagen gehört zur Kür eines Jägers. Allerdings: Die Chance auf eine Gämse zu treffen, wird immer kleiner. Nicht weil sie sich vor den Jägerinnen und Jägern gut versteckt, sondern weil die Gämsenpopulation in der Schweiz rückläufig ist.

Die Jagdstatistik des Bundes weist für das Jahr 2019 rund 90'000 Gämsen aus. Vor 20 Jahren waren es noch gut 100'000. 

Legende: Sie sind immer seltener anzutreffen. Die Population der Gämsen geht zurück. Keystone

Werner Zumbühl aus Dallenwil im Kanton Nidwalden beobachtet diesen Rückgang aus nächster Nähe. Wenn er in seinem Jagdgebiet auf die Pirsch gehe, treffe er deutlich weniger auf eine Gams, wie das Tier in der Jägersprache heisst, als noch vor ein paar Jahren.

Kantone limitieren Abschusszahlen der Gämsen

Es ist ein schweizweites Problem. Deshalb greifen viele Kantone seit einigen Jahren ein und limitieren die Abschusszahlen bei der Jagd. So auch der Kanton Nidwalden. Erst kürzlich hat er bekannt gegeben, dass er im Herbst die Abschüsse auf 60 Gämsen reduziert.

Der Jäger ist der Erste, der das Tier schützen und nicht ausrotten will
Autor: Werner Zumbühl Jäger

Werner Zumbühl,  Jäger und Präsident des kantonalen Patentjägerverbands, findet es richtig, die Gämsen zu schonen: «Der Jäger ist der Erste, der das Tier schützen und nicht ausrotten will». Wieso die Gämsenpopulation seit Jahren im ganzen Alpenraum zurückgeht, darauf habe man keine klare Antwort, sagt Werner Zumbühl. Genau deshalb scheiden sich über diese Frage auch die Geister.

Nur junge und alte Gämsen schiessen

Einig ist man sich darüber, dass der Rückgang der Gämsen gebremst werden muss. Die Schweizer Jagd- und Fischereiverwalterkonferenz und der Verband «Jagd Schweiz» haben sich deshalb vor vier Jahren auf ein gemeinsames Vorgehen geeinigt. Die Jägerinnen und Jäger sollten besser darauf achten, dass sie vor allem junge und ganz alte Gämsen schiessen und nicht mittel-alte, weil diese für die Fortpflanzung sehr wichtig sind. Die Kantone ihrerseits verpflichteten sich dazu, ihre Jagdplanung vorsichtiger anzugehen.

Legende: Gams in Sicht? Die Jäger sollen vor allem junge oder ganz alte Gämsen schiessen. Keystone

«Die Abschusszahlen sollen sich am aktuellen Gämsenbestand orientieren», sagt Dominik Thiel, Mitglied des Ausschusses der Konferenz. Verschiedene Kantone würden mittlerweile bei der Jagdplanung besser auf die Gämsenpopulation Rücksicht nehmen - mit Erfolg: In einzelnen Regionen könne man eine leichte Erholung beobachten.

Die Jagdstatistik der Schweiz zeigt ein ähnliches Bild: Die Abschusszahlen gehen zurück. Trotzdem müssten Kantone und Jäger weiter dranbleiben, so Dominik Thiel.

Wer ist schuld? Jäger, Luchs oder Freizeitsportler?

Die Gämsen sind unter Druck, auch wegen der Jäger. Das weiss David Clavadetscher, Geschäftsführer des Verbandes «Jagd Schweiz». Dass es aber nur an den Jägerinnen und Jägern liegt, will er so nicht stehen lassen.

Das Hauptproblem für die Gams ist die Freizeitgesellschaft.
Autor: David Clavadetscher Geschäftsführer Verband «Jagd Schweiz»

Auch der Luchs schade den Gämsen und allen voran der Mensch, der vermehrt in den Lebensraum der Gämsen eindringt. Mountainbikerinnen, Kletterer oder in tieferen Lagen Leute mit Hunden. «Das Hauptproblem für die Gams ist die Freizeitgesellschaft, die im Sommer wie im Winter Störungen verursacht».

Auch Steinböcke verdrängen Gämsen

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Legende: Der Steinbock breitet sich am Pilatus und am Brienzer Rothorn zu stark aus. Keystone

Steinböcke sind geschützte Tiere. Trotzdem darf man im Herbst am Pilatus und am Brienzer Rothorn Steinböcke schiessen. Der Bund hat die Abschüsse bewilligt. Der Grund: Einerseits sind sie eine zu grosse Konkurrenz für die Gämsen und anderseits fressen die Steinböcke die jungen Bäume in den Schutzwäldern. Die Kolonie auf dem Pilatus ist zirka 120 Tiere gross. Im Herbst dürfen neun Steinböcke geschossen werden. Am Brienzer Rothorn leben 220 Steinböcke – der Bund hat davon 24 zum Abschuss freigegeben. Die Kantone Luzern, Bern, Ob- und Nidwalden sind gemeinsam für die Steinbockgebiete am Pilatus und am Brienzer Rothorn zuständig. Sie teilen sich deshalb die Abschüsse auf.

Tatsächlich würden die Gämse heutzutage häufiger gestört, sagt auch Sara Wehrli von der Naturschutzorganisation «Pro Natura». Es brauche deshalb mehr Information und Sensibilisierung der Freizeitsportlerinnen und -Sportler. Zudem müsse man über die Ausscheidung von zusätzlichen Wildruhezonen im Gebirge nachdenken.

Rendez-vous, 27.07.2021, 12:30 Uhr;

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33 Kommentare

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  • Kommentar von Nic Grund  (Gruendeli)
    Eine spannende Tatsache finde ich auch, dass Jäger die grössten, schönsten und stärksten Tiere abknallen (gibt eine schönere Trophäe), Luchs, Wolf und co. jedoch die schwachen und kranken, weil sie leichter Beute sind.

    Diese Selektion, hat über die Jahre zu einer deutlichen Verringerung der Körpergrösse der gejagten Tiere geführt. Schlimm!!
  • Kommentar von Kurt Flury  (Simplizissimus)
    Ja, in der Schweiz leben rund 300 Luchse und etwa 80 Wölfe. Demgegenüber gibt es rund 29000 aktive Jäger. Im Gegensatz zu den Jägern ist für erstere beide die Jagd überlebensnotwendig. Den Schwarzen Peter den Wildtieren aufzuschwatzen ist schon sehr bedenklich und unfair: Die Tiere folgen einzig ihren Instinkten und haben keine Wahl ob sie denn überleben wollen oder nicht.
    1. Antwort von Beppie Hermann  (Eine rechte Grüne)
      Und diese 29000 Jäger schossen lt Jagdstatistik 2019 gegen 80'000 Huftiere, die Hauptbeutetiere der Wölfe. Uam 42'381 Rehe, 13'043 Rothirsche, 12'141 Wildsäue, 10'456 Gemsen. Und auch wenn man eigentlich längst aus Erfahrung verschiedenster Länder, Kantone, Regionen wissen müsste, dass Jagd nicht reguliert, sondern die Artenvielfalt aus dem Gleichgewicht bringt, hält man hartnäckig daran fest wie noch vor Mio Jahren, obwohl,wie Sie sagen, die für Menschen längst nicht mehr überlebenswichtig ist.
  • Kommentar von Alois Keller  (eyko)
    Wilderer schlachten in Afrika jedes Jahr etwa 20.000 Elefanten wegen ihrer Stoßzähne ab. Auch die illegale Jagd auf Nashörner hat dramatisch zugenommen: 2007 wurden in Südafrika noch 13 Tiere gewildert, 2015 waren es 1.175. In Afrika und Asien werden zudem verschiedenste Affenarten für den Verzehr und den illegalen Handel mit sogenanntem „Buschfleisch“ gejagt, darunter auch die hochbedrohten Gorillas und Schimpansen. Fleisch und Körperteile werden zunehmend anwohlhabende Konsumenten verkauft.
    1. Antwort von Beppie Hermann  (Eine rechte Grüne)
      A.Keller, man hätte längst gegen diese Ausplünderungen der Natur vorgehen müssen. Aber eben, viel zu viele tun für Geld, Wohlstand u.Spass alles. Sie sind entweder korrupt od.haben keine Gefühle für ihre Mitgeschöpfe od.beides. In der CH ists kaum besser. Wie heissts doch so feierlich in der Präambel der BV: in Verantwortung gegenüber der Schöpfung u.gegenüber künftigen Generationen" Art.78 kann getrost zu Grabe getragen werden! Unsere Natur u.Artenvielfalt schmilzt dahin wie das Eis am Nordpol.