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Diskussionen um neues Basler Stadtquartier
Aus Rendez-vous vom 12.03.2021.
abspielen. Laufzeit 03:39 Minuten.
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So gross wie die Altstadt Basel streitet über das Quartier der Zukunft

In Basel entsteht auf dem Klybeck-Areal ein neuer Stadtteil und bereits in der frühen Planungsphase gibt es erste Konflikte.

Die Dimensionen sind riesig: Im Klybeck-Quartier wird in den nächsten rund 20 Jahren eine Fläche von 300'000 Quadratmetern frei – dies entspricht ungefähr der Grösse der Basler Altstadt rund ums Münster. Auf dem Gebiet, auf dem sich derzeit noch Anlagen der chemischen Industrie befinden, soll ein neues Quartier entstehen. Geplant sind Wohnungen und Arbeitsplätze für bis zu 10'000 Menschen.

Visualisierung
Legende: Visionen des neuen Stadtteils im Klybeck. zvg kühne wicki und KOSMOS Architects

Die Planung ist kompliziert. Es muss entschieden werden, welche der heutigen Industriebauten bleiben, welche nicht. Zudem gibt es Altlasten der Chemie in den Böden.

Zum grössten Knackpunkt werden dürfte aber die Frage, wie gross der Anteil an günstigem Wohnraum sein soll. Darüber streiten sich derzeit Anwohnerinnen und Anwohner sowie die Investoren, die zu einem grossen Teil aus Pensionskassen bestehen.

Luxusquartier...

Anwohner-Vertreter Christoph Moerikofer hat grosse Bedenken, dass im Klybeck ein neues Luxusquartier entstehe. «Die Befürchtung, dass es ein Quartier für Gutsituierte und Reiche gibt und eine massive Gentrifizierung stattfindet, ist nicht von der Hand zu weisen.»

Die Gruppe von Anwohnern verlangt deshalb, dass mindestens die Hälfte der Wohnungne preisgünstig sein sollen und haben dazu eine entsprechende Initiative eingereicht. Ein solches Ziel lehnen die Investoren klar ab. Sie sehen auf dem Areal höchstens ein Drittel preisgünstige Wohnungen vor.

...oder bunt gemischter Stadtteil?

Den Konflikt zwischen Anwohnern und Investoren lösen soll eine in Basel bestens bekannte und in unterschiedlichen Kreisen verankerte Persönlichkeit: Die ehemalige SP-Ständerätin Anita Fetz. Fetz sitzt im Verwaltungsrat der Rhystadt AG, einem Zusammenschluss der grössten Grundbesitzer auf dem Areal.

In dieser Funktion arbeitet sie an der Planung mit. «Das wird ein bunt gemischtes Stadtquartier mit zahlbaren Wohnungen. Es wird Arbeitsplätze geben und Einkaufsmöglichkeiten, Kultur, Sport – alles was es in einem Quartier braucht», erklärt Fetz.

Platz mit Leuten
Legende: Alte Industriegebäude sollen stehen bleiben und umfunktioniert werden. Welche Gebäude stehen bleiben, ist jedoch noch offen. zvg kühne wicki und KOSMOS Architects

In Gesprächen will Fetz die kritischen Anwohner überzeugen, dass hier kein Luxusquartier entstehe. Wie sie die Kritiker genau umstimmen will, könne sie jedoch noch nicht genau sagen.

Die Wohnungsfrage ist in Basel immer wieder hochpolitisch und wird regelmässig heiss diskutiert. Die Stimmbevölkerung hiess zuletzt Volksinitiativen gut, die mehr günstigen Wohnraum fordern.

Kantonsbaumeister Beat Aeberhard sagt deshalb, es überrasche ihn nicht, dass bei der Entwicklung eines neuen Areals über den Anteil an bezahlbarem Wohnraum diskutiert werde. Er persönlich würde jedoch lieber eine andere Diskussion führen. «Wir müssten uns grundsätzliche Fragen zum Wohnen stellen: Über neue Wohnformen oder über den gestiegenen Verbrauch von Wohnfläche in den letzten Jahren.»

Man müsse sich beispielsweise überlegen, wie man Wohnungen konzipieren könne, damit Senioren künftig lieber dort leben statt im grossen Einfamilienhaus am Stadtrand. Oder wie man klimaschonend bauen könne.

Gebiet von Oben
Legende: Blick Richtung Norden. Das Entwicklungsgebiet liegt zum Teil am Rhein und umfasst 300'000 Quadratmeter. Keystone

Für Aeberhard ist jedoch klar: «Ohne die Mitsprache der Bevölkerung geht es nicht.» Die grosse Herausforderung im ganzen Prozess sei die Kommunikation mit der Bevölkerung.

Dafür bleibt noch genügend Zeit: «Wir rechnen damit, dass wir in vier bis fünf Jahren mit den ersten Bauarbeiten beginnen können», sagt Anita Fetz. Bis der neue Stadtteil von Basel vollständig fertig gebaut ist, dauert es schätzungsweise dann noch rund 15 bis 20 Jahre.

Rendez-Vous am Mittag, 12.03.2021, 12:30 Uhr;

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9 Kommentare

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  • Kommentar von Beat Reuteler  (br)
    Sie können es planen wie sie wollen. Ich möchte als werdender Senior niemals dort wohnen. Dazu braucht es Leute die ganz anders aufgewachsen sind und ganz anders gelebt haben.
  • Kommentar von Andreas Diethelm  (Okapi)
    Am besten studieren der VR der Rhystadt AG und vor allem deren Gegner sehr genau die Entstehungsgeschichte von Zürich Nord auf dem Areal der ehemaligen MFO, Akku,, Contraves und die Geschichte des anschliessend zugebauten Industriegebiets Pfingstweid (Zürich West) als abschreckende Beisp, wie mit hist. Bausubstanz umgegangen wurde, wie dort "aufgeräumt" wurde und dann Retortensiedlungen entstanden und Wildwestplanung betrieben wurde und wird. Misstraut dem Urbanschwurbel, follow the money!
  • Kommentar von Dr. Thomas Rihm  (Dr. Thomas Rihm)
    Das linke Totschlägergument der Gentrifiziering zieht nicht ewig - viel bedenklicher war doch in Basel immer, die Prekarisierung zu vermeiden - allein deshalb, weil auch dort die Hälfte der Haushalte keine Bundessteuer zahlt -