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Solothurner Flurnamenbuch Maccaronibach und Kanada: Trouvaillen aus dem Namenbuch

36 Jahre lang wurden alle Solothurner Flurnamen erforscht, nun ist der letzte Band dazu erschienen. Ein Blick auf Kurioses.

Sie heissen Maccaronibach, Kanada oder Bismarck: Gebiete oder Strassen im Kanton Solothurn. 36 Jahre lang liess der Kanton alle Flurnamen auf seinem Gebiet erforschen. Nun ist der sechste und letzte Band des Solothurnischen Namenbuchs erschienen.

Alleine die neuste Ausgabe zur Amtei Bucheggberg-Wasseramt listet auf über 1500 Seiten rund 11'000 Namen von Orten, Strassen oder Gewässern auf. Geschaffen haben dieses Werk Rebekka Schifferle und Jacqueline Reber. Ihre Forschungsstelle für Solothurner Flurnamen an der Uni Basel wird nun geschlossen. Finanziert hat die Forschung grösstenteils der Kanton Solothurn mit Beiträgen aus dem Swisslos-Fonds.

Der Blick auf einige der interessantesten und überraschendsten Bezeichnungen aus dem Kanton Solothurn. Einige Flurnamen finden sich so oder ähnlich in mehreren Gemeinden oder anderen Kantonen.

Maccaronibach, Derendingen

Früher hiess das Gewässer Subingerbach und trieb die Wasserräder der Teigwarenfabrik Alter-Balsiger an. Die Fabrik war bis in die 1920er-Jahre in Betrieb, umgangssprachlich wurde sie «Die Maccaroni» genannt. Die Fabrik ging zu, der Name hat sich aber bis heute gehalten. Der gleiche Bach heisst weiter oben Sagibach.

Kanada, Welschenrohr-Gänsbrunnen

Weiler oberhalb des Dorfes Gänsbrunnen. Das Gebiet liegt laut Einheimischen abgelegen – fast so weit weg wie das Land Kanada. Der Name des Dorfes leitet sich tatsächlich von Gänsen ab. Brunnen bezeichnet eine Quelle, Gänse die Tiere: ein Bach mit Gänsen. Laut Sage sollen drei schneeweisse Gänse aus einem unterirdischen See erschienen und auf dem Bach geschwommen sein.

Bahnhofsschild Gänsbrunnen unter hölzernem Dach.
Legende: SRF

Lusbaum, Subingen

Name eines Gebietes in den Gemeinden Subingen und Oekingen. Die Bezeichnung leitet sich nicht vom Insekt Laus ab, sondern von Losbaum. Losbäume standen laut den Forscherinnen früher an Grenzen.

Wäsmeli, Grenchen

Eine Wase bezeichnet ein Stück Rasen oder Gras. Bekannt ist der Begriff «Wasenplatz», wo früher Tierkadaver deponiert wurden. Interessant: Vom Parkplatz Wäsmeli auf dem Grenchenberg kann man auf den «Stierenberg» wandern. Heute steht dort ein Restaurant, früher war es eine hoch gelegene Weide zur Sömmerung junger männlicher Rinder. Gleiches gilt oft für Bezeichnungen wie beispielsweise Schafmatt.

Strassenschild mit Warnhinweisen für Oberberg, Unterberg, Wäsmeli und Stierenberg.
Legende: SRF

Bismarck, Buchegg

Restaurant ausserhalb des Dorfes Küttigkofen. Der Gründer des Restaurants war ein Verehrer des deutschen Reichskanzlers Otto von Bismarck.

Örgelibrunnen, Deitingen

Ursprünglich wurde das Gebiet als Mürgelibrunnen bezeichnet. Murg heisst hier Sumpf: Die Gegend war früher mal feucht.

Passwang, Bergkamm im Solothurner Jura

Über den Passwang führt eine Gebirgsstrasse, an deren höchstem Punkt ein Tunnel durch den Berg führt. Seit dem Bau der Strasse wird der Name als «Pass bei der Felswand» verstanden. Dies ist laut den Forscherinnen aber nicht richtig. Der Name leitet sich nicht vom «Pass» ab. Einheimische bezeichnen das Gebiet auch heute noch als Barschwang. Ursprünglich hiess es Bor-Schwand: Rodung auf der Anhöhe.

Elsässli, Derendingen

Die ehemalige Kammgarnspinnerei baute für ihre Mitarbeitenden Ende des 19. Jahrhunderts Wohnhäuser. Viele dieser Arbeiter stammten aus dem Elsass. Durch die Verwendung der Bezeichnung Elsässli durch die Bevölkerung festigte sich diese mit der Zeit. Heute steht die Arbeitersiedlung unter Denkmalschutz

Luftaufnahme eines Industriekomplexes und Wohngebiets.
Legende: Denkmalpflege Solothurn

Flurnamen online finden

Regionaljournal Aargau Solothurn, 5.2.2026, 17:30 Uhr ; 

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