- Der Ex-CEO der Solothurner Spitäler AG kassierte während seiner zehnjährigen Amtszeit unrechtmässig über 500’000 Franken zu viel.
- Das zeigen zwei unabhängige Gutachten.
- Diese zeigten zudem in über 80 Prozent der untersuchten Funktionszulagen Fehler.
- Regierung und Parlament verlangen vom Verwaltungsrat, dass er die halbe Million Franken vom Ex-CEO zurückfordert.
Die Solothurner Spitäler AG (SoH) ist die grösste Gesundheitsversorgerin im Kanton Solothurn. Die AG gehört zu 100 Prozent dem Kanton. Nun zeigen mehrere Gutachten, dass in den letzten Jahren bei den Auszahlungen ans Personal nicht alles korrekt gelaufen ist. Bei den Auszahlungen an den ehemaligen CEO spricht die Regierung von «groben Verstössen».
Ende Januar ging der langjährige CEO Martin Häusermann (2014-2024) in den Ruhestand. Er erhielt aber noch bis November das volle Gehalt. Das hatten Medien berichtet, was unter anderem im Parlament für Kritik sorgte.
Der Regierungsrat leitete daraufhin eine Untersuchung ein; das Parlament setzte zudem eine Geschäftsprüfungskommission GPK ein.
Skandal und Schock
Von «Skandal, Misswirtschaft und Selbstbedienung» spricht die Solothurner SVP in ihrer Mitteilung. «Während die Bevölkerung immer höhere Krankenkassenprämien bezahlt und das Gesundheitspersonal täglich unter enormem Druck arbeitet, wurden in der Führungsetage rechtswidrige Vergütungen ausbezahlt».
Die FDP spricht in ihrer Mitteilung von «massiv strukturellen Mängeln», betont aber, dass sich die harsche Kritik nicht gegen das Personal der SoH richte, sondern gegen die operativen und strategischen Führungsorgane. Die SP ist «schockiert, dass die SoH durch das Fehlverhalten einiger weniger Leute an der Spitze» die SoH schwer geschädigt habe, teilt die Partei mit.
Unrechtmässige Funktionszulagen
Die Solothurner Regierung gibt «Ungereimtheiten» zu. Die SoH habe gegen das Personalrecht des Kantons verstossen. Die Berichte der Regierung und der GPK kommen zum Schluss, dass zu hohe Löhne an Mitarbeitende ausbezahlt wurden. Dies vor allem über Funktions- und Marktwertzulagen. Viele davon wiesen gemäss Mitteilung der Regierung Formfehler auf.
Der langjährige CEO habe in zehn Jahren 500'000 Franken zu viel ausbezahlt erhalten. In allen Fällen sei vor allem die Spitäler AG, nicht der Kanton, geschädigt worden.
Mehr Kontrolle und Geld zurück
Der Solothurner Regierungsrat und die parlamentarische GPK fordern Massnahmen. Unter anderem soll die Spitäler AG besser überwacht werden. Die Rolle der kantonalen Finanzkontrolle müsse überprüft und entflochten werden, rät die GPK.
Der Regierungsrat prüft, ob der Kanton weiterhin Eigentümer der SoH bleiben soll. Zudem müsse der Verwaltungsrat der SoH die unzulässigen Leistungen vom Ex-CEO zurückfordern.
«Bei den anderen Mitarbeitenden, welche Zulagen erhalten haben, wird bewusst auf Rückforderungen verzichtet», sagt die Regierung. Sie hätten nicht wissen können, dass die Zulagen unzulässig waren.
Engmaschig überprüfen
Die SoH muss zudem nun alle Funktions- und Marktwertzulagen, die aktuell ausbezahlt werden, überprüfen und bis Ende Jahr zeigen, wie ein «rechtskonformer Zustand» hergestellt werden kann.
Der Spital-Verwaltungsrat muss halbjährlich Berichte abliefern, welche Massnahmen ergriffen wurden. Die Regierung lässt die Massnahmen allenfalls von einer externen Stelle prüfen.