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Wenn sich die einzelnen Sozialberater um weniger Fälle kümmern müssen, steigt die Qualität der Beratung und es werden langfristig Kosten gespart.
Aus Regionaljournal Zürich Schaffhausen vom 15.07.2021.
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Sozialhilfe-Pilotprojekt Winterthur gibt mehr Geld aus – und spart damit Millionen

Eine externe Analyse zeigt: Der Stellenausbau bei der Sozialberatung führte in Winterthur zu tieferen Sozialhilfekosten.

Seit Jahren ächzt die Stadt Winterthur unter ihren steigenden Sozialhilfekosten. Betrugen sie 2010 noch gut 35 Millionen Franken, waren es 2019 bereits 61 Millionen Franken. Auch die Anzahl Bezügerinnen und Bezüger nahm stetig zu: von unter 3000 auf über 4500 Fälle. Elf zusätzliche, befristete Stellen in der Sozialberatung sollten Abhilfe schaffen.

Die Idee des Stadtrates: Wenn sich die einzelnen Sozialberaterinnen und -berater um weniger Fälle kümmern müssen, steigt die Qualität der Beratung und es werden langfristig Kosten gespart. Laut dem Departement für Soziales hat sich diese These nun bestätigt: 2019 konnten die Gesamtkosten um 2.7 Millionen Franken gesenkt werden. Der Erfolg des Pilotprojekts überzeugt auch die Parteien, sogar die SVP.

Die intensivere Sozialarbeit habe sich ausbezahlt, sagt Sozialvorsteher Nicolas Galladé: «Intensivere Sozialarbeit bringt nicht nur den Klientinnen und Klienten etwas, sondern auch den Steuerzahlerinnen und Steuerzahlern in Winterthur.» Neu betreuen die Angestellten in der Sozialberatung nur noch 80 Fälle anstatt 120. Das kostet zwar mehr, spart aber offensichtlich Geld.

So sind nicht nur die Kosten pro Fall gesunken, es fanden auch mehr Menschen wieder raus aus der Sozialhilfe. Sie fanden Arbeit, konnten ihr Pensum erhöhen oder es konnten andere Lösungen gefunden werden, wie zum Beispiel ein Stipendium für eine Ausbildung bei Jugendlichen.

Mehr Zeit führt zu besserer Betreuung

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Eine Studie, die von der Stadt Winterthur in Auftrag gegeben wurde, zeigt die konkreten Vorteile der intensiveren Betreuung von Sozialhilfebezügern auf:

  • Die Sozialarbeiterinnen haben mehr Kenntnisse über die einzelnen Fälle. Dies hilft auch beim Entscheid, welches Programm am besten zur betroffenen Person passt.
  • Sie haben mehr Zeit, die Ansprüche der Bezügerinnen und Bezüger zu klären (Stipendien, Ansprüche auf Alimente etc.)
  • Die Beraterinnen haben genügend Zeit, sich auch um Fälle von Personen zu kümmern, die seit mehreren Jahren auf finanzielle Unterstützung angewiesen sind. Häufig werden die jüngeren Fälle prioritär behandelt, weil bei ihnen die Chance auf Ablösung von der Sozialhilfe grösser ist.

Das schweizweit einzigartige Pilotprojekt soll jetzt unbefristet weitergeführt werden. Für die elf zusätzlichen Stellen benötigt Nicolas Galladé noch die Zustimmung des Parlaments. Gerade bürgerliche und Mitte-Parteien stemmen sich jedoch in der Regel gegen zusätzliche Stellen in der Verwaltung. Nicht aber in diesem Fall: das Projekt stösst von links bis rechts auf Zustimmung.

Programm nicht nur gut für die Stadtkasse

In diesem Fall gebe es gute Gründe, zusätzliche Stellen zu bewilligen, sagt Thomas Wolff, Fraktionspräsident der SVP im Winterthurer Stadtparlament. «Wir sind gegenüber diesem Pilotprojekt grundsätzlich positiv gestimmt, weil es Einsparungen bringt.» Auch Andreas Geering, der für «Die Mitte» im Winterthurer Gemeinderat sitzt, sieht die positiven Effekte. Diese seien aber nicht nur finanzieller Natur. «Auch bezogen auf jedes Einzelschicksal ist es sehr erfreulich, dass mehr Leute den Weg aus der Sozialhilfe gefunden haben.» Geering stellt aber in Frage, ob dafür tatsächlich elf zusätzliche Stellen geschaffen werden müssen oder ob auch weniger Stellen ausreichend wären. Trotzdem dürfte die Vorlage im Parlament ohne grossen Widerstand durchkommen. Das Modell und die Erfahrungen der Stadt Winterthur sind auch für andere Schweizer Städte und Gemeinden interessant. So wird das Modell zwischen 2022 und 2027 auch in Basel-Stadt getestet.

Regionaljournal Zürich Schaffhausen, 13.07.2021, 17:30 Uhr;

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40 Kommentare

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  • Kommentar von Mike Steiner  (M. Steiner)
    Systeme, die 80% ihrer Auslastung überschreiten, werden chaotisch und unkontrollierbar. Das gilt gleichermassen für technische Kapazitäten wie auch für menschliche/mentale Ressourcen. Das weiss man seit Jahrzehnten und lernt es darum auch in Managementschulen. Selbstredend ist darum die Reduktion der Last unter 80% r qualitätssichernd und kostensparend. In diesem Sinne wäre das Sparpotenzial bei allen überlasteten Organisationen vorhanden und einfachst realisierbar. Nur machen müsste man es...
  • Kommentar von Yves Frieden  (Friedli)
    @Lämpel/pragmatiker: Bei den Schwachen sind wir immer besonnders kritisch bei den Ausgaben. Aus Sicht der SVP sind Sie bekanntlich auch selbstschuld - selbstverständlich ist dies in den meisten Fällen falsch! Aber so kann man gut ablenken und oben Millionen für sich einstecken z.B. via Steuern - neben bei schürt man Jobängste. Im übrigen wird es noch einige mehr betreffen, die sich heute noch sehr sicher fühlen z.B. Alter, Automatisierung.
    1. Antwort von harald keller  (pragmatiker)
      "ist dies in den meisten Fällen falsch" - wissen Sie das, oder ist es nur ein Gefühl? Ich weiss es nicht, was ich aber weiss, ist (weil ich mal bei der SUVA gearbeitet habe), dass 10% aller Versicherten 90% der Probleme verursachen. Und ich denke (aber das ist eben nur ein Gefühl) zwischen diesen Versicherten und den Klienten beim Sozialamt, gibts eine grössere Schnittmenge. Natürlich gibts Zufälle.
    2. Antwort von harald keller  (pragmatiker)
      ausserdem Herr Frieden hinterfrage ich alle Staatsausgaben kritisch, weil wir dazu verdammt sind: Opernhauskredite, neue Strassen, neue Kampfjets, etc. bräuchte es m.E. alles nicht (nur weil sie zwischen mir und der SVP einen Bezug herstellen)
    3. Antwort von Felix Meyer  (gegen unwahre Wahrheit)
      Natürlich gibt es überall solche, die ein System ausnutzen, doch der weitaus grössere Teil tut es nicht. Denke ich da an Steuerhinterziehung nehme ich an es sind einige mehr, die es tun als im Sozialwesen. Dieses Geld fehlt der Gesellschaft und dadurch müssen, mit grösster Wahrscheinlichkeit, alle höhere Steuern bezahlen. Ein Teufelskreislauf. Nicht nur ein Gefühl, sondern Realität Herr Keller, SUVA Entscheide sind auch nicht immer über jeden Zweifel erhaben.
  • Kommentar von Taulant Krasniqi  (Taulant Krasniqi)
    Leider muss ich die Sozialhilfe von Winterthur enttäuschen, es liegt am neuen AIG(Ausländer-Integrations-Gesetz), beidem ein schwerwiegender Sozialhilfebezug, mit einer Rückstufung oder sogar mit einem Entzug des Ausländerausweises bestraft wird.
    1. Antwort von Stefan Huwiler  (huwist)
      Soso. Und Ihre Erklärung, dass das AIG gerade in Winterthur Wunder bewirkt, lautet wie?