SP Langenthal streicht Alain Roth (Juso) von Kandidatenliste

In Langenthal (BE) tobt ein Streit zwischen SP und Juso. Grund ist der Jungsozialist Alain Roth. Die SP hat ihn als Kandidaten für die Gemeinderatswahlen gestrichen, weil er vermummt an einer Demonstration in Paris teilgenommen hat. Aus Solidarität hat jetzt die Juso ihre Kandidaten zurückgezogen.

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Vermummter Gemeinderats-Kandidat

2:36 min, aus Schweiz aktuell vom 20.7.2016

Während des ganzen Frühlings gab es in Frankreich Demonstrationen gegen die geplante Arbeitsmarktreform der sozialistischen Regierung. Am 14. Juni befand sich während Ausschreitungen in Paris unter den Demonstranten auch Alain Roth. Er politisiert bei den Jungsozialisten und liess sich für die Gemeinderatswahlen in Langenthal (BE) im Herbst aufstellen.

In Paris kam es zu Scharmützeln zwischen Demonstranten und der Polizei. Alain Roth wurde dabei durch eine Tränengas-Granate am Nacken und Rücken schwer verletzt. Bilder zeigen ihn verletzt am Boden und vermummt mit Kapuzenpullover und Sonnenbrille.

SP-Liste ohne Roth

Nun hat die SP Langenthal am Dienstagabend beschlossen, Roth als Kandidaten für den Gemeinderat (Exekutive) von der SP-Liste zu streichen. «Der Grund ist ganz klar: Weil er vermummt an der Demo teilgenommen hat», erklärt Stefan Ryser, Präsident der SP Langenthal.

Die Jungsozialisten wollen als Konsequenz die eigenen Kandidaten nun von der SP-Liste zurückziehen. Man habe kein Verständnis für den Entscheid der Mutterpartei. Demonstrieren sei ein Grundrecht und ein wichtiges politisches Mittel.

«Als Juso und eigentlich auch als SP sind wir eine internationalistische Bewegung. Das heisst, wir stehen ein für die Rechte von Arbeitnehmenden weltweit, Darum hat man sich mit dieser Demonstration [in Paris] solidarisiert», erklärt Tamara Funiciello, Co-Präsidentin Juso/BE. Es seien auch andere Juso-Mitglieder und Gewerkschafter mit dabei gewesen.

Politik: Friedlich und nicht vermummt

Auch die SP Langenthal unterstützt Demonstrationen – wenn sie friedlich und nicht vermummt durchgeführt werden. Präsident Ryser: «Wenn er unvermummt an einer Demo teilnimmt, dann wäre das gar kein Grund gewesen, ihn von der Liste zu streichen.»

Juso-Co-Präsidentin Funiciello kontert: «Wir beurteilen die Leute aufgrund ihres Verhaltens und es war kein gewalttätiges Verhalten vorhanden. Es ist keine Untersuchung im Gange, es gibt auch keine Verurteilung.»

Alain Roth sei auf dem Weg der Besserung. Selber war er aber für SRF nicht erreichbar.

Gemeindewahlen im September

Das Ganze hat nun Auswirkungen auf die Gesamterneuerungswahlen in Langenthal. «Die kommenden Wochen und Monate werden zeigen, wie wir den Wählern zeigen können, dass wir eine friedliche Politik wollen», sagt SP-Präsident Ryser.

Die Partei konnte den Listenplatz von Alain Roth inzwischen bereits neu besetzen. Zusätzlich müsse noch ein neuer Kandidat bis kommenden Mittwoch gefunden werden. Dann läuft die Anmeldefrist ab für die Gesamterneuerungswahlen in Langenthal am 25. September.