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Die schlimmsten Prognosen für Spaniens Tourismus werden wohl noch übertroffen
Aus SRF 4 News aktuell vom 06.08.2020.
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Spanien neu auf Risikoliste «Der Imageschaden ist beträchtlich»

Ab Samstag müssen Personen, die aus Spanien in die Schweiz einreisen, für zehn Tage in Quarantäne. Die Schweizer Behörden haben das spanische Festland wegen steigender Corona-Fallzahlen auf die rote Liste der Risikogebiete gesetzt. Ausgenommen davon sind die balearischen und kanarischen Inseln. Für Spaniens Tourismusbranche sei das ein weiterer Schlag, sagt Journalistin Julia Macher in Barcelona. Dass das Land Protest einlegt, hält sie aber für unwahrscheinlich.

Julia Macher

Julia Macher

Journalistin in Barcelona

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Julia Macher berichtet aus Spanien für verschiedene Radio- und TV-Sender, hauptsächlich über Gesellschaft und Kultur.

SRF News: Wie reagiert Spanien auf diesen Entscheid der Schweiz?

Julia Macher: Ich würde sagen, mit einer Mischung aus Resignation und Bestürzung. Grossbritannien hat bereits vor zwei Wochen eine Quarantänepflicht für Einreisende aus Spanien eingeführt. Auch in Finnland, Belgien, Irland, den Niederlanden und in 23 weiteren Staaten gelten ähnliche Vorschriften.

Es ist ein weiterer Schlag für die in Spanien ohnehin sehr gebeutelte Tourismusbranche.

Aber die Bestürzung ist vergleichsweise klein, sind in diesem Fall doch die kanarischen Inseln und die Balearen von der Quarantäne ausgenommen. Die Schweiz befindet sich im Ranking der Herkunftsländer mit zuletzt 1.8 Millionen Touristen auf Platz 11 – im Vergleich zu den 18 Millionen Briten, die im letzten Jahr in Spanien waren. Trotzdem ist es natürlich ein weiterer Schlag für die in Spanien ohnehin sehr gebeutelte Tourismusbranche. Und der Imageschaden ist beträchtlich.

Ist zu erwarten, dass Spanien bei der Schweiz offiziell Protest einlegt?

Bisher hat Spanien nur gegen das strikte Veto von Grossbritannien protestiert. Ob das Land im Fall der Schweiz Protest einlegen wird, ist noch offen. Ich halte das für wenig wahrscheinlich.

Regionale Unterschiede bei den Fallzahlen

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Die Regionen Aragon, Madrid und Katalonien sind am stärksten von Corona betroffen. Aragon sei sogar die Region mit den europaweit meisten Infizierten pro 100'000 Einwohner, so Macher. «Die meisten stecken sich abends beim Ausgehen oder bei Familientreffen an.»

Unter den derzeitigen Coronafällen – 3000 wurden von den autonomen Regionen gemeldet – würden über 60 Prozent keine Symptome zeigen. «Das entspannt die Lage auf den Intensivstationen und Notaufnahmen. Mit Ausnahme von Aragon ist man da sehr weit von der Situation im Frühjahr entfernt.»

Jetzt werden wohl sogar die pessimistischsten Prognosen übertroffen. Kann das die Tourismusbranche überleben?

Das wird sich zeigen müssen. Der Schaden ist tatsächlich gewaltig. Der Zusammenschluss der 30 wichtigsten Tourismusunternehmen hat die Mindereinnahmen auf 83 Milliarden Euro beziffert. Das ist umso dramatischer, als der Tourismus mit 12 Prozent der Wirtschaftsleistung eine der wichtigsten ökonomischen Stützen Spaniens ist. 2.3 Millionen Arbeitsplätze hängen vom Tourismus ab. Und der Tourismus war die Branche, die das Land aus der letzten Krise, der Finanzkrise von 2008, gezogen hat. Daher stellt sich für Spanien jetzt zwingender denn je die Frage, wie es wieder auf die Füsse kommt.

Was kann die Regierung tun, um die Tourismusbranche zu retten?

Es gibt vereinzelte kleinere Hilfspakete, und die Kurzarbeit soll verlängert werden – sie könnte jetzt bis Ende des Jahres andauern. Die Tourismusministerin sagt, es müsse vor allem das Vertrauen der Reisenden gestärkt werden. Das klingt fast ein bisschen so, als vertraue man darauf, dass die Branche irgendwann wieder alleine auf die Beine kommt.

Spanien will seine Abhängigkeit vom Tourismus reduzieren und so seine Wirtschaft krisenresistenter gestalten.

Von den 140 Milliarden Euro, die Spanien aus Brüssel bekommt, wird die Branche voraussichtlich allenfalls indirekt profitieren. Das Geld soll vor allem in den ökologischen und digitalen Umbau gesteckt werden. Spanien will seine Abhängigkeit vom Tourismus reduzieren und so seine Wirtschaft langfristig krisenresistenter gestalten.

Das Gespräch führte Hans Ineichen.

SRF 4 News, 6.8.2020, 7.15 Uhr;

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19 Kommentare

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  • Kommentar von Monika Mitulla  (momi)
    Wir setzen Spanien auf die rote Liste, die Norweger setzen unser Land darauf, usw. Jeder misstraut jedem - und jeder will das dickere Ende (mehr Touris) für sich selber... Eine merkwürdige Entwicklung - wohl kaum zu Gunsten der "normalen Menschen". Die lokale Wirtschaft geht zugrunde, währenddessen Internetgiganten ihre Gewinne weiter steigern. Mir fehlt bei den meisten Massnahmen der gesunde Menschenverstand.
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    1. Antwort von Eva Werle  (Wishbone Ash)
      Das muss sich doch jeder selbst zuschreiben, wenn die Infektionszahlen steigen und daraus Konsequenzen folgen. Oder glauben Sie unkontrollierter Umgang mit dem Virus würde uns zur Lieblingsdestination für Touristen machen?
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    2. Antwort von Monika Mitulla  (momi)
      @E. Werle. Ich versuchte nur, den Blick auf die "Coronakrise" etwas zu verbreitern. Man achte auf die Konsequenzen der getroffenen Massnahmen - und man denke nach. Die täglichen Covid-19-Zahlen werden nach einem bestimmten Muster der EU gerechnet wie das vorher noch niemals gerechnet worden ist. S. dazu "700 Corona-Tote wegen neuer Zählweise" oder "Ministerium stellt Zählweise bei Coronavirus-Todesfällen um" - Fallbeispiele aus Österreich...
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  • Kommentar von Lucas Otávio Strauss  (SoftwareEngineerBR)
    Laut Juristen muss man nicht in Quarantäne. Da gibt es einer Schweizer Jus Professor der sagte Massnahmen ja aber Geldstrafen sind keine Massnahmen und sind darum Verfassungswidrig. Das heisst also geht man nicht in Quarantäne ist die Busse nichts wert. Man muss sie nicht bezahlen.
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  • Kommentar von Markus Weilenmann  (markusweile)
    ...Und dann noch etwas: Wir Schweizer meinen, wir seien suprig, wir hätten die Sache unter Kontrolle, sind hoch beleidigt über Belgien, das Reisen der Belgier in die Waadt und ins Wallis mit einer Quarantänepflicht verbindet und haben keine Ahnung, dass in Italien zB die Fallzahlen pro 100'000 Einwohner in den letzten 7 Tagen mehr als 4x tiefer (!!) sind als in der CH und auch England hat 1.5 x weniger Fälle pro Woche und 100'000 EW als die CH...
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    1. Antwort von Eva Werle  (Wishbone Ash)
      Ganz Recht, aber viele wissen offenbar nicht, was inzidenz ist.
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