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Die allerletzten Tage des Sportmuseums in Münchenstein
Aus Regionaljournal Basel Baselland vom 11.04.2021.
abspielen. Laufzeit 05:30 Minuten.
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Sportmuseum Schweiz Die schweizweit grösste Sportsammlung wird liquidiert

Alte Schläger und Velos, Akten und Fotos: Fast alle der rund 223'000 Gegenstände haben ein neues Zuhause gefunden.

In diesen Tagen werden die letzten Objekte der einst grössten Sportsammlung der Schweiz von Sportliebhaberinnen und -liebhabern abgeholt. Sie alle tingeln auf das Dreispitzareal in Münchenstein (BL), wo sich während vieler Jahre das Begehlager des Sportmuseums befand.

Über 70 Jahre nach seiner Gründung ist nun definitiv Schluss. Wegen Finanzierungsproblemen musste das Schweizerische Sportmuseum im 2018 seine Tore schliessen und mit der Liquidation der Sammlung beginnen. Die grosse Auflösungsaktion ist nun bald zu Ende.

Das ist der Grund, weshalb auch Karin Locher, Mitglied des Basler Ruderclubs, auf das Dreispitzareal gekommen ist. Sie hat ein Auge auf ein altes, breites Ruderboot geworfen. «Unsere Idee ist, das Boot wieder wassertauglich zu machen und damit rudern zu gehen», sagt sie.

Ein paar Ski und Gegenstände aus dem Turnbestand holt wiederum der Sporthistoriker Grégory Quin ab und fährt damit zurück zur Universität Lausanne. «Mir ist es wichtig, dass ein solches Stück Sportgeschichte nicht einfach auf dem Müll endet.»

Hier landete ein Grossteil der Sammlung

Es sind die letzten Restposten der einst stolzen Sammlung. So übernahm eine Stiftung der ehemaligen FCB-Präsidentin Gigi Oeri die gesamte Fussballsammlung mit all ihren Leibchen, Nachlässen von ehemaligen Fussballspielern und alten Match-Plakaten.

Im Bundesamt für Sport landete das gesamte Archivmaterial, Akten sowie alle Fotos. Das Bobmuseum St. Moritz wiederum übernahm die ganze Bobsammlung, rund die Hälfte der Skisammlung übernahm eine Privatperson, die in der Romandie ein Skimuseum plant.

Tennis-Racket
Legende: Dieses Racket von Roger Federer, mit dem er das Australian Open Final gegen Rafael Nadal 2009 bestritt, wandert ins Nationalmuseum. Keystone

Für Historiker Beni Pfister, der sich in den letzten zweieinhalb Jahren um die Liquidation der Sammlung gekümmert hat, sind diese Tage auch mit Wehmut verbunden. «Es ist traurig, dass die Schweizer Sportgeschichte nicht die Wertschätzung bekommt, die ich eigentlich für angemessen halte.»

Das Ende einer langen Geschichte

Das Sportmuseum Schweiz wurde 1945 gegründet. Es galt als eines der ältesten Sportmuseen in Europa. Lange unterstützen es unter anderem Swiss Olympic, der Bund und die Kantone Basel-Stadt und Basel-Landschaft.

Zur schweizweit grössten Sportsammlung gehörten über 12'000 Objekte, 200'000 Bilder, 150 Laufmeter Aktenarchive und 11'000 Bücher, Zeitungen und Zeitschriften. Jährlich zog das Begehlager in Münchenstein (BL) jedoch nur etwa 2000 Besucherinnen und Besucher an – bei einem Jahresbudget von rund 600'000 Franken.

Als das Bundesamt für Kultur sowie der Kanton Basel-Stadt beschlossen, das Sportmuseum ab 2019 finanziell nicht mehr zu unterstützen, fehlte der Stiftung das Geld, um den Fortbestand zu sichern. In der Folge beschloss die Stiftung, die Sammlung zu liquidieren.

Regionaljournal Basel, 11.04.2021, 17.30 Uhr;

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7 Kommentare

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  • Kommentar von Alex Volkart  (Lex18)
    Jedes geschlossene Museum ist ein Verlust.
  • Kommentar von Peter König  (Vignareale)
    Nur sofort auflösen, verkaufen was verkauft werden kann und liquidieren. Es war ein mal und wenn sie nicht gestorben sind, leben sie heute noch
    1. Antwort von Samuel Müller  (Samuel Müller)
      Wir sind heute was unsere Vorfahren daraus gemacht haben. Wen nicht interessiert woher er kommt, hat keine Ahnung wer, wo und vorallem was er ist, Peter König.
  • Kommentar von Nick Schaefer  (Nick Schaefer)
    Ein sehr geschätzter Nachbar führte das Museum.

    Einmal besuchten wir es.

    Wir waren die einzigen Besucher.

    Es sah fast ähnlich aus, wie in unserem Keller.

    Wahrscheinlich haben alle mehr davon, wenn es als Requisitensammlung in Theatern und beim Film landet, und uns wenigstens durch diese Medien hin und wieder vorgeführt wird.

    Wenn schon nur einmal ein alter James Bond auf dem Piz Gloria läuft, sieht man wunderschöne Museumsstücke in ihrer echten Umgebung.