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Legende: Video Glaubensfrage Homöopathie abspielen. Laufzeit 12:22 Minuten.
Aus Rundschau vom 17.04.2019.
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Sprache wird immer gehässiger Glaubenskrieg um Globuli

  • Die Frage, ob Homöopathie wirkt, teilt die Schweiz in zwei Lager.
  • Die Töne auf beiden Seiten werden schriller, die Sprache gehässiger.
  • Die Schweizer Stimmbürger haben 2009 entschieden, dass Homöopathie in den Leistungskatalog der Grundversicherung kommt.

In den Mails, die sie bekommt, wird sie massiv bedroht. «Man sollte Ihnen Rattengift geben, dann sehen Sie, wie Ihre Schulmedizin hilft», heisst es in einer Mitteilung – natürlich anonym. Natalie Grams, ehemalige Homöopathin, hat das Lager gewechselt. Sie sagt heute, Homöopathie sei wirkungslos und gefährlich, weil viele Patienten falsch behandelt würden. Dafür wird sie von der Gegenseite beschimpft.

Grams hat ein Buch geschrieben, in dem sie die Homöopathie heftig kritisiert. Und die Ärztin hält Vorträge über die Behandlungen mit Globuli und anderen homöopathischen Mitteln. Diese hätten zwar manchmal Erfolg, sagt sie, aber der gehe nicht über den Placebo-Effekt hinaus. Die «Rundschau» hat die deutsche Ärztin an einen Auftritt in Winterthur begleitet.

Grams mobilisiert auch Gegner

Beatrice Soldat ist extra aus Teufen angereist. «Frau Grams greift die Leute persönlich an, sie ist nicht sachlich», sagt die ausgebildete Homöopathin aus dem Appenzell. Es gebe sehr wohl Studien, die die Wirksamkeit von Homöopathie belegten. «Das sind schlechte, unvollständige Studien», kontert Grams.

Legende: Video Grams (rechts): «Wir sehen doch, dass es nicht wirkt.» – Soldat (links): «Nein, wir sehen, dass es wirkt.»» abspielen. Laufzeit 00:42 Minuten.
Aus News-Clip vom 17.04.2019.

Die Homöopathen fürchten Auftritte wie diesen von Natalie Grams. «Melden Sie Falschaussagen von Homöopathie-Gegnern, damit sie verfolgt werden können», heisst es in einem Aufruf des deutschen Homöopathie-Watch-Blogs. Er wurde genau an jenem Tag veröffentlicht, als Grams in Winterthur aufgetreten ist.

«Studien sind langweilig»

Nach dem Vortrag stellt sich Natalie Grams den Fragen der Zuhörer und den Vorwürfen ihrer Kritiker. Beatrice Soldat sagt: «Frau Grams meint, wir seien in der Beweispflicht, dass Globuli wirken. Unsere Patienten sind der Beweis!» Der Homöopath Hansjörg Heé aus St. Gallen schiebt nach: «Frau Grams ist von der Wissenschaft ausserordentlich eingenommen. Der Mensch kommt nicht vor, nur Studien. Studien sind langweilig.»

Natalie Grams wirkt auf dem Podium in Winterthur erschöpft. Sie kennt diese Argumente, trägt aber geduldig ihre Antworten vor. Sie weiss, dass sie damit die Gegner nicht überzeugen kann.

Beim Bundesamt für Gesundheit (BAG) gibt man sich bedeckt, wenn es um die Wirksamkeit von Homöopathie geht. BAG-Kampagnenleiter Gregor Lüthy sagt, es gehe vor allem darum, Volkes Wille umzusetzen. «Der Homöopath ist ja auch Mediziner. Er oder sie hat einen Facharzttitel und eine Weiterbildung in homöopathischen Leistungen gemacht – sonst darf man das gar nicht anbieten.» Das BAG setze deshalb auf das Vertrauensprinzip: «Wir gehen davon aus, dass es wirkt», so Lüthy zur «Rundschau».

Zehn Millionen Franken für Homöopathie

In der Schweiz stimmte die Bevölkerung 2009 über die Komplementärmedizin ab. Seither steht die Homöopathie im Leistungskatalog der Grundversicherung. Behandlungen von Ärzten mit einem Facharzttitel und einer komplementärmedizinischen Weiterbildung müssen von den Krankenkassen bezahlt werden.

Legende: Video Grams: «Wir wollen keinem die Globuli wegnehmen» abspielen. Laufzeit 00:32 Minuten.
Aus News-Clip vom 17.04.2019.

Die Kosten der Krankenversicherer für Homöopathie verzehnfachten sich nach der Abstimmung innerhalb von nur zwei Jahren. Heute liegen sie bei rund zehn Millionen Franken pro Jahr. Homöopathie ist im Vergleich mit anderen medizinischen Leistungen kostengünstig. Insgesamt zahlten die Krankenversicherer für medizinische Leistungen im letzten Jahr 30 Milliarden Franken.

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138 Kommentare

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  • Kommentar von antigone kunz  (antigonekunz)
    Vielleicht im Sinne einer Detente und um Verhältnismässigkeiten zu wahren und schon grad als eine Form von Respekt gegenüber Ländern, denen wirkliche Raketen um die Köpfe schwirren, sollten wir einfach von einer harten Auseinandersetzung zwischen zwei Unterschiedlichen Denkschulen sprechen, das wäre mein Vorschlag angesichts der Kriegsnachrichten, die da eben zu lesen sind.
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  • Kommentar von Michael Suter  (Michel)
    Frau Grams: "Diese hätten zwar manchmal Erfolg, sagt sie, aber der gehe nicht über den Placebo-Effekt hinaus." Der Placeboeffekt trägt bei den meisten Medikamenten wesentlich mehr zum Erfolg bei als der Wirkstoff. Das ist doch eine sehr gute Nachricht. Man rede bitte den Placeboeffekt nicht schlecht. Und vorallem: Man stelle ihm bitte keine Hindernisse in den Weg. Der Heileffekt ist wichtig, nicht dessen Ursache.
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  • Kommentar von Raymond Klaus  (Ray)
    Immer wenn was neues kommt, ärgern sich dis Pharma und warum wohl? Weil die Homöopathie in den meisten Fällen besser ist. Warum bilden sich immer mehr Ärzte in diesem Fach aus und lassen die klassische Medizin auf der Seite? Die beginnen auch zu denken. Praktisch alle Medikamente haben absichtlich Nebenwirkungen, die dann noch in vielen Fällen noch kränker machen. Beides zusammen ist effektiv und man sollte das wohl der Menschen im Visier haben und nicht immer das GELD und die Macht.
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    1. Antwort von Andreas Müller  (Hugh Everett)
      Oh Mann! Was soll man zu so einem Text noch sagen...
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    2. Antwort von Andreas Müller  (Hugh Everett)
      Das ist nicht nur nicht richtig, das ist nicht mal falsch!
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