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Neue nationale Corona-Regeln: Reichen sie aus, um die Pandemie wieder in den Griff zu kriegen?
Aus HeuteMorgen vom 19.10.2020.
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Strengere Corona-Regeln Oberster Kantonsarzt: «Die Massnahmen sind um 5 nach 12 erfolgt»

Der Bundesrat hat neue Massnahmen ergriffen, um dem starken Anstieg der Corona-Fallzahlen entgegenzuwirken - etwa eine Maskenpflicht in allen öffentlich zugänglichen Innenräumen und ein Verbot von Menschenansammlungen mit mehr als 15 Personen. Der Präsident der Vereinigung der Kantonsärzte, Rudolf Hauri, ist zuversichtlich, dass die verschärften Regeln greifen werden.

Rudolf Hauri

Rudolf Hauri

Präsident Vereinigung Kantonsärztinnen und Kantonsärzte der Schweiz

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Rudolf Hauri amtet seit 2002 als Kantonsarzt des Kantons Zug und seit 2017 als oberster Kantonsarzt der Schweiz. Er ist Facharzt für Rechtsmedizin FMH.

SRF News: Sind diese Massnahmen nötig?

Rudolf Hauri: Ja. Es sind Massnahmen, die in den Kantonen zum Teil bereits umgesetzt wurden. Eine Vereinheitlichung hat sich angezeigt, weil das Virus sich weitgehend über die Schweiz verbreitet.

Kann man mit den Regeln die Pandemie wieder in den Griff kriegen?

Ich hoffe es. Das hängt vor allem davon ab, wie gut die Massnahmen umgesetzt werden und wie gut die Bevölkerung sie mitträgt.

Nach dem Lockdown im Frühling und der Entwarnung im Sommer ist die Luft etwas draussen. Wie zuversichtlich sind Sie, dass sich die Bevölkerung wieder an die neuen Einschränkungen halten wird?

Wir gehen davon aus, dass der Grossteil der Bevölkerung den Sinn der Massnahmen einsieht und die Regeln auch befolgt.

Seit rund zehn Tagen explodieren die Zahlen regelrecht. Kommen diese Massnahmen des Bundesrats nicht zu spät?

Die Coronafälle sind sehr schnell explodiert. In diesem Sinne sind die Massnahmen sicher um 12 oder gar 5 nach 12 Uhr erfolgt.

Der Kanton Bern geht noch einen Schritt weiter und verbietet Grossveranstaltungen mit mehr als 1000 Leuten künftig wieder. Hätte das der Bundesrat nicht auch anordnen sollen?

Ich kenne die Schutzkonzepte von vielen Vereinen und weiss, dass diese sehr gut sind und eingehalten werden. Darum kann ich nachvollziehen, dass die Grossveranstaltungen im Moment noch nicht auf Bundesebene eingeschränkt werden. Aber das kann kommen.

Die Fälle, die mir bekannt sind, sind vor allem auf kleinere Veranstaltungen – etwa im Familienkreis – zurückzuführen.

Also sehen Sie es als Fehler, dass etwa Fussballspiele vor Publikum verboten werden?

Ich sehe das nicht als Fehler. Die Fälle, die mir bekannt sind, sind vor allem auf kleinere Veranstaltungen – etwa im Familienkreis – zurückzuführen. Aber wenn ein Kanton zur Beurteilung kommt, dass bei ihm auch Grossveranstaltungen eine Gefahr darstellen, ist dies Sache des Kantons.

Der Bundesrat hat die Zügel wieder in die Hand genommen. Ist das eine Entmachtung – oder gar eine willkommene Entlastung für die Kantone, denn so müssen sie nicht die Leute zu strengen Einschränkungen zwingen?

Aus Sicht der Kantonsärzteschaft ist es keine Entmachtung, sondern eine logische Folge. Es ist eine Hilfe und es schafft Klarheit.

War es ein Fehler, den Kantonen so viel Verantwortung zu übergeben?

Es war sicher kein Fehler, den Kantonen ihre Verantwortung wieder zurückzugeben. Man muss auch immer wieder vorwärtsgehen und Erfahrungen sammeln.

Einige Kantone haben gesagt, sie seien mit dem Contact Tracing überfordert. Entschärfen die Massnahmen des Bundesrats die Situation?

Das Contact Tracing wurde stark belastet, zum Teil auch überbelastet. Wir hoffen sehr, dass diese Massnahmen dazu beitragen, dass wir die Infektionsketten wieder lückenlos verfolgen können. Ob das wirklich funktioniert, werden wir in den nächsten Tagen und Wochen sehen.

Im Moment liegt die Reproduktionsrate – also die Zahl jener Menschen, die ein Corona-Infizierter ansteckt – bei 1.6. Ziel ist es, diese wieder unter 1 zu kriegen. Schafft die Schweiz das mit den neuen Massnahmen auch wirklich?

Wenn die Bevölkerung mitmacht und die Massnahmen mitträgt, gehe ich davon aus, dass das gelingt. Jedenfalls ist es die Anstrengung wert.

Das Gespräch führte Claudia Weber.

Massnahmen des Bundes

SRF 4 News, 19.10.2020, 6.15 Uhr;

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106 Kommentare

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  • Kommentar von Iris Fischer  (Seahorse)
    Wenn ja die Masken nützen würden, müssten in den entsprechenden Kantonen/Ländern die Zahlen gesunken sein, sind sie aber nicht. Wieso soll ich draussen an der Luft eine Maske überziehen? Frische Luft ist sicher mal besser. Im Restaurant sitzend ohne Maske, für aufs WC Maske? Auch wenn ich sitze, atme ich in den Raum... Solche Sachen kann ich nicht nachvollziehen. Und nein, ich bin kein Coronaleugner oder Idiot, ich hinterfrage nur gewisse Massnahmen..
  • Kommentar von Dani Schlumpf  (DANS)
    Ja genau! Demos und Partys. Dort stecken sich die Leute an! Von den täglich 400000 Pendlern im Zürich HB, die zuvor keine 10 cm Abstand zueiander hatten spricht niemand. Die Züge sind zu Stosszeiten wieder zum Bersten überfüllt. Die Passagiere stehen Gesicht an Gesicht zueinander. Die verwendeten Masken bringen so gut wie nichts! Das wurde ja mehrfach durch Labortests bestätigt. Schon gar nicht wenn der Abstand nicht eingehalten werden kann.
  • Kommentar von Martin J. Pérez  (MJP)
    Ich bin zwar der Ansicht der Bundesrat hätte den Lead die ganze Zeit über behalten oder zumindest stärker als Koordinationsstelle mitwirken sollen. Allerdings wollten die Kantone ja die Verantwortung auch baldmöglichst zurück.
    Deshalb finde ich den Vorwurf der Bundesrat habe zu lange gewartet unangebracht.
    Es gibt in der CH eine Konferenz der Gesundheitsdirektoren, eine der Kantonsärzte etc. und all diese bringen es nicht fertig einheitliche Massnahmen zu koordinieren? Wozu haben wir sie denn?