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Label-Fleisch: Die Rechnung geht für die Bauern nicht auf
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Studie Schweizer Tierschutz Label-Fleisch: Die Rechnung geht für die Bauern nicht auf

Mit den Label-Prämien für tierfreundliche Fleischproduktion unter IP-Suisse können Bauern ihre Mehrkosten nicht decken.

IP-Suisse ist das wichtigste Label punkto Tierwohl. Bei Spar und Denner sieht man es direkt auf der Fleischpackung. Bei Migros heisst es Terrasuisse, bei Volg Agrinatura und bei Aldi Naturesuisse.

Wer für das Label produzieren will, hat Mehrkosten. Der Stall muss grösser sein, die Tiere brauchen Liegeplätze im Stroh statt auf Spaltenböden. Das Stroh ist einer der grössten Kostenpunkte.

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Martin Uhlmann, Bauer: «Wir haben uns für dieses System entschieden, weil uns vor allem gefällt, die Tiere so zu halten.»
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Ob es sich finanziell lohnt, Rind- und Schweinefleisch für das Label IP-Suisse zu produzieren, erforschte Christian Gazzarin vom landwirtschaftlichen Forschungszentrum Agroscope. Er verschaffte sich Einblick in die Buchhaltung von 21 Betrieben und machte erstmals eine detaillierte Vollkostenrechnung, verglich Kosten und Einnahmen.

«Wenn ein Betrieb in das Tierwohl investiert, hat er einen Mehrerlös über Marktprämie und Direktzahlungen vom Bund. Schwieriger zu erfassen sind die Mehrkosten, zum Beispiel für Stroh, Arbeit und Gebäude. Vergleicht man das mit einem Produktionsbetrieb, der nur den Minimalstandard nach Tierschutzverordnung einhält, sind die Mehrkosten deutlich höher als der Mehrerlös.» Dies zeige die Studie klar.

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Legende:Für Produzenten von IP-Suisse-Rindfleisch sind 28 Prozent der Mehrkosten nicht gedeckt.

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Legende:Bei der Schweinemast bleiben 9 Prozent der Mehrkosten ungedeckt.

Über ein Viertel der Mehrkosten nicht gedeckt

Am grössten ist das Loch in der Kasse der Rinderbauern: Sie haben laut Agroscope im Schnitt Mehrkosten von 25’822 Franken. Marktprämie und Direktzahlungen decken aber nur knapp drei Viertel dieser Kosten. 28 Prozent der zusätzlichen Auslagen sind nicht gedeckt. Bei Schweinemästern sind es 9 Prozent.

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Stefan Flückiger, Schweizer Tierschutz: «Die Nachfrage nach tierfreundlichen Produkten muss angekurbelt werden.»
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Diesen Missstand kritisiert Stefan Flückiger vom Schweizer Tierschutz. Er hat die Studie gemeinsam mit IP-Suisse bei Agroscope in Auftrag gegeben: «Die Kosten der Bauern müssen gedeckt sein, und die Nachfrage muss angekurbelt werden», fordert er. Denn die Nachfrage nach tierfreundlichen Produkten stagniere. Handel und Gastronomie müssten Hand bieten, dass diese wieder anzieht. «Bauern sollen nicht nur schwarze Zahlen schreiben, sie dürfen auch Gewinn machen.»

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Martin Rufer, Bauernverband: «Die Zahlen müssen jetzt auf den Tisch und diskutiert werden.»
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Martin Rufer, Direktor des Bauernverbandes, fordert aufgrund der Zahlen: «Aus Sicht der Landwirtschaft müssen die Mehrkosten über den Markt abgegolten werden, über den Produzentenpreis und die Prämie. Es ist nicht in unserem Interesse, dass diese Mehrleistungen über zusätzliche Direktzahlungen finanziert werden.» Damit sind vor allem die beiden grossen Coop und Migros gefordert. Sie hätten es in der Hand, die Prämien zu erhöhen.

Einmal auf IP umgestellt gibt es kein Zurück

«Kassensturz» konfrontiert die Grossverteiler mit diesen Fakten, sie nehmen schriftlich Stellung. Coop schreibt, sie würden nur Schweine von IP-Suisse beziehen. Und sie würden sich für faire und marktgerechte Preise einsetzen. Der Anteil an Fleisch aus tierfreundlicher Haltung steige stetig und betrage aktuell 70 Prozent.

Migros schreibt, sie arbeite eng mit den IP-Suisse-Produzenten zusammen. Sie sei die grösste Abnehmerin von Nutztieren aus artgerechter Haltung. Bei Label-Rindern und -Schweinen hätte man die Abnahmemenge erst kürzlich erhöht, bei Schweinen auch die Mindestprämie.

Ob höhere Prämien oder nicht: Bauern, die sich für IP-Suisse-Ställe entschieden haben, bleibt keine Wahl: «Wir haben die Ställe gebaut und Mehrkosten damit. Jetzt müssen wir einfach darauf vertrauen, dass es funktioniert und wir richtig entschädigt werden», sagt Rinderbauer Martin Uhlmann. «Denn mit diesem Stall können wir nicht mehr konventionell produzieren.»

Kassensturz, 15.12.2020, 21:05 Uhr

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46 Kommentare

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  • Kommentar von Bruno Hochuli  (Bruno Hochuli)
    Ein totaler Stumpfsinn sind die viele Labels in der Landwirtschaft. Entweder man setzt endlich auf Bio und auf ein Label, so dass die Käufer einen Überblick haben was sie kaufen. Ein gerechter Preis für alle Lebensmittel sind nötig. Es ist höchste Zeit mit der Natur zu wirtschaften und nicht gegen sie. Auch das Tierwohl sollte oberste Priorität erhalten. So gewinnen alle.
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    1. Antwort von Ruedi Basler  (runner100)
      Mir scheint es ist Absicht soviele Labels zu haben um die Kundschaft zu verwirren und sie den Überblick verlieren. Wer ist für die Labels verantwortlich ?
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  • Kommentar von Franziska Landolt-Hari  (Freude-herrscht)
    Wir führen unseren Milchviehbetrieb nach IP-Suisse. Kälber, die wir nicht für die Weitezucht aufziehen, mästen wir auf unserem Hof. Wir kaufen keine Kälber zu um keine fremden Keime in unseren geschlossenen Kreislauf einzuschleppen. Auch werden keine Baby-Kälber verkauft. Seit rund 5 Jahren können die Kälber 24h nach draussen, so sind sie viel robuster und richtig vital. Antibiotika brauchen wir kaum. Die TA-Kosten konnten wir massiv Senken. Geld, das wir nicht erst erwirtschaften müssen.
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    1. Antwort von Alois Keller  (eyko)
      Tiertransporte von Schlachtrindern oder Zuchtvieh aus Bayern in Länder ausserhalb der EU - die sollte es eigentlich nicht geben. Über 20'000 drei Wochen alte Kälber wurden in Transporten von Bayern bis nach Usbekistan gekarrt.Diese Fälle sind heuer öffentlich geworden. Die Exporteure haben ein Schlupfloch gefunden. Der Transport nach Usbekistan legte einen Stopp im EU-Land Ungarn ein.Ein Danke an Frau Landolt die es gut mit ihren Kälber macht. IP-Suisse sollte vom Konsumenten unterstützt werden.
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    2. Antwort von Franziska Landolt-Hari  (Freude-herrscht)
      Vielen Dank Herr Keller für Ihre lieben Worte. Ja, diese Transporte sollten unter ganz harte Strafen gestellt werden. Da kommt wieder die "Geiz ist geil"-Mentalität zum Vorschein, zu Lasten der Tiere. Wie viele dieser armen Kälber und auch andere Tiere durch diese Transfers qualvoll zu Tode kommen sollte einmal genau ermittelt werden. Mich freut es, zu sehen, dass unser Betrieb mit rund 35 Kühen sehr wohl mit den grossen konkurrenzfähig ist.
      Gerne können Sie einmal bei uns vorbei schauen.
      FG
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  • Kommentar von Werner Vetterli  (KlingWe)
    Der Bericht war interessant, nur leider einseitig. Wie wurden die Daten ermittelt. Alle Zuschüsse und Subventionen eingerechnet? Diese Zahlen zu publizieren, wäre das Mindeste gewesen.
    Der zweite Punkt der mich störte, mehr Werbung und höhere Verkaufszahlen. Nein, würde ich meinen, weniger produzieren. Das hilft der Umwelt und den Bundesfinanzen.
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