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Studie zu geistiger Gesundheit Psychische Probleme sind immer noch ein Tabu

Warum wir öfter Mal jemandem die Frage «Wie geht es dir?» stellen – und die Antwort dann auch ernst nehmen sollten.

Legende: Audio Mehr reden über psychische Probleme abspielen. Laufzeit 03:37 Minuten.
03:37 min, aus Rendez-vous vom 10.10.2018.

Tränen aus heiterem Himmel, Müdigkeit ohne Ende, Nächte ohne Schlaf und Träume: Zwei Drittel der Schweizerinnen und Schweizer erleben in ihrem Leben mindestens einmal eine Phase, in der es ihnen psychisch nicht gut geht, und zwar über eine längere Zeit. Das zeigt eine Umfrage zur psychischen Gesundheit in der Schweiz, die die Stiftung Pro Mente Sana präsentiert hat.

Die Pensionierten sind gemäss der Umfrage am zufriedensten. Sie klagen am wenigsten darüber, dass es ihnen psychisch nicht gut geht. Anders sieht es bei der arbeitenden Bevölkerung aus, bei den 18- bis 55-Jährigen. Sie nennen hauptsächlich Überlastung und Stress als Ursache für ihr Unwohlsein, und auch zwischenmenschliche Konflikte schlagen ihnen auf die Stimmung.

Leistungsdruck führt zu Überforderung

Sie sei nicht sonderlich überrascht von diesen Ergebnissen, sagt die St. Galler Gesundheitsdirektorin Heidi Hanselmann: «In unserer Gesellschaft sind wir stark auf Leistung ausgerichtet.» Am Arbeitsplatz werde sehr viel verlangt, in der Schule ebenfalls immer mehr, ebenso im Bereich der Freizeit. «Das führt in der Kombination dann dazu, dass sich viele Menschen überfordert fühlen.»

Die Betroffenen wollen über ihre Situation reden. Auch das zeigt die Studie. Sie wollen, dass ihnen jemand zuhört, dass sie ernst genommen werden. Zwei Drittel der Befragten vertrauen sich ihren Partnern oder einer engen Freundin an. Deutlich weniger als Ansprechpersonen genannt werden Eltern oder Ärzte.

Und fast nie werde am Arbeitsplatz – mit der Chefin oder den Arbeitskollegen – über das psychische Wohlbefinden geredet, sagt Roger Staub von Pro Mente Sana: «Die Studie zeigt, dass viele Angst haben davor, als schwach, labil oder nicht leistungsfähig zu gelten. Deshalb wäre es gut, wenn am Arbeitsplatz Leistungsfähigkeit besprechbar würde.» Dieses «Du musst 100 Prozent oder mehr leisen können, sonst gehörst du nicht dazu» müsse man brechen.

Vermeintlich gut gemeinte Ratschläge

Aber psychische Probleme seien in unserer Gesellschaft immer noch ein Tabu, so Staub. Viel eher werde in der Schweiz über körperliche Gebrechen geredet als über die geistige Gesundheit. Mit der Kampagne «Wie geht's Dir?» will Pro Mente Sana dieses Tabu aufbrechen. Staub erklärt, wie das gehen soll.

«Wir alle fragen einmal am Tag jemanden ernsthaft, ‹wie geht es dir?›, und zeigen dieser Person, dass wir es ernst meinen und mit einer Antwort wie ‹mir geht es nicht so gut›, umgehen können, ohne mit schnellen Ratschlägen zu kommen.» Als Beispiel nennt Staub Phrasen wie «das geht schon vorbei», «streng dich ein bisschen mehr an» oder «das wird von selbst besser».

Schweigen macht erst recht krank.
Autor: Heidi HanselmannSt. Galler Gesundheitsdirektorin

Laut einer Erhebung der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften verursachen psychische Leiden in der Schweiz Kosten von jährlich fast sieben Milliarden Franken – das ist über ein Zehntel der Gesamtgesundheitskosten.

Gesundheitsdirektorin Heidi Hanselmann ist überzeugt: Das Engagement der Kantone für die Kampagne ist eine gute Investition: «Aus unserer Sicht lassen sich so Kosten sparen.» Das wäre dann ein angenehmer Nebeneffekt der Kampagne. Das Hauptziel sei aber, dass über psychische Probleme nicht mehr geschwiegen werde, so Hanselmann, denn Schweigen mache erst recht krank.

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22 Kommentare

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  • Kommentar von marlene Zelger (Marlene Zelger)
    Die heutige, gesunde Gesellschaft will auf die Frage "Wie geht es Dir?" eine positive Antwort hören: *Mir geht es gut". Es ist traurig, dass der psychisch kranke Mensch nicht mehr zu seinem Befinden stehen darf. Aber es kann jeden einmal treffen und dann ist er/sie auch froh, wenn er/sie die nötige Empathie spüren darf.
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  • Kommentar von Nicola Harrison (Nicola Harrison)
    Jede Zelle hat ihr eigenes Gedächtnis und wird ernährt durch die Intrazelluläre Flüssigkeiten - hier findet das Geschähen statt und ein saures Klima ist die Ursache der Symptome, die "bekämpft" werden, statt die Ursache zu beheben. Impfungen, Stress, Ernährung, Bewegungsmangel oder Exzess, Umwelt usw. sind Faktoren, die jede einzelne Zelle trifft - die Psyche ist also kein unabhängiges Hirn.
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    1. Antwort von Lungile Gyger (Lu Gyger)
      Herr Harrison, was sie hier schreiben fällte leider eindeutig unter den Begriff "Pseudowissenschaft" und hat mit dem obigen Artikel herzlich wenig zu tun. 1. hat eine Zelle kein Gedächtnis - unser Gedächtnis entsteht aus dem Netzwerk an Nervenzellen im Gehirn. Zweitens ernährt sich eine Zelle von der extrazellulären Flüssigkeit. Was das saure Miliö anbelangt - unser Körper hat ein ausgezeichnetes Puffersystem - das hält einen sehr engen pH-Bereich von 7.35-7.45 im schach.
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  • Kommentar von Beat. Mosimann (AG)
    Psychische Probleme kommen ev. daher, dass wir mehr wollen als wir Leistung erbringen? Dass ev. wir Zeit haben für psychisch zu sein? Willst Du glücklich sein, dann sei ES;) Wir sind fähig die Welt so zu verändern dass es passt, lassen wir uns Zeit dafür, dann wird es spannend, forsche, gib doch nicht sofort auf, sei NEU gierig und wach;)
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    1. Antwort von Christa Wüstner (Saleve2)
      Was Sie schreiben Herr Mosimann, ist eine sehr pos. Einstellung zum Leben. Die hat ein psych. kranker Mensch nicht mehr. Seine Psych. Ist krank, einfach gesagt.Das können auch Probleme aus der Kindheit sein, der Alltag wird unüberwindbar.Er fällt in eine Depression. Und hier beginnt die Arbeit des Psych. Oder Psych. den Grund herauszufinden, um mit einer Behandlung beginnen zu können.Ein langer und mühsamer Weg, der auch durch eine klin. Behandlung unterstützt werden muss bei Suizidgefahr.
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    2. Antwort von Beat. Mosimann (AG)
      @ch. w. jA , die professionelle HILFE ist der letzte gute ANKER für eine KLEINE ZEIT, unter professionelle HILFE verstehe ich, die Hilfe zur SELBSTHILFE zu wecken, und bewusst erden zu lassen, der MENSCH entscheidet letztlich wie Er seine ZEIT auf ERDEN verbringen will . in Selbstmitleid, weinend traurig herumlaufend etc. oder eben Positiv lebensbejahend, dann soll er auch bitteschön herausfinden was ihm gut tun könne u. wie kann er dies erreichen. ev. ist weniger Mehr.
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