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Wer alte Haushaltgeräte hat, hat bei einem Stromschaden das Nachsehen
Aus Espresso vom 06.11.2019.
abspielen. Laufzeit 05:56 Minuten.
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Sturmschäden Starkstromleitung Netzbetreiberin lässt Anwohner im Regen stehen

Bei einem Sturm fällt ein Baum auf einen Starkstrommast. Den Grossteil des Schadens zahlen die Anwohner selbst.

Der 10. März 2019 wird einem «Espresso»-Hörer aus Kleindöttingen im Kanton Aargau noch lange in Erinnerung bleiben. An diesem Tag wütet Sturm «Eberhard» und lässt in 80 Metern Entfernung einen Baum auf die Starkstromleitung fallen.

Schäden im Wert von 5000 Franken

Die Folge: Zwei Explosionen, ein riesiger Lichtbogen und Stromausfall. «Wir erschraken extrem und dachten zuerst, es sei etwas beim nahen Atomkraftwerk Beznau passiert», erzählt der Anwohner dem SRF-Konsumentenmagazin. Zum Glück nicht. Doch durch die Explosion gingen zig Haushaltgeräte kaputt: Spülmaschine, Fernseher, Raumtrockner, Stereoanlage, Kaffeemaschine und diverse Kleingeräte. Summe der Schäden: rund 5000 Franken.

Dasselbe auch in der Nachbarschaft: Waschmaschine, Tumbler, Computer – alles nicht mehr brauchbar. Auch die Strassenbeleuchtung der Gemeinde ist kaputt.

Beim Aargauische Elektrizitätswerk AEW heisst es, man kläre zusammen mit der Netzbetreiberin ab, wer für die Schäden aufkommt. Bis dahin solle man die Geräte flicken lassen oder ersetzen, und die Rechnungskopien einschicken.

Langes Warten auf die schlechte Nachricht

Fast zwei Monate lang hören die Betroffenen nichts mehr, bis endlich klar ist: Die Netzbetreiberin Swissgrid übernimmt zwar, aber nur den Zeitwert. Das heisst, nur das, was diese Geräte heute noch wert sind. So sei es im Haftpflichtrecht geregelt. Ein Beispiel: Eine siebenjährige Waschmaschine hat den Zeitwert Null.

Dank der kulanten Hausratversicherung, die freiwillig zahlt, bleibt die Familie aus dem Aargau schlussendlich «nur» auf dem Selbstbehalt von 500 Franken sitzen. Der Nachbar mit einem Schaden von mehr als 15'000 Franken auf mehreren tausend Franken.

«Espresso» hakt bei Swissgrid nach. Doch die Netzbetreiberin bleibt hart: Die Haftpflichtversicherung zahle per Definition immer den Zeitwert. Dass das lokale Elektrizitätswerk die Kommunikation übernahm und es so lange dauerte, bis die Sache geklärt war, sei aber ein Fehler gewesen, sagt Swissgrid: «Es handelt sich um einen sehr seltenen Fall einer Stromnetzstörung, in den der lokale Netzbetreiber nicht involviert ist. Swissgrid hat sich auf die übliche Kommunikation verlassen und damit einen Fehler gemacht. Wir bedauern, dass wir nicht früher vor Ort waren und haben uns dafür bei den Betroffenen entschuldigt.»

Und wieso nicht einfach kulant zeigen, wenn es sich um ein so seltenes Ereignis handelt? Dazu schreibt Swissgrid lediglich: «Swissgrid ist ein staatsnahes Unternehmen mit einem regulierten Geschäftsmodell».

Swissgrid-Stellungnahme zum Thema Sicherheit

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«Swissgrid betreibt und unterhält das Übertragungsnetz nach höchsten Sicherheitsstandards. Swissgrid hat den Vorfall im Aargau genau untersucht und hat Massnahmen ergriffen, um weitere solche Ereignisse zu verhindern.

Die kritischen Bäume wurden ausgeholzt, sodass sich das Risiko eines umstürzendes Baumes in die Freileitung wesentlich verringert hat. Die vorgeschriebenen Abstände wurden schon vor dem Ereignis eingehalten. Bei Elementarereignissen wie starken Stürmen kann ein Restrisiko allerdings nie ausgeschlossen werden.»

«Nutzungsrecht würde ich nicht mehr geben»

Was den betroffenen Anwohner in Kleindöttingen stört: So ein Unfall könnte theoretisch wieder passieren. Dass er kurz vor dem Sturm der Netzbetreiberin weitere 25 Jahre das Recht erteilte, die Hochspannungsleitung über sein Grundstück zu führen, bereut er heute. Als Privater oder Gemeinde würde er es sich gut überlegen, Swissgrid so ein Nutzungsrecht zu geben. Und wenn er heute mit seinem Hund am Waldrand unter der Hochspannungsleitung spazieren geht, bleibt ein ungutes Gefühl.

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10 Kommentare

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  • Kommentar von M. Roe  (M. Roe)
    Mir ist mal ein 3'000 frankiger Fernseher so kaputt gegangen. Swisscom hat sich ganz ruhig verhalten und ja nichts an die Öffentlichkeit gelassen und auch der Fernsehender hat alles verschwiegen. Manchmal kommt mir das Wichtigste erst zu spät in den Sinn. Das nützen die Unternehmen schonungslos aus! Der Händler verkaufte mir einen nicht schlechten Fernseher für Fr. 200.-, doch das ist natürlich immer noch Betrug. Ich hätte zu meiner Rechtsversicherung gehen sollen! aber jetzt ist es zu spät!
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  • Kommentar von Philipp Moreno  (HOC)
    Definition nicht-existenter Kulanz in der Schweiz, "Swissgrid ist ein staatsnahes Unternehmen mit einem regulierten Geschäftsmodell"..... man bedenke weitere "staatsnahe" Betriebe wie Post, Swisscom, SBB etc. all diese erarbeiten sich zunehmend einen schlechter werdenden Ruf und all das abgesegnet und beklatscht von unseren "Volksvertretern"....
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  • Kommentar von Hans-Ulrich Rechsteiner  (Rechi)
    Swissgrid hat völlig recht. Und das man wegen einer solchen Bagatelle sofort wieder zu Espresso rennt ist völlig daneben.
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    1. Antwort von Ruedi Brunner  (hier und jetzt)
      Wäre interessant zu wissen, wenn Ihnen jemand zb.. einen Gartenhag vor dem Haus kaputtmacht wie Sie reagieren würden.
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    2. Antwort von Hans-Ulrich Rechsteiner  (Rechi)
      @Brunner, wenn Jemand meinen Gartenhag kaputt macht werde ich diesen jemand anzeigen und Schadenersatz fordern. Wenn ein Sturm den Baum meines Nachbarn umlegt und dabei meinen Hag beschädigt würde ich ihn der Versicherung anmelden und selber reparieren und sicher nicht den Nachbarn belangen. Und zu Espresso würd ich auch nicht rennen.
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    3. Antwort von Ruedi Brunner  (hier und jetzt)
      Wenn jemand Ihren Gartenhag mit dem Auto kaputt macht und der Hag hat keinen Zeitwert mehr, dann werden Sie sich selber einen neuen Hag bezahlen müssen. Die Versicherung würde dann nichts zahlen auf Grund der Zeitwertregelung. So ist es nun mal. Verzeigen ändert auch nichts an der Regelung. Eine Bagatelle ist das sicher nicht. Richtig wäre, wenn jemand dem anderen etwas kaputt macht sollte er den verursachten Schaden bezahlen müssen, egal wie alt. Leider ist es nicht so.
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    4. Antwort von Susanne Saam  (Biennoise)
      @Rechi - es haben nicht alle genug Geld, ein Gerät einfach zu ersetzen, auch wenn 'nur' die Differenz von Neu- und Zeitwert bezahlt werden muss. Wer jeden Rappen im Budget zählen muss, weiss, wovon ich rede.
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