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Nagra hat wieder drei Standorte im Visier
Aus Rendez-vous vom 03.11.2020.
abspielen. Laufzeit 03:02 Minuten.
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Suche nach Atommülldeponie Nagra: «Nördlich Lägern» wieder in der Auswahl für Endlager

Das Gebiet an der Grenze zu Deutschland scheint ebenso geeignet wie der Bözberg und Zürich Nordost.

Die radioaktiven Abfälle sollen dereinst tief unten im Boden eingelagert werden. Grundsätzlich sei der Untergrund an drei Standorten dafür geeignet, erklärt Tim Vietor, Leiter Geologie und Sicherheit bei der Nationalen Genossenschaft für die Lagerung radioaktiver Abfälle (Nagra): «Das ist durch unsere Bohrergebnisse klar zu belegen. In allen drei Standortgebieten ist es möglich, sichere Endlager zu bauen.»

Alle drei Standorte liegen in der Nordschweiz: Das Gebiet rund um den Bözberg im Kanton Aargau, das Gebiet Zürich Nordost zwischen Winterthur und Schaffhausen – und neu rückt auch Nördlich Lägern wieder in den Fokus. Die Region gehört zu den Kantonen Zürich und Aargau und grenzt an Deutschland: «Nördlich Lägern hat uns positiv überrascht. Wir sind zu einer besseren bautechnischen Einschätzung gekommen», sagt Vietor.

Nördlich Lägern hat uns positiv überrascht. Wir sind zu einer besseren bautechnischen Einschätzung gekommen.
Autor: Tim VietorLeiter Geologie und Sicherheit bei der Nagra

Noch 2015 wollte die Nagra nämlich an diesem Standort keine weiteren Probebohrungen durchführen. Allerdings zwang die Aufsichtsbehörde dann die Nagra dazu, auch dort weitere Untersuchungen vorzunehmen.

Nördlich Lägern.
Legende: Das Gebiet Nördlich Lägern für Tiefenbohrungen liegt auf dem Gebiet der Kantone Zürich und Aargau. Keystone/Archiv

Opalinuston in 900 Metern Tiefe

Wie sich nun zeigt, ist die betroffene Gesteinsschicht – der Opalinuston in 900 Metern Tiefe – doch besser als ursprünglich angenommen, so die Nagra. Laut Vietor ist es vergleichbar mit den anderen Standortgebieten. Überall sei die Mächtigkeit der Schicht etwas über 100 Meter.

Die Zusammensetzung sei bezüglich Wasserdichtigkeit und allen anderen Eigenschaften vergleichbar: «Das heisst: An allen drei Standortgebieten erlaubt uns der Opalinuston von den Gesteinen her, ein sicheres Tiefenlager zu bauen», so der Geologe.

Druck der Behörden positiv bewertet

Der Einwand der Behörden hat sich also als berechtigt erwiesen. «Es stärkt das Verfahren, wenn der Input der verschiedenen Behörden so aufgenommen wird, dass das Ergebnis am Ende besser wird», so Vietor.

Ein Standort der Sondierbohrungen von Zürich Nordost auf dem Gebiet der Kantone Zürich und Thurgau ist die Gemeinde Marthalen (ZH).
Legende: Ein Standort der Sondierbohrungen von Zürich Nordost auf dem Gebiet der Kantone Zürich und Thurgau ist die Gemeinde Marthalen (ZH). Keystone/Archiv

Die betroffenen Gemeinden sind nicht überrascht über diesen Entscheid. Bereits in den vergangenen Monaten habe sich gezeigt, dass Nördlich Lägern wieder als möglicher Standort infrage kommen könnte, heisst es.

Auch wollten sie das Lager nicht a priori verhindern, sondern als potenziell betroffene Gemeinden frühzeitig und ernsthaft in einen allfälligen Standortentscheid miteinbezogen werden.

Blick auf den Bohrplatz der Nagra am Standortortgebiet Bäzberg 2 im Kanton Aargau.
Legende: Blick auf den Bohrplatz der Nagra am Standortortgebiet Bözberg 2 im Kanton Aargau. Keystone/Archiv

Vorschlag soll in zwei Jahren folgen

Die Nagra geht davon aus, dass sie in zwei Jahren bekannt geben kann, welche Region sie für ein Lager bevorzugt. Die endgültige Standortwahl wird von Bundesrat und dem Parlament gefällt – allenfalls hat auch das Volk das letzte Wort.

Voraussichtlich ab Mitte des Jahrhunderts sollte dann der radioaktive Abfall effektiv eingelagert werden. Bis dahin wird er in grossen Containern im aargauischen Würenlingen zwischengelagert.

SRF 4 News, 3.11.2020, 11.00 Uhr

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24 Kommentare

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  • Kommentar von Michael Emmenegger  (Baltoro)
    super einverstanden !
    eine kleine Korrektur, der erste Atommeiler wurde in der Schweiz schon am 10. Mai 1968 dem Betrieb übergeben, dann gleich revidiert und am 21. Januar 1969 wieder in Betrieb genommen. Es kam dann gleich zu einem Unfall.
    Was super war ist der Umstand, dass sich das Ganze in einer Kaverne abgespielt hat, sonnst hätten wir den ersten Gau schon damals ganz nahe zu spüren bekommen !
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  • Kommentar von Alex Schneider  (Alex Schneider)
    Tiefenlager für Atommüll: International nach Lösungen suchen!

    Muss denn wirklich jedes Land mit Atomkraftwerken ein eigenes Tiefenlager betreiben? Sind die Risiken einer Vielzahl von Tiefenlagern, womöglich noch an nur bedingt geeigneten Standorten, nicht höher als bei international koordinierten, geologisch am besten geeigneten Standorten? Für alles und jedes werden internationale Lösungen gesucht, nur beim Atommüll scheint dies nicht zu funktionieren.
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  • Kommentar von Gustav Gugger  (Gustav Gugger)
    "Atommüll" ist kein Schrott! Schon der Name ist tendenziös. Es handelt sich um radioaktive Spaltprodukte, die in neuen Reaktortypen noch weiter "verbrannt" werden könnten. Aber die Schweizer (und die Deutschen) wollen davon ja nichts wissen. Hätte man die Kernenergie in den Industriestaaten gefördert, wäre heute die CO2 Problematik geringer. Man muss "grüne" Energiequellen (Sonne, Wind, Wasser, Erdwärme) unbedingt fördern, aber KKW sind immer noch besser als Kohlekraftwerke.
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