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Legende: Video Florida Zimmermann erzählt von ihrem Suizidversuch abspielen. Laufzeit 03:42 Minuten.
Aus 10vor10 vom 01.03.2019.
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Suizidversuch gescheitert «Den Wunsch zu sterben, hatte ich schon als Kind»

Florida Zimmermann war 21-jährig, als sie ihrem Leben ein Ende setzen wollte. Doch der Suizidversuch scheiterte – zum Glück, sagt sie heute.

An eine Szene kann sich Florida Zimmermann, heute 43 Jahre alt, sehr gut erinnern: «Ich war ungefähr 4-jährig, als ich in die Küche ging, mir ein Messer aus der Schublade holte und es an die Kehle hielt. Ich überlegte mir: Was passiert, wenn ich die Klinge durchziehe? Es war kein Jux, sondern todernst.»

Warum ich stets diesen Todeswunsch hatte, kann ich mir bis heute nicht erklären.
Autor: Florida Zimmermann

Florida Zimmermann wuchs während den Bürgerkriegswirren im Libanon auf. Sie kann sich an keine Zeit erinnern, die nicht von einer Todessehnsucht erfüllt war. «Warum ich stets diesen Todeswunsch hatte, kann ich mir bis heute nicht erklären», sagt Zimmermann, die heute in Bremgarten bei Bern wohnt.

Mädchen steht auf einem Balkon
Legende: «In der Schweiz hatte ich bald wieder depressive Verstimmungen» Florida Zimmermann war 10 Jahre alt, als sie zu einer Pflegefamilie in die Schweiz kam. Privat

Sie war 10 Jahre alt, als sie in eine Pflegefamilie in die Schweiz kam. So glücklich sie war, so schnell holten sie die depressiven Verstimmungen wieder ein.

Plötzlich wurde mir alles zu viel, ich sah keinen Ausweg mehr, ich wollte diese Welt endgültig verlassen.
Autor: Florida Zimmermann

Mit 21 Jahren wurde bei ihr Diabetes diagnostiziert. Kurz darauf ging eine Liebesbeziehung in die Brüche, und ein guter Arbeitskollege starb. «Plötzlich wurde mir alles zu viel, ich sah keinen Ausweg mehr, ich wollte diese Welt endgültig verlassen», erzählt Zimmermann mit ruhiger Stimme.

Durch ihren Beruf als Pflegefachfrau kannte sie sich in der Suizid-Thematik aus. «Ich hatte gelernt: Männer bringen sich um, Frauen versuchen es. Doch ich wollte unbedingt sterben. Es durfte auf keinen Fall beim Versuch bleiben.»

Der Plan zu sterben geht nicht auf

Nachdem jedoch ein Kollege feststellte, dass mit ihr etwas nicht stimmte und sie darauf ansprach, brach sie die Vorbereitungen für den ersten Suizidversuch ab. Doch Florida Zimmermann war nicht mehr davon abzubringen, sie vollzog einen Suizidversuch. Doch ihr Versuch, sich das Leben zu nehmen, scheiterte.

Das Leben war noch düsterer als vorher.
Autor: Florida Zimmermann

Spaziergänger fanden sie ohnmächtig am Aareufer, kurze Zeit später erwachte Zimmermann im Spital. Ein böses Erwachen, sagt sie. «Denn nun wussten alle, was ich getan hatte und wie schlecht es mir geht. Meine Fassade war zerbrochen. Das Leben war noch düsterer als vorher.»

Das Verlangen, die Welt zu verlassen, war auch Jahre nach dem Suizidversuch noch da. Doch als sie kurz davor stand, nochmals einen Suizidversuch zu vollziehen, hörte sie eine innere Stimme: «Diese sagte zur mir: Du hast eine zweite Chance bekommen. Es ist kein Zufall, dass du lebst. Ich spürte dann, dass ich die Wahl habe. Dann entschied ich mich für das Leben.»

Legende: Video «Habe mich fürs Leben entschieden» abspielen. Laufzeit 00:18 Minuten.
Aus News-Clip vom 01.03.2019.

Florida Zimmermann sprach viel mit Gott, auch in dieser Zeit. Sie sagte zum ihm, dass er sie beim Weg zurück ins Leben unterstützen soll. «Durch diesen Halt, den Glauben an Gott und die Gespräche mit einer Therapeutin konnte ich die Vergangenheit aufarbeiten und fand wieder aus dem Loch.»

Durch den Glauben an Gott und die Gespräche mit einer Therapeutin konnte ich die Vergangenheit aufarbeiten und fand wieder aus dem Loch.
Autor: Florida Zimmermann

Heute begleitet Florida Zimmermann zusammen mit ihrem Mann Jugendliche, die in einer schwierigen persönlichen Situation sind.

Brauchen Sie Hilfe?

Wählen Sie Tel. 143 der Dargebotenen Hand - dort hört man Ihnen zu. Jugendliche mit Suizidgedanken finden Hilfe unter Tel. 147 von Pro Juventute.

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3 Kommentare

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  • Kommentar von markus kohler (nonickname)
    Es wäre angemessen, wenn SRF nicht als Musterbeispiel einer Unterstützung eine Vertreterin einer christlichen Sekte auswählen würde. Therapie sollte neutral und nicht einer Ideologie verpflichtet sein . Jeder Hausarzt leistet viel mehr hinsichtlich Suizidtherapie und -prävention. Die Alltagsmedizin leistet am meisten Einsatz in diesen Fällen, aber die Geschichte eines weiblichen Opfers, das "erleuchtet" wird lässt sich besser verkaufen.
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    1. Antwort von Peter Holzer (Peter Holzer)
      Ist es „angemessen“ über einen selbst bestimmten Weg aus einer Krise zu urteilen? Das soll und darf doch jeder für sich bestimmen. Seien wir doch einfach zusammen mit ihr froh, dass sie es geschafft hat!
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    2. Antwort von lorenz Bertsche (lorenz.bertsche)
      Herr Markus Kohler woher wissen sie dass diese Person in einer christlichen Sekte ist? Mit so einer Aussage muss man Vorsichtig sein. Ich finde es schön von SRF, dass auch wieder mal über so eine Person mit einem christlichen Hintergrund berichtet wurde. Das darf doch wirklich auch sein. Diese Person bekam ja durch Ihre Fragen an Gott neue Lebensperspektive. Neuen Lebensmut. Ist doch schön. Manchmal geschehen heute noch Wunder. In diesem Bericht von SRF wird ja die Alltagsmedizin nicht gemildert
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