Zum Inhalt springen

Header

Video
Akademiker statt Bauern im Parlament
Aus 10 vor 10 vom 27.02.2015.
abspielen. Laufzeit 3 Minuten 9 Sekunden.
Inhalt

Schweiz SVP auf den Spuren der Tea Party

Gestern hat «Weltwoche»-Verleger und -Chefredaktor Roger Köppel seine Kandidatur für den Nationalrat angekündigt. Heute wurde er bereits als Blocher-Nachfolger und Bundesrat gehandelt. SRF-Inlandredaktor Max Akermann beantwortet die sich stellenden Fragen.

«Weltwoche»-Besitzer Roger Köppel will sich für die SVP in den Nationalrat wählen lassen. Seine Wahlchancen stehen nach Einschätzung von Beobachtern gut. Doch was sind Köppels langfristige Pläne? Liebäugelt er gar mit dem Bundesratsamt? Eine Einschätzung von Inlandredaktor Max Akermann.

SRF News: Christoph Blocher und Roger Köppel sind doch sehr unterschiedlich. Wie soll das gehen: Köppel als der neue Blocher?

Max Akermann: Die beiden sind sich in vieler Hinsicht sehr ähnlich, vor allem in ihren politischen Positionen. Beide sind Vordenker in ihrer Partei, durchaus originelle Denker. Sie sind Intellektuelle in dem Sinn, dass sie gesellschaftliche Zustände analysieren, hinterfragen und dann auch verändern wollen. Dabei schrecken sie auch nicht vor polemisch geführten Debatten zurück. Allerdings gibt es auch grosse Unterschiede, vor allem im Auftreten: Köppel wirkt wie ein vorwitziger, blitzgescheiter Musterschüler. Einer, dem man gerne die Hausaufgaben abschreibt, den man aber lieber nicht zur Klassenfete einlädt. Ein leutseliger Volkstribun wie Blocher wird Köppel wohl nie.

Die SVP hat noch immer den Groove von «Buure Z'morge». Könnte der Einstieg Köppels der Anfang eines Zeitenwandels bei der SVP bedeuten?

Die SVP ist schon längst nicht mehr ausschliesslich die Bauern- und Gewerbepartei, aus der sie hervorgegangen ist. Das Bodenständige und Hemdsärmlige wird zwar bewusst gepflegt, auch das Anti-Intellektuelle. Das Bild von den «Mannen und Frauen im Volk unten versus der Classe Politique dort oben» bedient die Wünsche einer stattlichen Klientel. Doch gelenkt und geführt wird die Partei schon längst auch von Intellektuellen und sehr gut vernetzten Mitgliedern der Classe Politique.

Welche Namen muss man dazu erwähnen?

Unter Übervater Blocher ist eine ganze Generation von intellektuellen Neokonservativen herangewachsen. Christoph Mörgeli war wohl einer der ersten. Inzwischen sitzt auch der Jurist Gregor Rutz im Nationalrat, nachdem er als Generalsekretär der Partei über Jahre die Fäden mitgesponnen hatte. Im Nationalrat politisieren auch Leute wie Thomas Aeschi, Ökonom und Harvard-Absolvent, der Weltwoche-Journalist und Historiker Peter Keller und vielleicht bald Hans-Ueli Vogt, falls der offen schwule Rechtsprofessor nicht sogar in den Ständerat gewählt wird. Es sind solche Leute, die in der SVP ganz stark an den Fäden ziehen. Das erinnert mich an die USA, wo die Tea Party immer als rechte Volksbewegung hingestellt wird, in Wahrheit aber stark von rechtskonservativen Intellektuellen geprägt ist.

Sie waren während Jahren USA-Korrespondent für Radio SRF. Wie meinen Sie diesen Vergleich mit der Tea Party?

Audio
Übernehmen konservative Intellektuelle die SVP?
aus Echo der Zeit vom 27.02.2015.
abspielen. Laufzeit 3 Minuten 44 Sekunden.

Die Tea Party wird meist als Bewegung der Zu-kurz-Gekommenen hingestellt. Wutbürger, die gegen Ausländer wettern und den Staatsapparat am liebsten abschaffen würden. Doch das ist nur die eine Seite dieser Bewegung. Die andere Seite sind superreiche Unterstützer, die ganz weit oben in der gesellschaftlichen Hierarchie sitzen. So etwa die Koch-Brüder, welche schon hunderte Millionen Dollar in die Bewegung gesteckt haben. Dazu gehören auch neokonservative Ideologen wie Eric Cantor. Er war bis vor kurzem die Nummer zwei der Republikaner im Reprtäsentantenhaus. Oder Paul Ryan, der letzte republikanische Vizepräsidentschaftskandidat, und der texanische Senator Ted Cruz. Sie sind allesamt hoch gebildete Ideologen, geschickte Strategen und erfolgreiche Politiker. Amerikanische Köppels sozusagen.

Bereits wird in den Medien von einem Bundesrat Köppel spekuliert. Können Sie sich das vorstellen?

Vorstellen schon. Aber bei allem Respekt vor den Strategiekünsten Köppels und der SVP: Bundesrat ist ein Amt, das sich kaum planen lässt. Vielleicht will Köppel Bundesrat werden, vielleicht wäre er auch fähig dazu. Doch ob er es je wird, ist schlicht nicht vorhersehbar.

Das Gespräch führte Peter Voegeli.

Jederzeit top informiert!
Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden.
Schliessen

Jederzeit top informiert!

Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden. Mehr

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren. Weniger

Sie haben diesen Hinweis zur Aktivierung von Browser-Push-Mitteilungen bereits mehrfach ausgeblendet. Wollen Sie diesen Hinweis permanent ausblenden oder in einigen Wochen nochmals daran erinnert werden?

Meistgelesene Artikel

Nach links scrollen Nach rechts scrollen

88 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Aktuell sind keine Kommentare unter diesem Artikel mehr möglich.

  • Kommentar von Marco Lüscher , Kreuzlingen
    Bemerkenswert, wie all jene, die sich hier immer wieder verächtlich über Beiträge und Expertisen von Intellektuellen, seien dies PolitikerInnen, Journalisten, Redakteure, Wissenschaftler u.a.m., auslassen (Beispiele gab es zuletzt ja zuhauf) sich nun plötzlich für den Intellektuellen R. Köppel ins Zeug legen. Na ja – wenn´s der eigenen Sache dient, ist eben jedes Mittel recht. Auch das der Demontage des eigenen Rückgrats.
  • Kommentar von René Angstmann , Hütten
    Geschätzte Medien Einverstanden, Köppel IST geschickt, aber NEIN, er INSZENIERT sich nicht, sondern Köppel IST mit seiner Geisteshaltung ein wie Sie sagen AUFRECHTER Schweizer, weil er ZUR und nicht gegen die Schweiz standhält. Was heisst das? Diejenigen, welche z.B. gegenüber der EU sich so verhalten wie Sommaruga oder Widmer-Schlumpf werden nicht ernst genommen. Wir dürfen, können und müssen der EU sagen, was wir wollen! Punkt. Sogar das verschuldete Griechenland tut dies! Überlegen Sie mal?
  • Kommentar von Thomas Wanner , Aarau
    Herrn Bolliger - vergleichen Sie doch Ihren Lebenslauf (den ich nicht kenne) mit dem Lebenslauf von Dr. Köppel. Gibt es Gemeinsamkeiten, Berührungspunkte ? Keine, gällezi. Und dennoch denken Sie, Herr Dr. Köppel würde Ihre Interessen vertreten ? Und was denken Sie: wieviele Schweizer haben einen Lebenslauf, der demjenigen von Dr. Köppel ähnlich ist ? Wenige, gällezi. Und wenn schon - dann wären es sonige vom oberen 10'000. Und dennoch denken Sie, Herr Dr. Köppel würde Ihre Interessen vertreten ?
    1. Antwort von Marlies Artho , Schmerikon
      T. Wanner betreffend denken, glauben, dass Politiker die Interessen von gewissen Bürger vertreten ist normal, Lebenslauf hin oder her. Ein Beispiel dazu ist Moriz Leuenberger, der Bundesrat wurde, trotz seinem fragwürdigen Lebenslauf. Wie soll man jetzt schon beurteilen können, wie eine Person sich als Nationalrat verhält, wenn Sie sich auf den Lebenslauf berufen. Oder können Sie mir hier und jetzt erklären weshalb M. Leuenberger damals dann als Bundesrat gewählt wurde?
    2. Antwort von René Angstmann , Hütten
      Ganz gleich wie Sie Herr Wanner Herrn Bolliger vor Augen führen wollen, dass er einfacher gestrickt sei als Köppel, kann ich Ihnen vorhalten, "wissen Sie Herr Wanner, wie viele es bei allen Andersdenkenden Intellektuelle gibt, mit denen Sie nichts anfangen können?" Man sagt denen auch Cüpli-Sozialisten und die wohnen am Zürichberg und an der Goldküste und nicht in Aarau wie Sie?, was Ihnen gegenüber kein Vorwurf sein soll.
    3. Antwort von Thomas Wanner , Aarau
      Ja es geht noch weiter, Frau Marlies und Herr René: der Lebenslauf (Erfahrungshorizont) von Herrn Dr. Köppel hat viele Aehnlichkeiten mit dem Erfahrungshorizont von wohlabenden Expats aus dem Ausland - damit steigt die Wahrscheinlichkeit, dass Herr Dr. Köppel ausländische und in erster Linie kapitalkräftige Interessen vertritt. Märssi.
    4. Antwort von Marlies Artho , Schmerikon
      T. Wanner Was meinen Sie mit Wohlhabenden,gibt es da nicht in jeder Partei solche,die mit Wohlhabenden Menschen zu tun haben,oder sogar selber sehr Wohlhabend sind.Übrigens von Wohlhabenden Menschen, kann der Sozialstaat auch profitieren,da mehr Steuereinnahmen dies hatten wir ja jetzt seit langem,Man sieht ja wie der Sozialstaat wächst. Aber seit der Bekämpfung vom Bankgeheimnis,schütten die Banken nicht mehr soviel Kapitalzinse für den Staat aus.Wie Sie sehen es hat immer zwei Seiten.
    5. Antwort von Marlies Artho , Schmerikon
      T. Wanner Die Antwort betreffend M. Leuenberger SP ist noch offen.Glauben Sie dies war ein richtiger Entscheid damals.Können Sie mir dann deutlich erklären,weshalb dies nur für andere Parteien so geht und dies einfach so hin genommen wird. Im Gegensatz zu den SVP Exponenten,da wird jedes Haar in der Suppe heraus gefischt.Wir sollten die Demokratie wirklich wieder einmal überdenken.Wieso diesen Parteien Kampf.Der Bevölkerung hilft es wirklich nicht, es verbreitet nur Ungewissheit und Unsicherheit