Bei einem Blackout sind wir alle ziemlich aufgeschmissen: zu Hause beim Kochen, beim Arbeiten am Computer, beim Zahlen an der Kasse. Und auch beim Tanken von Benzin und Diesel, weil die Tankstellen mit Strom betrieben werden. Das heisst, auch Notfallorganisationen könnten ihre Tanks nicht mehr befüllen.
Nicht so bei der Tankstelle der Landi in Zollbrück im Emmental. Diese wurde nämlich so ausgerüstet, dass bei einer Strommangellage zumindest die Feuerwehrfahrzeuge, die Zivilschutzfahrzeuge und Ambulanzen betankt werden können.
Dahinter steckt das Regionale Führungsorgan (RFO) Region Langnau im Emmental. Basierend auf einem Leitfaden des Bundes aus dem Jahr 2020, hat das RFO sich auf das Szenario einer Strommangellage vorbereitet. Also, dass der Strom zeitweise ausfällt und nur noch während einiger Stunden zur Verfügung steht.
Zwei Säulen während 19 Stunden
Um die Tankstelle in Zollbrück auch in diesem Szenario zu betreiben, hat das RFO ein 20-Kilowatt-Notstromaggregat angeschafft, der mit Benzin betrieben wird. «Damit können wir zwei Tanksäulen während rund 19 Stunden betreiben», sagt Stefan Rüfenacht, Leiter RFO Region Langnau.
Damit will das Regionale Führungsorgan sicherstellen, dass alle Organisationen, die für die Rettung und die Sicherheit zuständig sind, fahren können. Die Polizei ihrerseits verfügt laut Rüfenacht über eigene Tanksäulen.
Die Region Langnau ist schweizweit eine der ersten, die sich konkret auf ein solches Notbetankungsszenario vorbereiten. «Diese Versorgungssicherheit bringt den Gemeinden im oberen Emmental die Gewissheit, eine Notsituation überbrücken zu können», so Rüfenacht.
Wir gehen davon aus, dass es die eine oder andere schwierige Diskussion geben wird.
Wenn wegen Strommangel alle Tankstellen geschlossen sind, könnte das bei der Bevölkerung für Wut und Frust sorgen. Deshalb rechnen die Verantwortlichen damit, dass manche versuchen werden, bei der Tankstelle in Zollbrück an Treibstoff zu kommen. «Wir gehen davon aus, dass es die eine oder andere schwierige Diskussion geben wird», sagt der Leiter RFO.
Deshalb gebe es eine Triage, in der unterschieden wird, wer tanken darf und wer nicht: «Das prüfen wir visuell mit Papierdokumenten. Schliesslich müssen wir damit rechnen, dass wir bei einem Strommangel auch keine Elektronik zur Verfügung haben», sagt Stefan Rüfenacht.
Zu wenig Strom, um Tankstellen zu betreiben: Um auf diese Situation vorbereitet zu sein, empfiehlt der Kanton Bern, fünfzig solcher Not-Tankstellen aufzubauen, wie sie nun in Zollbrück bereits steht.