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Streit um «angemessene» Kleidung: Genfer Erziehungsdirektion will Protestierende anhören
Aus HeuteMorgen vom 01.10.2020.
abspielen. Laufzeit 02:17 Minuten.
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«T-Shirt der Schande» Protest gegen «sexistische» Kleidervorschriften

  • Wegen Kleidervorschriften an einigen Sekundarschulen in Genf haben Dutzende Jugendliche vor der Schule Pinchat protestiert.
  • Sie fordern, dass die «erniedrigende» und «sexistische» Kleiderordnung aufgehoben wird.
  • Für grossen Ärger sorgt bei den Jugendlichen das sogenannte T-Shirt der Schande («t-shirt de la honte»), das bei unpassender Bekleidung übergestreift werden muss.
  • Die Genfer Bildungsdirektorin erklärte, sie werde die Anliegen der Schülerinnen und Schüler anhören.

Das grosse weisse T-Shirt in Übergrösse fällt bis zu den Knien und trägt die Aufschrift «J'ai une tenue adéquate» («Ich bin angemessen gekleidet»). Es muss übergestreift werden, wenn Schülerinnen und Schüler in einer als unpassend empfundenen Kleidung in die Schule gekommen sind.

Unpassend sind etwa bauch- oder schulterfreie Kleidungsstücke, Jupes oder Shorts, bei den die Oberschenkel zu sehen sind oder solche mit anstössigen oder obszönen Botschaften.

Nach Ansicht der Schülerinnen und Schüler ist die Kleiderordnung sexistisch. Mädchen seien von dieser Massnahme ungleich stärker betroffen als Knaben, monieren sie. Die Vorschriften zeigten, dass die Kleidung von Mädchen kontrolliert werden könne.

Keine neue Praxis

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Neu sei diese Praxis nicht, sagt Westschweiz-Korrespondentin Barbara Colpi. Bereits seit sechs Jahren können die Schulleitungen entscheiden, wer ein «T-Shirt der Schande» überstreifen muss, um zum Unterricht zugelassen zu werden.

Dass der Unmut über dieses T-Shirt gerade jetzt aufflamme, dürfte mit den Äusserungen des französischen Bildungsministers zusammenhängen, sagt Colpi. Dieser ermahnte die Schülerinnen und Schüler in Frankreich neulich, «der Republik würdig» zur Schule zu erscheinen. Er löste damit in Frankreich heisse Diskussionen um Sexismus und Diskriminierung aus, so Colpi.

«Gefährlich für junge Menschen»

Die Schülerinnen und Schüler haben ein Protestschreiben an das Genfer Erziehungsdepartement geschickt. Darin fordern sie, dass Bildungsdirektorin Anne Emery-Torracinta (SP) die Orientierungsschulen verpflichtet, diese «erniedrigende» Praxis aufzugeben, die nach ihrer Ansicht nach «extrem und gefährlich für eine gesunde psychologische Entwicklung junger Menschen» ist.

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Schule stellt Dresscode-Sünder an den Pranger
Aus SRF News vom 30.09.2020.
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Ebenso verlangen sie, dass die Kleiderordnung an Schulen überarbeitet wird. Geschehen soll dies in Zusammenarbeit «mit feministischen und pädagogischen Vereinigungen». Zudem fordern die Schülerinnen und Schüler vom Erziehungsdepartement eine öffentliche Entschuldigung «für diesen schweren und verwerflichen Fehler».

Bildungsdirektorin will Anliegen anhören

Gegenüber dem Westschweizer Radio RTS sagte die Genfer Bildungsdirektorin am Mittwochabend, dass die Praxis des «T-Shirts der Schande wohl in der Tat nicht mehr zeitgemäss und stigmatisierend» sei und jetzt überdacht werde. Das ändere aber nichts daran, dass Schülerinnen und Schüler in der Schule «angemessen» gekleidet sein müssten, sagte die Erziehungsdirektorin weiter.

Grosses weisses T-Shirt mit Aufdruck
Legende: Der Stein des Anstosses ist das übergrosse «T-Shirt der Schande», wie es die Schülerinnen und Schüler bezeichnen, das bei unpassender Bekleidung übergestreift werden muss. RTS

Die Anliegen der protestierenden Schülerinnen und Schüler möchte die Genfer Bildungsdirektorin anhören und versprach, das Thema an der nächsten Erziehungsdirektorenkonferenz der lateinischen Schweiz auf den Tisch zu bringen.

SRF 4 News, 01.10.2020, 07 Uhr;

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111 Kommentare

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  • Kommentar von Julian Schmid  (Julian Schmid)
    Es sollte den Leuten auch ohne Verbot in den Sinn kommen, dass es etwas unangemessen ist bauchfrei zur Schule zu gehen.
  • Kommentar von Bendicht Häberli  (bendicht.haeberli)
    "...die nach ihrer Ansicht nach «extrem und gefährlich für eine gesunde psychologische Entwicklung junger Menschen» ist." Genau, darum ist die japanische Jugend sooooo krank.
  • Kommentar von Tobias Vetter  (ToVe)
    Statt anzuprangen, dass "Mädchen/Frauen mal wieder stärker betroffen sind als Knaben/Männer", kann mans auch so sehen: sie haben wenigstens die Möglichkeit, sich entsprechend zu Kleiden (auch in der Freizeit).
    Haben die Männer praktisch nur Hose + Shirt zur wahl (*), gibt es für Frauen ungleich mehr Kleidungsmöglichkeiten, wovon einige halt auch etwas Freizügiger sind.

    (*) bezogen auf was gesellschaftlich akzeptiert ist, natürlich kann theoretisch jeder alles anziehen.