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Tabubruch in der Agrarpolitik Berner Bauern stellen Grenzschutz für Landwirtschaft infrage

Der Berner Bauernverband schlägt radikale Änderungen in der Subventionspolitik vor und stösst auf grosse Ablehnung.

Legende: Video Sinkendes Einkommen in der Landwirtschaft abspielen. Laufzeit 03:40 Minuten.
Aus 10vor10 vom 02.10.2018.

Die grösste Sektion des Schweizer Bauernverbands schert aus: Der Berner Bauernverband schlägt radikale Änderungen der heutigen Subventionspolitik vor. Es brauche dringend mehr Wettbewerb in der Landwirtschaft.

Denn der Lohn der Bauern sei viel zu tief, klagt der Berner Bauernverband. Wenn das Bundesamt für Statistik heute ein durchschnittliches Einkommen von 67'800 Franken pro Betrieb angebe, dann bleibe dem Landwirt am Schluss höchstens 43'000 Franken Lohn. Die Berner Bauern glauben nicht mehr daran, dass sich die Situation mit der heutigen Subventionspolitik verbessern wird.

Direktzahlungen reduzieren

Es brauche in erster Linie mehr Wettbewerb. Davon ist Andreas Wyss, Geschäftsführer des Berner Bauern Verbandes, überzeugt: «Wettbewerb führt zu Innovation, zu neuen Produkten, mit denen wir auch mehr Geld verdienen können.» Dazu müssten Vorschriften abgebaut und das heutige System der Direktzahlungen radikal vereinfacht werden.

Ein Drittel der Subventionen sollen pauschal für ökologisches Wirtschaften ausgezahlt werden. Später sei auch eine Reduktion der Direktzahlungen denkbar. Der Berner Bauernverband stellt sogar den Grenzschutz für landwirtschaftliche Produkte infrage: «Zuerst braucht es einen Systemwechsel im Inland, dann darf man auch über den Grenzschutz diskutieren», sagt Andreas Wyss.

Schweizer Bauernverband ist skeptisch

Dieser Tabubruch beim Grenzschutz kommt beim Schweizer Bauernverband gar nicht gut an. «Der Grenzschutz ist eine der wichtigsten agrarpolitischen Massnahmen», sagt Verbandspräsident Markus Ritter. Man habe im Vorstand die Ideen der Berner Bauern diskutiert, diese Ideen würde aber «kein anderer Kantonalverband» unterstützen.

Applaus von Avenir Suisse

Lob erhält der Berner Bauernverband hingegen von der wirtschaftsliberalen Denkfabrik Avenir Suisse. Sie hat kürzlich vorgerechnet, dass das heutige Agrarsystem in der Schweiz 20 Milliarden Franken im Jahr kostet. «Das sind neue, frische Ideen», freut sich Ökonom Patrick Dümmler, Forschungsleiter bei Avenir Suisse.

Solche Ideen gebe es in den kantonalen Sektionen des Schweizer Bauernverbands, würden aber an Spitze der nationalen Organisation fehlen.

Der Berner Bauernverband steht denn auch in einem regelmässigen Austausch mit Avenir Suisse, «auch wenn wir nicht mit allem einverstanden sind, was die Denkfabrik über die Schweizer Landwirtschaft sagt», erklärt Geschäftsführer Andreas Wyss. Er ist zuversichtlich, dass die Berner Ideen auch im Schweizer Bauernverband noch auf offene Ohren stossen werden: «Das braucht einfach seine Zeit».

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17 Kommentare

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  • Kommentar von Benedikt Rosenberg (Amadeus)
    Leider geht vielen CH-er die Ernährung über den Geldbeutel, die Qualität ist egal. Der Bauer sollte für einen Lt. Milch mind. 2 Fr. erhalten, wenn man bedenkt, welch ein Aufwand hinter diesem Lt. Milch steht, jeden Tag 2xMelken, Futter besorgen, Tierarzt usw. Für 2 dl. Zuckerwasser wie Redbull wird anstandslos ein solcher Betrag bezahlt?!?!? Ob aber ein solch überdimensionierter Maschinenpark wie bei vielen CH-Bauern vorhanden und mit den paar Ha. Land, nötig ist, darf man sich schon mal fragen.
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  • Kommentar von M. Roe (M. Roe)
    Ideen kann man auch im Ausland sammeln, aber nur gute Ideen für die Bauernfamilien +die Tiere! Das Problem ist doch, dass Bauern ihre guten Ideen nicht durchführen dürfen. Das Ausland brauchen wir nicht als Konkurrenz. Alles was eingeführt wird muss teurer sein als gute Schweizerprodukte. Es ist klar, dass Grundnahrungsmittel teurer sein müssen, heute sind diese viel zu billig! Fertigmahlzeiten und der ganze „Krapp“ aus der Lebensmittelindustrie kann ruhig billiger werden. Der ist überflüssig!
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  • Kommentar von Peter König (Vignareale)
    Gratulation Kollegen BBV sehe dass das Hauptfach der Berufsschule nicht mehr: „Lerne zu klagen, ohne zu leiden“ ist. Und keine Abhängigkeit von Vorschriften mehr. Wer sieht noch durch den DirektzshlungsDschungel? Ohne Freihandel, Exportrückgang bei der Industrie, Folge tiefere Löhne oder Betriebsschliessungen, weniger Konsum auch billigere Nahrungsmittel Einlommensverlust bei den Bauern und dann ?
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    1. Antwort von Markus Guggisberg (gugmar)
      @Peter König: Seit Jahren jammern Industrie & BR über Exportrückgang, Arbeitsplatz- und Firmenflucht und was ist daran wahr ? NICHTS ! Wahr ist dass die Industrie das Land der Bauern gerne "billig" übernehmen möchte, um noch mehr Industriebrache und Wüsten zu produzieren. Wahr ist, dass kaum je eine Firma die Schweiz verlässt, weil sie genau weiss, was die wahren Vorteile dieses nicht EU Standorts sind ! Das Jammern der Bauern hat wenigstens einen Grund !
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