Svenja Stettlers Wohnung ist zum Fussballplatz geworden. Wann immer er kann, kickt ihr Sohn den Ball durch die Wohnung. Gerne würde er in einem Verein spielen. Doch es hat keinen Platz für ihn. Stettlers Sohn ist eines von 40 Kindern auf der Warteliste des FC Glattfelden.
Der FC Glattfelden ist kein Einzelfall. Schweizweit warten rund 10'000 Kinder auf einen Platz in einem Fussballklub. Im Unihockey sind es 2000, im Volleyball gar noch etwas mehr, wie die jeweiligen Verbände schätzen.
Auch im Handball ist man an der Kapazitätsgrenze angelangt. Es fehlen Turnhallen und Fussballplätze.
Die Infrastruktur ist veraltet
In Glattfelden etwa gibt es drei Felder für rund 400 Spielerinnen und Spieler. Die sind allerdings nur eingeschränkt nutzbar: Auf einem Feld können wegen der Starkstromleitungen keine Lichtmasten aufgestellt werden. Abendtraining ist damit nicht möglich.
Und wenn es regnet, kann auf keinem der Plätze trainiert werden, weil das Wasser auf den 40 Jahre alten Feldern kaum abläuft.
Helfen würde die Umrüstung auf Kunstrasen. Für die Finanzierung ist der Verein auf die Gemeinde angewiesen. Die hat sich dagegengestellt.
Für die Förderung der Bewegung in der Schweiz ist das Bundesamt für Sport zuständig. Allerdings habe das Baspo nicht die Verantwortung dafür, dass genügend Sportanlagen vorhanden seien, erklärt Maximilian Schubiger, Leiter des Bereichs Raum und Infrastruktur. «Der Bund weiss auch nicht, was die Gemeinden brauchen», sagt Schubiger.
Der Bau neuer Sportanlagen gestaltet sich besonders schwierig. Denn das revidierte Raumplanungsgesetz verlangt, nach innen zu bauen und so Zersiedelung zu verhindern. Doch der Platz ist knapp. Für Schubiger ist es darum zentral, bei der Raumplanung anzusetzen und die Sportanlagen stets mitzudenken.
Vier Teams teilen sich ein Feld
Bestehende Anlagen müssten zudem effizient genutzt werden, da sei auch Flexibilität gefragt. «Ein Warm-up oder Cool-down zum Beispiel muss nicht zwingend auf dem Fussballplatz erfolgen», sagt Schubiger.
Der FC Glattfelden hat sich das bereits zu Herzen genommen und das Training optimiert. «Bei den Jüngeren haben wir zum Beispiel vom Mannschafts- auf sogenanntes Pool-Training umgestellt», erklärt Vereinspräsident Werner Balmer. Dabei teilen sich vier Teams einen einzigen Platz und trainieren auf begrenztem Raum. «So können wir die Kapazität ein bisschen erhöhen.»
Gelöst wird das Problem damit nicht. Darum will sich der Verein weiterhin für einen Kunstrasen einsetzen. Er versucht nun, ein günstigeres Projekt auszuarbeiten und allenfalls Sponsoren für die Finanzierung zu finden. «Dann könnten wir unabhängig vom Wetter trainieren», sagt Präsident Balmer. Und so mehr Kinder aufnehmen.
Für Svenja Stettler und ihren Sohn gibt es bereits jetzt eine gute Nachricht: Er hat ab Sommer einen Platz beim FC Glattfelden. Zur Freude der Mutter – nicht nur wegen der Wohnungseinrichtung.