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Tausende auf Wartelisten Infrastruktur am Limit – Sportvereine sind voll

Tausende Kinder würden gerne Sport treiben, müssen aber auf Wartelisten ausharren. Vereine fühlen sich alleingelassen.

Svenja Stettlers Wohnung ist zum Fussballplatz geworden. Wann immer er kann, kickt ihr Sohn den Ball durch die Wohnung. Gerne würde er in einem Verein spielen. Doch es hat keinen Platz für ihn. Stettlers Sohn ist eines von 40 Kindern auf der Warteliste des FC Glattfelden.

Der FC Glattfelden ist kein Einzelfall. Schweizweit warten rund 10'000 Kinder auf einen Platz in einem Fussballklub. Im Unihockey sind es 2000, im Volleyball gar noch etwas mehr, wie die jeweiligen Verbände schätzen.

Auch im Handball ist man an der Kapazitätsgrenze angelangt. Es fehlen Turnhallen und Fussballplätze.

Die Infrastruktur ist veraltet

In Glattfelden etwa gibt es drei Felder für rund 400 Spielerinnen und Spieler. Die sind allerdings nur eingeschränkt nutzbar: Auf einem Feld können wegen der Starkstromleitungen keine Lichtmasten aufgestellt werden. Abendtraining ist damit nicht möglich.

Und wenn es regnet, kann auf keinem der Plätze trainiert werden, weil das Wasser auf den 40 Jahre alten Feldern kaum abläuft.

Luftaufnahme von beleuchteten Fussballfeldern neben einer Stadt in der Dämmerung.
Legende: Drei Plätze stehen dem Verein zur Verfügung – am Abend kann nur auf zwei Fussballplätzen trainiert werden. SRF

Helfen würde die Umrüstung auf Kunstrasen. Für die Finanzierung ist der Verein auf die Gemeinde angewiesen. Die hat sich dagegengestellt.

Glattfelden und der Kunstrasen

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800'000 Franken hätte der FC Glattfelden von der Gemeinde gerne gehabt, um seinen Natur- in einen Kunstrasen umzurüsten. Die Gemeinde wollte das nicht bezahlen, an der Urne hatte das Anliegen des Klubs schliesslich keine Chance.

Gemeindepräsident Marco Dindo begründet die Ablehnung damit, dass die Gemeinde bereits sonst hohe Kosten tragen müsse. Ausgaben von 60 bis 80 Millionen Franken seien für die nächsten Jahre eingeplant, etwa für Schule, Pflegeheim oder Asylunterkunft.

«Es geht auch darum, wie fest die Bevölkerung von etwas profitiert», sagt Dindo. Schliesslich spielten nicht alle Fussball. «Der Rest der Bevölkerung macht andere Sachen, da müssten wir dann auch investieren.»

Für die Förderung der Bewegung in der Schweiz ist das Bundesamt für Sport zuständig. Allerdings habe das Baspo nicht die Verantwortung dafür, dass genügend Sportanlagen vorhanden seien, erklärt Maximilian Schubiger, Leiter des Bereichs Raum und Infrastruktur. «Der Bund weiss auch nicht, was die Gemeinden brauchen», sagt Schubiger.

Personen auf einem Sportplatz mit Fussballausrüstung.
Legende: 40 Kinder stehen beim FC Glattfelden auf der Warteliste. SRF

Der Bau neuer Sportanlagen gestaltet sich besonders schwierig. Denn das revidierte Raumplanungsgesetz verlangt, nach innen zu bauen und so Zersiedelung zu verhindern. Doch der Platz ist knapp. Für Schubiger ist es darum zentral, bei der Raumplanung anzusetzen und die Sportanlagen stets mitzudenken.

Vier Teams teilen sich ein Feld

Bestehende Anlagen müssten zudem effizient genutzt werden, da sei auch Flexibilität gefragt. «Ein Warm-up oder Cool-down zum Beispiel muss nicht zwingend auf dem Fussballplatz erfolgen», sagt Schubiger.

Kinder spielen Fussball auf einem Rasenplatz.
Legende: Mit einem Kunstrasen könnten beim FC Glattfelden mehr Kinder trainieren. SRF

Der FC Glattfelden hat sich das bereits zu Herzen genommen und das Training optimiert. «Bei den Jüngeren haben wir zum Beispiel vom Mannschafts- auf sogenanntes Pool-Training umgestellt», erklärt Vereinspräsident Werner Balmer. Dabei teilen sich vier Teams einen einzigen Platz und trainieren auf begrenztem Raum. «So können wir die Kapazität ein bisschen erhöhen.»

Effiziente Nutzung von Sportflächen

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Der Schweizerische Fussballverband hat gemeinsam mit der Arbeitsgemeinschaft Schweizerischer Sportämter einen Leitfaden erarbeitet, wie Fussballplätze effizienter genutzt werden können. Als kurzfristige Massnahme wird etwa das Training auf Halb- oder Viertelfeldern vorgeschlagen. Mittelfristig Linderung bringen kann etwa die Auslagerung gewisser Trainingseinheiten auf Nebenplätze, als langfristige Massnahme wird die Umrüstung von Natur- auf Kunstrasen vorgeschlagen.

Auch andere Sportverbände diskutieren über eine optimierte Nutzung der vorhandenen Flächen. So haben sich etwa Volleyball-, Unihockey-, Handball-, und Turnverband zu einer Arbeitsgruppe zusammengeschlossen und suchen zusammen mit Swiss Olympic und den Schweizer Sportämtern Lösungen.

Gelöst wird das Problem damit nicht. Darum will sich der Verein weiterhin für einen Kunstrasen einsetzen. Er versucht nun, ein günstigeres Projekt auszuarbeiten und allenfalls Sponsoren für die Finanzierung zu finden. «Dann könnten wir unabhängig vom Wetter trainieren», sagt Präsident Balmer. Und so mehr Kinder aufnehmen.  

Für Svenja Stettler und ihren Sohn gibt es bereits jetzt eine gute Nachricht: Er hat ab Sommer einen Platz beim FC Glattfelden. Zur Freude der Mutter – nicht nur wegen der Wohnungseinrichtung.

10vor10, 20.4.2026, 21:50 Uhr

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