Statt 200 sitzen nur etwa 20 Personen im Saal im Auktionshaus Rapp in Wil. Vorne, etwas erhöht, sitzt Auktionator und Inhaber Peter Rapp. Im hinteren Bereich des Saals werden Gebote auf herkömliche Weise per Telefon entgegengenommen. Was nach wenig Beteiligung aussieht, täuscht – das Meiste passiert nämlich online. Während der viertägigen Auktion rechnet das Auktionshaus mit bis zu 3000 Bieterinnen und Bietern, alleine per Internet.
Für das Auktionshaus Rapp sind Bieter per Internet nichts Neues. Nebst Saalgeboten und Telefon nimmt der Auktionator schon lange Gebote auf einem Bildschirm entgegen. Wegen Corona haben sich aber viel mehr Leute online registriert als üblich. Bieter aus den USA, China, Australien oder Russland sind dabei. Das habe viel Vorbereitung gebraucht. «Wir haben von den Technischen Betrieben Wil eine eigene Giga-Leitung bekommen», erklärt Geschäftsleiterin Marianne Rapp.
Alleine die Überprüfung der Neukunden nahm viel Zeit in Anspruch. «Es gibt Neukunden, die eine hohe Limite von einer Viertelmillion wollen und da müssen wir genau hinschauen», so Marianne Rapp. Man prüfe, ob andere Auktionshäuser eine Referenz geben, oder im Vorfeld Sicherheiten überwiesen werden können.
Aber auch für die Bieterinnen und Bieter ist die rein virtuelle Teilnahme an einer Auktion anspruchsvoll. Besonders die Beurteilung, auf was man bieten wolle, sei nicht einfach. «Wir haben sehr viele Anfragen erhalten zu den einzelnen Losen», sagt Marianne Rapp. Für all diesen besonderen Aufwand habe man extra Personal eingestellt.
Corona habe der Kauflust nicht geschadet, beobachtet Marianne Rapp. Im Gegenteil, die Leute seien bereit, Geld auszugeben. Was ihr aber schon fehle, das sei die Stimmung: «Zu normalen Zeiten hätten wir 200-250 Leute hier für so eine Auktion. Das ist lebendig und auch spannend für den Auktionator. Die Verlagerung ins Internet verunmöglicht diese Atmosphäre.»
Duelle unter den Bietern gibt es aber per Internet. Im Sekundentakt ertönt das Signal für ein neues Gebot. Eine Briefmarke Baslertaube wird für 5000 Franken ersteigert, eine Briefmarke «Rayon Eins» für 130'000 Franken.