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Tempo 30 – Städte in der Romandie machen vorwärts
Aus Schweiz aktuell vom 05.10.2020.
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Tempo 30 Wieso ausgerechnet die Westschweiz beim Tempo 30 aufs Gas drückt

Lausanne und Freiburg wollen in der Nacht generell auf Tempo 30 setzen – später auch tagsüber. Das animiert weitere Städte.

Vielerorts werden neue Tempo-30-Zonen geprüft oder sie sind bereits eingeführt. Damit sollen die Strassen sicherer und vor allem ruhiger werden. Bis Ende 2022 müssen überall in der Schweiz Lärmschutz-Grenzwerte eingehalten werden, das schreibt der Bund vor. In der Westschweiz gibt man nun besonders Gas.

Tempo 30 während der Nacht in Lausanne

Die Pläne von Lausanne sehen reduzierte Geschwindigkeit auf praktisch allen Hauptrassen vor – in einem ersten Schritt während der Nacht. Später soll Tempo 30 schrittweise in allen Quartieren eingeführt werden – auch tagsüber. Dazu stehen bereits 4.5 Millionen Franken bereit.

Damit erhöht sich die Lebensqualität.
Autor: Florence GermondStadträtin Lausanne (SP)

Damit werde es deutlich ruhiger, die Lebensqualität steige, sagt die SP-Stadträtin Florence Germond. Zudem würden schwere Unfälle massiv reduziert.

Strassenplan von Lausanne mit eingezeichneten Tempo 30-Zonen
Legende: Auf der Karte wird das Ausmass deutlich Auf den meisten Hauptstrassen würde von 22 bis 6 Uhr Tempo 30 gelten, hier rot eingezeichnet. Ausgenommen sind ein paar Zubringerstrassen, wo weiterhin 50 Stundenkilometer gefahren werden kann, hier blau markiert. SRF

Von abends um 22:00 Uhr bis morgens um 06:00 Uhr soll auf den meisten Lausanner Hauptrassen langsamer gefahren werden. In einem Test mit Tempo 30 vor zwei Jahren haben Stadt und Kanton herausgefunden: Der Lärm ist um zwei bis drei Dezibel gesunken.

Gegen die Pläne ist derzeit ein Rekurs vor Kantonsgericht hängig. Die Stadt Lausanne ist jedoch zuversichtlich, dass spätestens Anfang 2021 auf den Hauptstrassen während der Nacht Tempo 30 gilt, bis 2022 in praktisch allen Quartieren.

Weitere Städte zeigen Interesse

Ein Schritt mit dieser Tragweite wäre bislang einmalig. Das inspiriert: Mehrere Waadtländer Städte haben ihr Interesse bekundet. In Freiburg geht man sogar einen Schritt weiter. In der Stadt soll nicht nur in der Nacht, sondern immer Tempo 30 gelten. Vorgesehen ist dies auf rund drei Vierteln der Strassen in der Innenstadt, inklusive mehreren Hauptverkehrsachsen. Das gefällt vielen Autofahrerinnen und Autofahrer nicht, sie fühlen sich schikaniert.

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Das sagen die Autofahrerinnen und -fahrer
Aus News-Clip vom 05.10.2020.
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Für den Widerstand der Autofahrer hat der zuständige freiburgische Baudirektor Jean-François Steiert kaum Verständnis. Auch wenn die Initiative zu den Tempo-30-Zonen von der Stadt kam, ist der Kanton für die Umsetzung zuständig. «Dort, wo die Leute wohnen, möchten sie ein tiefes Tempo und wenig Lärm, anderswo möchten sie schnell fahren», so SP-Staatsrat Steiert. Überall da, wo es möglich sei, habe man Lärmschutzbeläge verbaut. Dort, wo dies nicht reicht, wird das Tempo reduziert.

Deutschschweiz sensibler bei Umweltfragen

Wieso die Westschweiz hier forscher und grossflächiger vorgeht als die Deutschschweiz, kann sich Steiert nicht erklären. «Bei Umweltfragen wurde die Westschweiz später sensibilisiert als die Deutschschweiz.» Bei Lärm- und Belästigungsfragen sei man jedoch gleich sensibel, weshalb die Westschweiz nun früher damit kommt, so Steiert.

Auf einem Abschnitt in Zürich gilt Tempo 30 nachts bereits

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Strassenschild Tempo 30 während der Nacht
Legende:Mitte August wurde die Lärmschutztafel in Zürich montiertKeystone

Es war die Stadt Zürich, welche diesen Herbst erstmals eine nächtliche Tempo-Reduktion eingeführt hat, jedoch nur auf einem kleinen Abschnitt. Auf knapp 400 Metern auf der Höschgasse im Zürcher Seefeld herrscht zwischen 22 und 6 Uhr Langsamverkehr.

Wie in Lausanne hat auch hier ein Pilotversucht vor zwei Jahren gezeigt, dass die Lärmbelästigung um ein bis drei Dezibel sank.

Dieser Abschnitt sei nur der Anfang, hiess Mitte August von Seiten der Stadt. Viele Anwohnerinnen und Anwohner forderten dabei bereits, dass die Tempo-Reduktion auf den ganzen Tag ausgeweitet wird.

Das Gewerbe der Stadt Freiburg hält sich bisher zurück mit der Kritik. Für die Ladenbesitzer sind die Parkplätze wichtiger als die Geschwindigkeit. Klarer Widerstand gegen das Projekt kommt von der SVP Stadt Freiburg. Fraktionspräsident Pascal Wicht meint: «Dies ist eine weitere Massnahme, die sich gegen Automobilisten richtet. Sie sollen gar nicht mehr in die Stadt kommen.»

Gute Chancen für das Projekt

Trotz Widerstand habe das Projekt in Freiburg reelle Chancen, prognostiziert SRF-Korrespondent Rolf Dietrich in Freiburg. Es gebe nämlich keine Debatte dazu im Parlament und auch keine Volksabstimmung. Nur wer direkt betroffen ist, kann Einsprache bei der Kantonsregierung einreichen. Das Projekt ist derzeit noch in der Vernehmlassung.

Schweiz Aktuell, 05.10.2020, 19:00 Uhr;

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25 Kommentare

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  • Kommentar von Guido Fontana  (Boxster)
    Es geht nicht um 5 Minuten Herr Gasser. Es geht um Stunden die wir mit diesem Theater verlieren.Offensichtlich arbeiten sie nicht an der Front...Wenn wir nämlich zu spät beim Kunden erscheinen ist er verärgert.Denn wenn es nämlich um seine Sache geht dann gelten andere Regeln. Keine Spur mehr von Respekt,Toleranz und Wertschätzung. Das ist die Realität.Und nicht diese Fantasiewelten.Die ganze Infrastruktur wurde von Pickelhart arbeitenden Handwerkern geschaffen und nicht von Träumern.
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  • Kommentar von Damian Derungs  (Domino)
    Was für eine logik, zuerst mal die haupstrassen beschränken, an denen maximal weniger leute wohnen als in quartieren. Machtin quartieren 30 und auf den hauptachsen 50, dann hört auch das ganze dumme durch quartiere abkürzen auf, weils länger dauert. Zudem kann man deutlich lauter 30 fahren als 50, kommt nur drauf an ob mans will. Dazu kommt das ein grosser teil des lärms von den öv selbst produziert wird. Busse, trams und züge fahren ja lautlos.
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  • Kommentar von Mike Steiner  (M. Steiner)
    Tempo 30 gehört zu den letzten Zuckungen einer verdichtungsgeilen Wachstumgsgesellschaft, bevor sie kollabiert oder sich stranguliert.
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    1. Antwort von Andreas Müller  (Hugh Everett)
      Von Verdichtung kann in der Schweiz keine Rede sein. Fahren sie mal nach Japan oder nach China, dort werden die höheren Häuser in der Stadt von Geschäften vom EG bis in den 10. Stock genutzt. In Tokyo leben 40 Mio, in Shanghai 25 Mio Menschen. Oder fahren sie nach Indien nach New Delhi, dann sehen sie was Verdichtung wirklich bedeutet.
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    2. Antwort von Mike Steiner  (M. Steiner)
      Herr Müller: die ewigen Vergleiche mit Asien haben mir keinen Wert. Diese Orte bieten seit Jahrzehnten keine Lebensqualität mehr, wie ich sie definiere!
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