Zum Inhalt springen
Inhalt

Schweiz Terror wirkt sich auf Reisebranche aus

Die Terroranschläge in Brüssel haben drastische Auswirkungen auf das Reisegeschäft an Ostern. Dabei ist die Zahl der Terrortoten in Westeuropa auf einem Tiefstand, die Gefahr, tödlich zu verunfallen, viel grösser. Wie ist die Angst zu erklären?

Legende: Video Wie rational ist die Terror-Angst bei Touristen? abspielen. Laufzeit 04:14 Minuten.
Aus 10vor10 vom 24.03.2016.
Zwei Polizisten von hinten fotografiert patrouillieren in einer Halle am Flughafen Zürich, zwischen ihnen im Hintergrund der Schriftzug "Siwss"
Legende: Viele Leute meiden nach einem Terroranschlag Flüge und Reisen ins Ausland - zumindest für eine gewisse Zeit. Keystone

Osterzeit ist Reisezeit. Gewöhnlich herrscht am Flughafen Zürich in diesen Tagen Hochbetrieb. Einige Tage in einer europäischen Metropole stehen traditionellerweise für viele Schweizer auf dem Programm. Doch: Die jüngsten Anschläge in Brüssel haben den Reisenden die Lust auf einen Städtetrip genommen.

So auch beim Schweizer Reiseunternehmen Hotelplan: 22 Kunden haben ihre Reise in die belgische Hauptstadt über die Ostertage storniert. «Obwohl das EDA im Moment nicht von Reisen nach Brüssel abrät, zeigten wir uns kulant und annullierten sie kostenlos», sagt Prisca Huguenin-dit-Lenoir, Kommunikationsleiterin von Hotelplan Suisse der Sendung «10vor10».

Zweistelliger Einbruch in Paris

Bereits nach den Anschlägen in Paris registrierte das Reiseunternehmen bei seinen Kunden eine starke Verunsicherung: «Seit November 2015 spüren wir einen markanten Rückgang gegenüber dem Vorjahr. Wir bewegen uns da im zweistelligen Minusbereich. Paris und das Eurodisneyland leiden extrem darunter. Die Leute vermeiden seither grössere Städte wie Paris, London oder Berlin.»

Ganz aufs Reisen verzichten möchten die Leute aber nicht. «Sie weichen als Folge eher auf kleinere Destinationen wie Barcelona, Wien oder Hamburg aus. Und speziell auch die nordischen Städte wie Oslo, Stockholm oder Kopenhagen sind sehr gefragt», erklärt Huguenin-dit-Lenoir.

Weniger als 200 Terrortote

Doch ist die Angst in den Zeiten des Terrors begründet? Mathematiker des weltweit tätigen Versicherungskonzerns Zurich zeigen ein völlig anderes Bild. Sie berechneten, dass in Europa bei Terroranschlägen im langjährigen Durchschnitt weniger als 200 Menschen sterben. Dagegen kommen in den eigenen vier Wänden im selben Zeitraum rund 100'000 Personen um.

«Insgesamt kann man klar sagen, dass die Anzahl der Terrortoten bis in den letzten zwei Jahren in Westeuropa abgenommen haben», sagt Max Schönholzer, Leiter Schaden der Zurich-Versicherung. Auch im Verkehr (40 000 Unfalltote), bei Arbeit und Sport (12 000) und wegen Naturkatastrophen (weniger als 1000) kommen deutlich mehr Leute ums Leben.

Angst entsteht durch drei Faktoren

Johannes Ullrich, Professor für Sozialpsychologie an der Universität Zürich, führt die Angst der Bevölkerung nach den jüngsten Anschlägen auf drei Faktoren zurück: «Das Ereignis ist neu, es hat einen grossen Impact – viele Tote und Verletzte – und wir können es uns besonders gut vorstellen, weil es in unserer unmittelbaren Nähe passiert.»

Dies führe dazu, dass die Wahrscheinlichkeit überschätzt werde. «Durch die lebhafte Darstellung durch die Medien wird die emotionale Reaktion zudem unterstützt.» Ganz anders funktioniere es in Ländern wie Israel, wo Terror-Attacken präsenter sind. «Da haben die Menschen gelernt, mit dem Terror zu leben. Das könnte auch bei uns passieren.»

Keine wichtigen News verpassen

Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten per Browser-Push-Mitteilungen.

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren.

8 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Alex Bauert (A. Bauert)
    «Wie rational ist die Terror-Angst der Touristen?» Wusste nicht, dass Gefühle rational sein können. Seltsame Frage. Erinnert an die HundebesitzerInnen, die einem sagen, man solle nur keine Angst haben, dann passiere nix. Klar, Angst lässt sich abstellen wie Lampen oder Handys? Ich habe Angst, dass mal ein AKW-Unfall passiert. Extrem unwahrscheinlich, doch wenn, dann totale Katastrophe für das Land und kaum versichert (sonst rentiert der Atomstrom nicht). Rational oder dumm oder Gefühl oder ... ?
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Udo Gerschler (UG)
    Diese Zahlenspiele sind eine Verhöhnung der Opfer und helfen auch den zukünftigen nicht.Ich glaube es gibt keinen der gerade seinen Urlaub ohne einen mulmigen Gefühl in solchen Städten verbringt.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von marlene Zelger (Marlene Zelger)
    Jawohl, Genau das wollen ja die Terroristen. Sie wollen den Westen einschüchtern, verunsichern, den Menschen die Freude am Leben nehmen. Soweit dürfen wir es nicht kommen lassen. Letztendlich muss der Terror und seine hirnverbrannte Ideologie besiegt werden. Das geschieht nur, wenn wir zwar wachsam sind, aber selbstbewusst unser Leben gestalten.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen