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Tests in Nigeria Hilfsorganisationen kritisieren ETH-Gentechprojekt

ETH-Forscher tüfteln an länger haltbarem Maniok – mit Gentechnik. Doch dass der Feldversuch ausgerechnet in Nigeria stattfindet, gefällt vielen Nichtregierungsorganisationen überhaupt nicht. Sie sehen eine Gefahr.

Legende: Video Kritik an ETH-Tests in Nigeria abspielen. Laufzeit 04:36 Minuten.
Aus 10vor10 vom 31.08.2018.

Maniok ist ein Grundnahrungsmittel für viele Millionen Menschen in Afrika. Was, wenn die Pflanze genetisch verändert wird? Ist das gefährlich oder rettet es gar Leben, weil Maniok dann länger haltbar werden könnte?

Die Debatte ist kontrovers – und so stösst auch ein Forschungsprojekt der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich (ETH) in Nigeria auf Kritik. Dort wächst auf einem Testgelände Gentech-Maniok aus der Schweiz.

Nun schlagen 87 Nichtregierungsorganisationen vor Ort Alarm. Sie schrieben in einer Stellungnahme: «Diese Zusammenarbeit mit dem Schweizer Labor um genetisch veränderten Maniok in Nigeria einzuführen ist ein Vertrauensbruch und eine tödliche Gefahr für die nigerianische und afrikanische Ernährung und Landwirtschaft.»

24-Stunden-Bewachung

Gefährlich sei der Versuch nicht, sagt hingegen Molekularbiologin Livia Stavolone zu «10vor10». Er fände auf einem abgeschotteten Gelände statt, dass rund um die Uhr bewacht würde. Auch reiche ein Zaun mehr als ein Meter unter die Erde und soll so verhindern, dass kleine Tiere eindringen könnten. Laut Stavolone halten sich die Forscher an internationale Vorschriften und so sei das Risiko klein. «Alles hierher gebrachte Material hat einen Barcode, wurde angeschrieben, bleibt hier drinnen und wird am Schluss verbrannt.»

Mit ihrem Gentechnik-Projekt will die ETH ein Problem des Maniokanbaus lösen: Die Knollen der ursprünglich aus Südamerika kommenden Pflanze verderben nach der Ernte schnell. Die Forscher wollen die Maniok-Wurzeln länger haltbar machen.

Zunächst liessen die Forscher die Pflanzen drei Jahre lang in einem Gewächshaus in Zürich wachsen. Der Feldversuch fände nun in den Tropen statt, da die Pflanzen nur dort wachsen. «Dieser Feldversuch ist rein wissenschaftlich», erklärt Molekularbiologin Livia Stavolone. «Wir wollen zeigen, dass unsere Erfahrungen aus dem Labor und dem Gewächshaus auch im Feld zutreffen.»

Bevölkerung kann nicht mitreden

Aktivisten sind jedoch skeptisch. Sie kritisieren, dass die Behörde, die das Projekt bewilligte, generell Gentechnik befürwortete. Und sie finden, dass die nigerianische Bevölkerung bei der Bewilligung hätte mitreden sollen dürfen. «Wir sind nicht gegen Wissenschaft. Ich glaube kein Gentechnik-Gegner in Nigeria ist das», sagt der Gründer einer nigerianischen Organisation, die sich gegen Gentechnik einsetzt, Gbadebo Rhodes-Vivour. «Wir sind gegen die Aufsichtsbehörde und gegen eine Technologie mit Nebenwirkungen, die niemand anschaut. Alle wollen einfach grosse Unternehmen über das Wohlergehen des Volkes stellen.»

Legende: Video Swissaid-Geschäftsführer fordert Auskünfte abspielen. Laufzeit 00:10 Minuten.
Aus News-Clip vom 31.08.2018.

Die Hilfsorganisation Swissaid fordert vor allem mehr Informationen über das Projekt: «Wir erwarten von der ETHZ, dass sie Angaben macht, welches Risiko für die Bevölkerung mit diesem Versuch besteht, und wie man die Bevölkerung schützen kann», sagt Geschäftsführer Markus Allemann. Die von der ETH zur Verfügung gestellten Informationen reichten nicht. Eine Einladung zu einem Besuch an der ETH lehnte Swissaid jedoch ab. Swissaid wirft den Forschern auch vor, Sicherheitsstandards in Afrika auszunutzen, die tiefer seien als in der Schweiz oder der EU.

Diesen Vorwürfen widerspricht der Entwickler des genmanipulierten Manioks, Pflanzenbiochemie-Professor Samuel Zeeman von der ETH Zürich. Es würden die gleichen Standards wie in der Schweiz eingehalten. «Ich denke die Debatte über Gentechnik ist sehr polarisiert und in der Öffentlichkeit kursieren viele Falschinformationen. Das ist sehr schade, weil genetische Veränderung eine Methode ist, und diese Methode verspricht sehr viel um Ernten zu verbessern.»

Der Feldversuch in Nigeria läuft noch bis Ende Jahr. Für die ETH ist es wichtige Grundlagenforschung. Für Kritiker hingegen ein gefährliches Experiment.

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15 Kommentare

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  • Kommentar von Denise Casagrande (begulide)
    Eine weitere Schande für die Schweiz und Missbrauch an Natur, Tier und damit auch den Menschen, mittels willkürlichen, gentechnologischen Veränderungen an Pflanzen!! Niemand weiss, was dies für Auswirkungen langzeitlich gesehen haben wird, gesundheitlich gesehen für Mensch und Tier! Das ist verantwortungslos! Sinn machend wäre es, wenn die weltweite LW, sich logischerweise um nachhaltig öko-logische LW kümmern würde!!!
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  • Kommentar von Hans Haller (panasawan)
    Das sagt ja wohl alles. "Eine Einladung zu einem Besuch an der ETH lehnte Swissaid jedoch ab." Nicht gerade sehr überzeugend diese Swissaid. Kritisieren und sich nicht informieren lassen scheint da einfacher zu sein als sich mal vor Ort ein Bild zu machen.
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  • Kommentar von Barbara Lampérth (Luk 12/3)
    Es gibt bessere Rezepte gegen den Hunger, z.B. Discover. Die Afrikaner haben für eine grosse Artenvielfalt der Knollenpflanzen gesorgt, nun zu kommen und zu behaupten, Gentechnik sei eine Lösung für das Problem der Überbevölkerung - denn die ist das Grundproblem von Hunger und Armut - ist einfach nur zynisch und geht an der Realität vorbei.
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    1. Antwort von Ivo Muri (Ivo Muri)
      Es gibt leider neben dem real existierenden Hunger der Menschen auch den Hunger des freien Marktes nach dem besten Gewinn. Und dieser steht bei den Patenten auf Lebewesen leider im Vordergrund.
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