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Online-Casinos: Softwareupdate sorgt für gigantische Schulden
Aus Espresso vom 18.06.2020.
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Teurer Fehler im System Online-Casinos: Plötzlich haben Spieler hohe Schulden

Ein desaströses Softwareupdate sorgt bei Kunden von Onlinecasinos des Grand Casinos Baden für Minus-Saldi und Schulden, teilweise im fünfstelligen Bereich. Die Betroffenen haben bei «jackpots.ch» und «casino777.ch» mit Geld gespielt, das sie gar nicht mehr hatten.

Schweizer Onlinecasinos wie «Jackpots.ch» oder «casino777.ch» sind beliebt. Während des Corona-Lockdowns ganz besonders. Kunden zahlen per PostFinance einen Betrag auf ihr Spielkonto ein und können mit diesem Geld im Onlinecasino spielen.

Bei zwei Onlinecasinos des Grand Casinos Baden ist nach einem Softwareupdate eines externen Zahlungsverarbeiters ein fataler Fehler passiert: Vom 17. März bis Ende Mai wurden Überweisungen aufs Online-Spielkonto auf dem Postfinance-Konto nicht abgebucht. Dies liess Benutzer im Glauben, ihr Postfinance-Saldo sei nach wie vor im Plus. Auch wenn ihr Guthaben längst aufgebraucht war.

Plötzlich tausende Franken im Minus

Am 8. Juni kommt der Knall. Den Kundinnen und Kunden werden auf ihrem Postfinance-Konto auf einen Schlag sämtliche Nachbuchungen der Onlinecasinos verrechnet. Dabei handelt es sich um Beträge zwischen ein paar hundert und mehreren zehntausend Franken. Die betroffenen Konten werden gesperrt.

Viele Onlinecasino-Spieler stehen nun plötzlich vor riesigen Schuldenbergen. «Es wurden auf einen Schlag Existenzen zerstört», schreibt einer. Dabei haben viele Betroffene zur eigenen Sicherheit im Onlinecasino über ein Postfinance-Konto bezahlt, da dieses eigentlich gar nicht überzogen werden kann. Und doch sind sie nun mit Tausenden von Franken im Minus. Wie konnte das geschehen?

Kulanz deckt nur einen Teil des Schadens

Detlef Brose, CEO der Grand Casino Baden AG, welche die Onlinecasinos «jackpots.ch» und «casino777.ch» betreibt, sagt gegenüber dem SRF-Konsumentenmagazin «Espresso»: «Aufgrund eines Fehlers unseres externen Zahlungsverarbeiters wurden Überweisungen auf die Spielerkonten nicht wie üblich innert kürzester Zeit vom Postfinance-Konto abgebucht, sondern erst am 8. Juni.» Grund dafür sei ein fehlerhaftes Software-Update gewesen.

Die Grand Casino Baden AG stehe voll zu ihrer Verantwortung und habe eine Kulanzregelung beschlossen: «Wir werden alle Spielverluste zurückerstatten, die mit Nachbuchungen in Verbindung stehen, welche mehr als 30 Tage zurückliegen.»

Damit ist allerdings nur ein Teil des Schadens gedeckt. Da den Betroffenen nicht der aktualisierte Kontostand angezeigt wurde, haben sie auch anderweitig Geld ausgegeben, das sie eigentlich gar nicht mehr hatten.

Mehr als tausend Personen betroffen

Postfinance kommt den Betroffenen insofern entgegen, dass sie ihnen die Negativzinsen für Kontoüberzüge erlässt. Weiter schreibt Postfinance: «Sind Kundinnen und Kunden ausserstande, den Saldo auszugleichen, bietet ihnen PostFinance die Möglichkeit einer Abzahlungsvereinbarung an.»

In Onlineforen liest man, dass einige Betroffene mit den angebotenen Lösungen nicht zufrieden sind. Ob und wie der Zahlungsverarbeiter, der für die fehlerhafte Software verantwortlich ist, für den entstandenen Schaden geradestehen muss, ist offen.

Espresso, 18.06.2020, 08:13

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41 Kommentare

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  • Kommentar von Roman Keller  (rikee)
    Was für Abzocker, erlaubt Pokerstars! Was für eine Schweinerei und sowas passiert in einem liberalen Land, wie der Schweiz. Eigentlich betrifft das nur die "Dummen", denn wer da unter solchen Bedingungen Bingo-Casino-Spiele spielt, ist selber schuld und hat sein Geld nicht verdient. Spielerschutz := Papier-Konzept

    “Verbietet sowas - Erlaubt echtes Poker! Denn um Geld zu Jassen ist ja auch okay und schadet, genauso wie echtes Online Poker, bei weitem nicht in diesem unfassbarem Ausmass!”
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  • Kommentar von Dani Griesser  (PDQ)
    Am Sonntag 18.4.2020 schrieb die NZZ am Sonntag einen perfekt passenden Artikel dazu: Die Schweizer Spielcasinos arbeiten mit dubiosen Partner zusammen und der Schutz von Spielsüchtigen verkommt zur Farce. Zudem haben die Casinos in Bundesbern erfolgreich lobbiert und dem Spielbankengesetz so ziemlich alle Zähne gezogen. Alle Versprechen der Casinos von vor der Abstimmung (Geld für die AHV, Spielerschutz) sind Makulatur.
    Der Bericht zeigt das leider wahre Gesicht der Spielcasinos.
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  • Kommentar von Dietrich Michael Weidmann  (Dietrich Michael Weidmann)
    Steht im Gesetz nicht, dass Schulden aus Glücksspiel weder betrieben noch gepfändet werden können? (siehe OR und SchKG) - Was die Abbuchung vom Konto anbelangt: Grundsätzlich sollte man niemals irgendjemanden zur Direktbelastung seines Konto ermächtigen. Aber solche Abbuchungen kann man ja innert 30 Tagen widerrufen. Anschliessend sitzt der Casino-Betreiber eben auf seiner Schuld und der kann einem dann eben einmal!
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