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Legende: Audio Novartis soll Patent für Kymriah verweigert werden abspielen. Laufzeit 04:00 Minuten.
Aus Echo der Zeit vom 03.07.2019.
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Therapie für 370'000 Franken NGOs wollen Patentierung von «Kymriah» verhindern

Die Patentierung führe zu überhöhten Preisen und Zweiklassenmedizin. Und: Novartis habe die Therapie nicht erfunden.

  • Die NGOs Public Eye und Médecins du Monde haben beim Europäischen Patentamt in München Einspruch gegen die Novartis-Krebstherapie «Kymriah» erhoben.
  • Die Krebstherapie sei keine Neuerfindung von Novartis, sondern beruhe «massiv auf der Forschung durch öffentliche Institutionen», wie Universitäten, schreiben die beiden NGOs in einer Mitteilung.
  • «Kymriah» wird zur Behandlung von Leukämie und Lymphdrüsenkrebs eingesetzt und kostet pro Behandlungsinfusion 370'000 Franken.
  • Damit setze Novartis einen neuen Preisrekord im Schweizer Gesundheitswesen, teilten Public Eye und Médecins du Monde mit.
Legende: Video Aus dem Archiv: Was steckt hinter der teuersten Krebstherapie der Schweiz? abspielen. Laufzeit 02:51 Minuten.
Aus DOK vom 27.06.2019.

Ein Patent würde der Novartis Rechtsschutz auf eine kommerzialisierbare Erfindung gewähren und als Monopolgarantie wirken. Das führe zu willkürlichen Preisen, die zunehmend zu einer Zweiklassenmedizin führten, schreiben die NGOs weiter.

Novartis lasse die Beschwerde derzeit durch Rechtsexperten des Unternehmens analysieren, hiess es beim Basler Pharmakonzern auf Anfrage der Nachrichtenagentur Keystone-SDA.

Behandlung kann weiterhin angeboten werden

Die Entscheide der Europäischen Patentbehörde in München sind auch für die Schweiz rechtsverbindlich. Die Beschwerde der NGOs habe keinen Einfluss darauf, ob die Novartis die Behandlung anbieten könne, denn für die kommerzielle Nutzung eines Medikaments brauche es kein Patent.

Wie funktioniert die Krebstherapie «Kymriah»?

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«Kymriah» ist eine Gentherapie. Einer krebskranken Patientin werden weisse Blutkörperchen entnommen. Diese Blutkörperchen werden dann im Labor genetisch so umprogrammiert, dass sie Krebszellen erkennen und attackieren können. Die gentechnisch veränderten Blutkörperchen werden darauf mit einer Infusion wieder im Körper der Patientin eingesetzt und sollen nun die mit Krebs befallenen Zellen zerstören. Das Ziel ist, dass sich die gentechnisch veränderten Zellen im Körper vermehren und so langfristig den Körper vor Blutkrebs beschützen können.

Novartis hatte im vergangenen Oktober die Zulassung für die Krebstherapie «Kymria» in der Schweiz erhalten. Diese Zulassung gilt für den Einsatz bei Patienten, die an Blutkrebs leiden und bei denen vorherige Therapien nicht angeschlagen haben. Der Krankenkassenverband Santésuisse teilte im März mit, man wolle den Versicherten den Zugang zu dieser Therapie ermöglichen, indem man sie mit bis zu 200'000 Franken vergüte.

Welche Chancen hat die Klage?

«Das Prinzip der Therapie stammt nicht von Novartis», sagt SRF-Wissenschaftsredaktorin Kathrin Zöfel. Doch Novartis habe noch einige wichtige Entwicklungsschritte beigefügt. Deshalb sei der Ausgang des Gerichtsverfahrens offen. Zöfel geht davon aus, dass Novartis die Patentfrage im Vorfeld gründlich abgeklärt habe.

Doch auch für die Wissenschaftsredaktorin steht «Kymriah» stellvertretend für ein System, in dem der Anfang einer Forschung häufig mit öffentlichen Geldern finanziert wird und dann von der Pharmaindustrie übernommen wird. Denn die ersten, die besonders riskanten Forschungsjahre, wurden mit Steuergeldern der US-Bevölkerung finanziert.

20 Millionen US-Dollars aus Steuergeldern

Um die 20 Millionen US-Dollars hätten diese gekostet, wie der US-Forscher Carl June kürzlich in der Sendung Dok sagte. June hat die Therapie ursprünglich entwickelt. «Erst als klar war, dass die neue Methode Erfolg hat, kam Novartis dazu und sicherte sich die exklusiven Verkaufsrechte», sagt Zöfel.

Auch ein weiteres Argument der NGOs, dass es kein Medikament, sondern eine Dienstleistung sei – und man es deshalb nicht patentieren könne –, sei eigentlich korrekt, so Zöfel. «‹Kymriah› ist ein medizinisches Therapieverfahren.»

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13 Kommentare

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  • Kommentar von Stefan Trasser  (chiggifan)
    "Zum 22. Mal in Folge seit der Gründung von Novartis im Jahr 1996 bewilligte das Aktionariat eine Erhöhung der Dividendenzahlung je Aktie. Für 2018 wurde die Dividende um 2% auf CHF 2.85 erhöht"
    So zu lesen bei Novartis. Die Frage ist halt, ob man diese Medikamente für Shareholder und Millionenabzocker in den Chefetagen entwickelt oder ob man wirklich an die Kranken denkt.
    Medikamentenentwicklung im rein kapitalistischen Markt ist fast zwangsläufig pervers.
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  • Kommentar von u. Felber  (Keule)
    Vielleicht wäre eine Einkommens/Vermögens abhängige Verrechnung solch teurer aber wirksamen Therapien ein Modell, das alle zufriedenstellen würde?
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  • Kommentar von André Baumann  (Gizmo_CH)
    Für mich stellt sich bei diesem Preis die Frage, ob die Wirksamkeit und das persönliche Schicksal dazu 'genutzt' wird den Shareholder zu 'befriedigen' .
    In anderem Kontext würde dies vielleicht Nötigung oder Erpressung genannt...
    Hier wäre der Gesetzgeber gefordert!
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    1. Antwort von W Bracker  (bracker)
      Gibt es nicht den Straftatbestand des Wucher, bei dem die Notlage eines Menschen ausgenutzt wird um einen drastisch überhöhten Preis zu fordern?
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    2. Antwort von Martin Keller  (Martin98765)
      Jahrzehntelang wurde den Pharmafirmen vorgeworfen, sie möchten Krebs gar nicht heilen, und jetzt, wo es Novartis für diese Krebsart tut, ist es wieder nicht recht. Novartis hat tatsächlich 2012 eine Zusammenarbeit mit Prof June gestartet (und die Universität mit einem Vertrag entschädigt), hat das Medikament nicht von Anfang an erfunden sondern in einem halben Jahrzehnt weiterentwickelt, und verkauft es jetzt zu einem Preis der super teuer ist aber immer noch billiger, als die Kosten bis zum Tod
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