Zum Inhalt springen

Schweiz Therapie für Gewalttäter, ein Erfolgsmodell?

Der Fall Carlos hat die Schweizer Volksseele zum Kochen gebracht. Wegsperren statt Kuscheljustiz, scheint der allgemeine Tenor in Foren und Kommentarspalten. Experten sind sich uneinig.

Die Liste der Verfehlungen von Carlos ist lang – die Liste seiner Opfer ebenfalls. Deshalb griff die Zürcher Jugendanwaltschaft zu einer besonderen Massnahme: Rund-um-die-Uhr-Betreuung, zahlreiche Aufpasser und Sozialarbeiter sowie Thaibox-Training bei einem Weltmeister.

So erfolgreich das Modell in diesem Einzelfall auch funktioniert – Carlos hat sich seither nichts mehr zu Schulden kommen lassen, so teuer ist das Ganze aber auch. Wie teuer genau, ist nicht bekannt. Aber die in zahlreichen Medien kolportierten 30'000 Franken dürften vermutlich eher das untere Ende der Fahnenstange sein.

Legende: Video «Psychiater Frank Urbaniok: Opfer müssen stärker einbezogen werden» abspielen. Laufzeit 1:02 Minuten.
Vom 03.09.2013.

Doch ist es wirklich gerechtfertigt, so viel Geld für die Therapie eines Straftäters auszugeben? Und wo bleiben eigentlich die Opfer? Gerade für sie forderte Psychiatrie-Professor Frank Urbaniok im «Club» ein Umdenken. «Die Opfer haben lange Zeit nur die Funktion eines Beweismittels gespielt, um das Strafmass zu bestimmen», sagte er.

Heute wäre es aber an der Zeit, die Opferinteressen besser zu integrieren. Konkret hiesse das, auf Opferinteressen und die Interessen potentieller Opfer stärker Rücksicht zu nehmen. Das erfordere aber einen Paradigmenwechsel, der in einem veränderten Strafrecht und einem neu gestalteten Opferschutz seinen Niederschlag finden müsste.

«Kosten dürfen nicht exorbitant sein und jedes Mass verlieren»

Auf den Fall Carlos angesprochen, wollte Urbaniok dazu explizit keine Stellung beziehen. Er sei nicht in den Fall involviert und wisse nicht, welche Kosten hier anfielen. Der Psychiatrie-Professor machte im «Club» aber dennoch klar, dass Bestrafung allein die Gesellschaft nicht sicherer macht.

Legende: Video «Psychiater Frank Urbaniok: Strafe allein reicht nicht!» abspielen. Laufzeit 2:11 Minuten.
Vom 03.09.2013.

«Wer heute sagt, die Alternative ist wegsperren oder therapieren, der vermittelt der Bevölkerung ein falsches Bild. Denn 99 Prozent aller Gewalt- und Sexualstraftäter werden wieder entlassen.» Deshalb plädiert Urbaniok ganz klar für eine Betreuung. Gute Programme würden die Rückfallquote um 50 Prozent und mehr senken. Ohne sie stiege die Quote um vier bis 14 Prozent.

Trotz der hohen Kosten wisse man heute dank internationaler Studien, «dass das für die Gesellschaft am Schluss eine Erfolgsrechnung ist, weil die Kosten bei einem Rückfall – vom Leid der Opfer ganz zu schweigen – sehr viel höher sind.»

Legende: Video «Strafrechtler plädiert für harte Strafen» abspielen. Laufzeit 0:35 Minuten.
Aus 10vor10 vom 03.09.2013.

Trotz des eindeutigen Votums für betreute Massnahmen mahnte Urbaniok bei der Höhe der eingesetzten Gelder Augenmass an. «Die Kosten dürfen nicht exorbitant sein.» Denn letztlich sei alles eine Frage der Verhältnismässigkeit.

Härtere Strafen

Strafrechtler Martin Killias sieht das anders. Er plädiert grundsätzlich für eine härtere Gangart im Jugendstrafrecht. «Ich wünschte mir, dass die Täter bei schweren Verbrechen mit einer mehrjährigen freiheitsentziehende Sanktion bestraft würden», sagte Killias gegenüber SRF. Ergänzend dazu solle es zwar durchaus therapeutische Massnahmen geben, aber es müsse ein «Plan B» bereit liegen, wenn der Täter sich nicht kooperativ zeige. «Plan B wäre dann der Freiheitsentzug», so Killias.

45 Kommentare

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Franz NANNI, Nelspruit SA
    Experten sind sich uneinig. EXPERTEN... ? Eher selbsternannte "Fachleute" deren bester Erfolg der permanente Irrtum ist.. und damit wird gejuristet bis zum geht nicht mehr..
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Beppie Hermann, Bern
      Finde ich auch! Ist ja auch weniger ein Studium für Intellektuelle, vielmehr für Gedächtniskünstler, die sich tagein tagaus damit beschäftigen, je nach Bedarf der aktuellen Fälle Gesetze auszuhebeln. Besonders gut zu beobachten nach wirtschaftsfeindlichen Abstimmungen und bei der Findung stinkender Kompromisse.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    2. Antwort von Nemo Tenetur, Bern
      Das Niveau der meisten Ihrer Kommentare zeigt deutlich, dass Sie schlicht nicht in der Lage sind, darüber zu urteilen, wer intellektuell ist und wer nicht. Dazu müsste man ein Minimum an Fachwissen mitbringen. Was Ihre Kommentare auch zeigen, ist Ihr Frust. Offenbar haben Sie irgendwann im Leben die falsche Entscheidung getroffen, sodass Sie heute mit Ihrer Ausbildung nicht zufrieden sind. Und jetzt machen Sie es wie die Kinder, wenn Sie eifersüchtig sind: Sie machen andere schlecht.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    3. Antwort von Beppie Hermann, Bern
      Ach ja,u.wie gross muss Ihr Minko sein,dass Sie sich eines solchen Namens bedienen müssen!Sie wissen so gut wie ich,es sind nur Reiche+Arme überhaupt imstande,anzuklagen.In meiner Familie wimmelt es von Juristen,sie geben es unumwunden zu,ihr Studium ist vorallem Gedächtnisakrobatik,u.unser Gesetzesdschungel lässt keine Gerechtigkeit mehr zu,Gesetze hebeln sich gegenseitig aus,U'richter sind überfordert,lesen oft nichtmal mehr die Akten,weisen so Klagen einfach ab.(Artenschutz,Kunstfehler uvam)
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    4. Antwort von Nemo Tenetur, Bern
      In jedem seriösen Studium gehört das Auswendiglernen dazu. Biologie, Medizin (ganz besonders), Geschichte, usw. Das ist im Jusstudium kein bisschen anders. Allerdings ist das nicht der Hauptteil. Im Übrigen mögen Ihre Erfahrungen mit überforderten Richtern für Sie zutreffen. Das gibt Ihnen noch lange kein Recht, einen ganzen Berufsstamm als dumm zu bezeichnen. Ich bin Jurist und gebe mir täglich Mühe unseren Klienten zu helfen (meistens Opfer). Meine Arbeit hilft, Ihre Sprüche leider nicht.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    5. Antwort von Beppie Hermann, Bern
      "einen ganzen Berufsstamm als dumm zu bezeichnen" Sags ja,Juristen lesen Akten oft nicht od.oberlächlich,fällen ungerechte Urteile.Wenn Sie,Herr Anonym,Ihre Kundenakten so überfliegen wie meine Beiträge,kann man nicht von "Mühe geben" sprechen. Da steht nichts von"dumm"in meinen Kommentaren. Kann nichts dafür,dass Sie Intellekt,erforderlich bes.für exakte Wissenschaften, u.Intelligenz nicht unterscheiden können.Aber eben,bereits Ihr Pseudonym ist widersprüchlich,das wissen Sie aber sicher selber
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    6. Antwort von Nemo Tenetur, Bern
      Ich sags ja auch: Frust. Sie haben mir noch immer nicht gesagt, was Sie machen. Das nimmt mich jetzt schon wunder. Immerhin glauben Sie ja, bestimmen zu können, wer intellektuell ist und wer nicht. Ich hätte schon gerne gewusst, was hinter Ihren Sprüchen steht.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    7. Antwort von Marianne Roe, Gwatt
      Nemo Tenetur:Ich bin auch ganz fest überzeugt, dass die meisten Juristen, Richter inbegriffen, dumm sind oder zumindest so tun also ob sie es wären. Was es ihnen bringt, sind lange Prozesse und viel, viel Geld! Die Bevölkerung muss aufgeklärt werden, und nur sie kann diese Misere korrigieren. Wenn wir das System der USA anwenden könnten, wäre das Problem gelöst. Dort sagt man einem Anwalt das Problem, er sagt wieviel es kostet, und er wird so rasch wie möglich gewinnen. Er will ja sein Geld.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Alex Bauert, Bern
    Wo soll «Carlos» (davon gibt es Dutzende) lernen, Leben ist nicht Action, sondern viel Routine besteht? Abwechslung nicht auf Kosten anderer, keine Schlägereien, sexuelle Übergriffe, Sachbeschädigungen, etc. Er müsste also lernen am Morgen aufstehen, arbeiten, Sport, KollegenInnen (falls er welche hat, gleiches gilt für FreundeInnen) treffen (nein, nicht mit Faust treffen!). Wichtig: Die anderen nerven mich nicht, sondern ich nerve mich, lass mich nerven = Verantwortung für mich übernehmen!
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Verena Eberhard, 5722 Gränichen
    natürlich sagen das die abhängigen linken Therapeuten, denn da geht es um viel Geld. Wäre ja erbärmlich,wenn das Schweizer Volk diese Abzocker nicht mehr unterstützen würde.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen