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Schweiz «Therapien sind teuer, aber wirksam»

Therapien für Sexual- und Gewaltstraftätern sind teuer. Aber sind sie auch wirksam? «Der Effekt ist so eindeutig, dass mit den richtigen Therapien Kosten gesenkt werden können», sagt Kriminalpsychologe Jérôme Endrass.

Kürzlich wurde bekannt, dass der Schweizer Strafvollzug heute rund 1 Milliarde Franken pro Jahr kostet.Therapien machen davon zwar nur einen Bruchteil aus, aber einen wachsenden. Zwischen 2007 und 2011 haben sich die Kosten für sogenannte stationäre Massnahmen mehr als verdoppelt: auf fast 100 Millionen.

«Gut evaluierte Programme»

«Gerade intensive Therapien haben sich als wirksam erwiesen», sagt Jérôme Endrass, der die Abteilung für Evaluation und Qualitätssicherung des Psychiatrisch-Psychologischen Dienstes (PPD) im Amt für Justizvollzug des Kantons Zürich leitet.

Legende: Video Jérôme Endrass abspielen. Laufzeit 02:17 Minuten.
Aus News-Clip vom 09.09.2013.

Martin Killias, bis August 2013 Professor für Strafrecht und Kriminologie an der Universität Zürich, heute selbständig mit der «Killias Research & Consulting» (KRC), bezweifelt das. «Jede Diskussion über Kosten ruft nach der Frage, ob dem geleisteten Aufwand auch etwas Positives gegenübersteht, etwa in Form verringerter Rückfall- und Kriminalitätsraten. Leider weiss das niemand.» Endrass widerspricht: «Mittlerweile gibt es gut evaluierte Therapieprogramme, die sehr deutlich das Rückfallrisiko senken können.»

Reine Strafen machen Täter noch gefährlicher

Endrass hat den aktuellen Stand der Forschung im fast 500 Seiten starken Buch «Interventionen bei Gewalt- und Sexualstraftätern», 2012 publiziert von der Medizinisch Wissenschaftlichen Verlagsgesellschaft Berlin, zusammengetragen.

Das Fazit sei klar: «18 Meta-Analysen von Primärstudien an jugendlichen und erwachsenen Straftätern zeigen, dass sich das Rückfallrisiko durch rein strafende Interventionen kaum reduzieren lässt.» Ja, solche Interventionen hätten gar einen gegenteiligen Effekt: Wer Straftäter einfach einsperre oder beispielsweise in ein «Boot Camp» schicke, der mache sie noch gefährlicher.

Therapien sind am Ende billiger

Mit den richtigen therapeutischen Interventionen könnten die Rückfallraten indes markant gesenkt werden: «Der mittlere Effekt bei jugendlichen und erwachsenen Straftätern ist eine Verminderung der Rückfallraten um 28 Prozent», sagt Endrass. Wobei auffalle, dass Therapien bei Jugendlichen deutlich stärkere Effekte hätten als bei Erwachsenen.

Die Schlussfolgerung sei klar: «Je jünger ein Straftäter ist, desto grösser ist im Durchschnitt die Chance, dass er mit der richtigen Therapie zurück in die Gesellschaft findet.» Dies wiederum rechne sich für den Steuerzahler: Verbrecherkarrieren seien enorm teuer – viel teurer als die adäquaten Therapien.

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20 Kommentare

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  • Kommentar von Beppie Hermann, Bern
    Man sollte doch auch differenzieren.Dieser Anthamatten ist ein Wiederholungstäter,hat bereits in Frankreich 2x brutal vergewaltigt.Therapiert werden angeblich 3% rückfällig.Ob es sich dabei um Wt handelt,war aus dem Bericht nicht ersichtlich.Wie kann man einen Wt auf Kosten der Bürger derart teuer therapieren+nochmals rauslassen?Sogar das bisschen Knasthaushalt wird noch bezahlt.Harte,streng bewachte Arbeit im Dienst der Gesellschaft zum 0Tarif,zB in Land-od.Forstwirtschaft,ist Therapie genug!
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    1. Antwort von Marianne Roe, Gwatt
      Lieber Peppie: Der Täter könnte ja auch Mord ohne Sexualdelikt begehen. Wenn es Gerechtigkeit gibt, sollte doch wenigsten jemand der ihn dabei unterstützt (z.B. wie sie) den Kopf hinhalten müssen. oder nicht ?
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  • Kommentar von Denise Casagrande, 8374 Oberwangen
    Keine Gnade oder Erbarmen für die lebenslang unter Aengsten und dem Trauma der furchbaren Tat/Taten leidenden Opfer! Gnade, Erbarmen, oder gar Freiheit für weitere Greueltaten für die Täter, bei welchen die sexuell abstrusen Gewaltfantasien nicht aus dem "Kopf" zu therapieren sind und sehr wohl Täter bleiben? Daher lebenslange Verwahrung! Wo bleiben Verantwortung, Fairness und Gerechtigkeit von Bundesrat, den Massen an PolitikernInnen, zuständigen Behörden und Aemte Denise Casagrande
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  • Kommentar von Hans König, Häusernmoos
    Die Personengruppe der Therapeuten und Sozialhelfer/innen (inkl. BR Sommaruga) wollen uns dieses Märchen der "Wirksamkeit" glaubhaft machen, auch wenn es nicht stimmt. Bei den Wiederholungstätern gibt es nur Zuchthaus oder Verwahrung. Ferner ist es nicht unsere Aufgaben, Straftäter ohne Schweizerpass auf unsere Kosten zu Therapieren, sondern mit den Herkunftsländer die Übernahme und die Strafverbüssung zu regeln. Vielfach waren diese Personen bereits in den Herkunftsländer straffällig.
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