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An der Viehausstellung in Genf wurden bei 26 Kühen Ödeme gefunden
Aus Espresso vom 05.05.2020.
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Tierschutz Euter-Ödeme an Milchviehausstellungen

Neu werden alle Tiere mit Ultraschall untersucht. Bei der Premiere in Genf litten 26 Tiere unter Euter-Ödemen.

Seit Jahren sind übervolle, pralle Euter und in der Folge Schmerzen für die betroffenen Kühe ein Thema an den internationalen Viehausstellungen. Das neue Ausstellungsreglement der Arbeitsgemeinschaft der Schweizer Rinderzüchter (ASR) sieht vor, dass jedes Tier vor Betreten des Rings mit Ultraschall untersucht wird, um festzustellen, ob sich im Euter Ödeme gebildet haben. Premiere dieser neuen Regelung war im Januar an der SwissExpo in Genf. Wie das SRF-Konsumentenmagazin «Espresso» vom Kantonstierarzt erfahren hat, waren 26 Tiere von Euter-Ödemen betroffen. Bei einer Gesamtzahl von über 1000 Tieren sind das wenige.

Allerdings relativiert Kaspar Jörger, Leiter Abteilung Tierschutz im Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV): «Das heisst nicht, dass es nicht noch weitere übervolle Euter gab. Es heisst lediglich, dass bei der Mehrheit der Tiere noch kein Ödem diagnostiziert werden konnte.»

Ödeme sind Rückstaus von Flüssigkeit im Eutergewebe und entstehen 12 bis 14 Stunden nach dem letzten Melken. Positiv an der neuen Regelung sei auf alle Fälle, dass eine Diagnose für das Tier sofort Konsequenzen hat, so Jörger: «Laut Reglement werden die Kühe sofort gemolken und somit entlastet. Der Schmerz ist dann weg.»

«Wir sind sehr enttäuscht von früheren Gerichtsurteilen»

Ob die 26 Fälle von Genf vor ein Gericht kommen, ist noch offen. Auf Anfrage von «Espresso» teilt der Kantonstierarzt mit, man habe sich noch nicht darum kümmern können, zurzeit sei man mit der aktuellen Corona-Pandemie ausgelastet. Ob er später Strafanzeige einreichen werde, ist noch offen.

Kaspar Jörger, der oberste Tierschützer beim Bund, winkt ab: Er habe keine Illusionen, was Strafverfahren angehe. In der Romandie habe es in der Vergangenheit immer wieder Freisprüche gegeben in solchen Fällen: «Weil man nicht nachweisen konnte, dass der Tierhalter das Ödem willentlich in Kauf genommen hat. Wir sind sehr enttäuscht von solchen Richtersprüchen, welche das Tierwohl nicht in den Vordergrund stellen.»

Massnahme gegen Tierquälerei: Gemeinsames Melken auf dem Platz

Kaspar Jörger vom BLV sieht eine simple Massnahme, wie das Problem endlich gelöst werden könnte: «Die Tiere müssten auf dem Platz gemolken werden. Diejenigen Tiere, welche um elf Uhr beurteilt werden, müssen um neun Uhr gemolken werden. Die Tiere, welche um 12 Uhr in den Ring müssen, werden um zehn gemolken usw.» Die Euter sind dann zwar nicht mehr so prall und riesig, dafür leiden die Tiere nicht mehr und alle haben dieselben Bedingungen.

Aufgrund der Pandemie wurde die zweite grosse Viehausstellung, jene in Bulle (FR), abgesagt. Ob sich das neue Ausstellungsreglement bewährt, wird sich also wahrscheinlich erst im nächsten Jahr zeigen, an den grossen internationalen Ausstellungen im Januar und März.

Espresso, 05.05.20, 08:13 Uhr

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28 Kommentare

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  • Kommentar von Pia Müller  (PiMu)
    Einfach himmeltraurig !! Seit vielen Monaten wissen wir über das Leid der Kühe an Viehschauen. Der Bauernverband macht nichts dagegen, die Veterinäre auch nicht, der Bundesrat sowieso nicht. Also weiter die Kühe leiden lassen an diesen sogenannten "Ausstellungen". Was für eine Schande !!!
    1. Antwort von Ulrich Thomet  (UTW)
      Der Bauernverband hat sehr wohl etwas gegen solche Misstände unternommen und Informationskampagnen durchgeführt. Aber der SBV hat keine richterlichen Befugnissen, er kann niemanden bestrafen.
      Die Viehzuchtverbände haben schon mehrere Züchter sanktioniert und von Anlässen ausgeschlossen.
      Mir ist es unverständlich, dass es noch Züchter gibt, welche mit allen Mitteln versuchen etwas Prestige zu ergaunern.
  • Kommentar von Peter Fidler  (Skeptikus)
    Das Ausleben dieses krankhaften Verhaltens einiger Bauern muss leider ein politischer Entscheid zwangsweise stoppen. Das kriegen die in Bern aber nicht hin, zu sehr sind auch dort allzu menschliche Fehlbarkeiten präsent. Die kriegen ja nicht mal eine Revision für nachhaltige Sozialversicherungen hin. Geschweige denn ein anständiges Gesetz, das die schwächsten in unserer Gesellschaft vollumfänglich in seiner Unversehrtheit und Würde schützt, das Tier. Trauriger Leistungsausweis!
  • Kommentar von Denise Casagrande  (begulide)
    ...und da wundert sich der Mensch, dass auch seine Gesundheit nicht respektiert wird! Mit "Volks-Subventionen" (Milliarden pro Jahr), wird durch die industrialisierte LW, mittels Tonnen an gesundheitsschädigender CHEMIE, Erde- Wasser-Trinkwasser bewusst vergiftet und damit logischerweise auch Wildtiere, Nutztiere, Haustiere, etc und die Bevölkerung! "Volks-Politik"?? "Tier-Schutz"?