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Schweiz Tiger-Absturz: «Das Alter des Jets spielt keine Rolle»

Noch immer ist nicht klar, wieso es zum Unfall von zwei Tiger-Jets der Patrouille Suisse gekommen ist. Im Interview erklärt Flugexperte Peter Brotschi, dass der Unfall kaum im Zusammenhang mit dem Alter der Tiger-Jets steht.

Legende: Video Jet der Patrouille Suisse abgestürzt abspielen. Laufzeit 06:34 Minuten.
Aus 10vor10 vom 09.06.2016.

SRF News: Braucht die Schweiz überhaupt eine Kunstflugstaffel?

Peter Brotschi: Ich denke schon. Der «normale» Flugdienst der Luftwaffe kann dem breiten Publikum ja nicht gezeigt werden. Dank der Patrouille Suisse aber kann man Militärflugzeuge und die Kunst und Präzision unserer Pilotinnen und Piloten auch mal aus der Nähe sehen. Es gibt heute ja keine Hunter oder Venoms mehr, die tief über die Landschaft hinwegfliegen, alles findet auf 7000 Metern Höhe statt.

Die Patrouille Suisse ist extrem beliebt. Fürchten Sie nach dem Unfall nun einen Imageschaden für die Luftwaffe?

Das denke ich nicht, die Leute können genau differenzieren. Fast alle Flugstaffel-Teams der Welt hatten bereits Unfälle. Denken Sie nur an den schrecklichen Unfall der italienischen Staffel Frecce Tricolori 1988 im deutschen Ramstein, bei dem 70 Menschen ums Leben kamen. Trotzdem fliegt die Frecce Tricolori auch heute immer noch ein sehr präzises, begeisterndes Programm – und das sehr sicher.

Ist es angesichts der waghalsigen Manöver der Patrouille Suisse mit ihren Tiger-Flugzeugen nicht eher erstaunlich, dass es bislang noch nie zu einem Unfall gekommen ist?

Nein keinesfalls. Die Manöver sehen vom Boden aus vielleicht waghalsig aus, es sind aber genau durchdachte und durchkalkulierte Flugmanöver. Die Flugsicherheit hat immer oberste Priorität, auch bei solchen Vorführungen.

Die F5-Tiger-Flugzeuge werden auf Ende 2018 ausrangiert – ist es nicht gefährlich, mit solch alten Kampffluzgzeugen noch so riskante Manöver zu fliegen?

Das Alter ist relativ: Entweder ist ein Flugzeug flugbereit oder nicht. Das Alter spielt dabei eine absolut untergeordnete Rolle. Das Flugzeug muss technisch einwandfrei sein, das Alter ist dafür nicht bestimmend.

Sie gehen also nicht davon aus, dass dieser Unfall wegen Mängeln an den Flugzeugen passiert ist?

Keineswegs.

Das Gespräch führte Romana Costa.

Peter Brotschi

Porträt Peter Brotschi

Der Lehrer, Journalist und Buchautor diente von 1980 bis 2010 als Milizoffizier in der Schweizer Luftwaffe, zuletzt kommandierte er den Fachstab Kommunikation der Luftwaffe. Seit 2009 sitzt Brotschi für die CVP im Solothurner Kantonsrat.

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16 Kommentare

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  • Kommentar von Yves Burkhardt (YB)
    Schaut mal hier, was man mit "alten" Fliegern alles machen kann... https://www.youtube.com/watch?v=1p530HyNE4A Go Patrouille Suisse go! Our heart is your Motivation...
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  • Kommentar von Niklaus Bächler (SVP-Hinterfrager)
    Kein vernünftig denkender Mensch kann uns hier erklären,wofür diese Kunstflugstaffel gut sein soll. Es gibt sie nur, um das dumme «Volch» staunend an den Himmel hinauf gaffen zu lassen um ihnen dann die Kunststückchen als zwingend nötig & Spektakel zu verkaufen. Nur Realitätsverweigerer fallen auf solche Ablenkungsmanöver herein.Das ganze Theater ist sofort abzuschaffen, sonst schafft sich die Armee mit solchem Mist selbst ab.Viel Geld für nichts oder sehen sie einen Mehrwert?Ich nicht!
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    1. Antwort von Thomas Leu (tleu)
      @ Niklaus Bächler: Wir sind in einer Demokratie. Sie dürfen also gerne auch die Meinung der Minderheit vertreten. Die Geschichte lehrt uns ein anderes. Es gibt keine Garantie dass die Schweiz das gelobte Land Gottes ist. Also müssen wir uns selber zu helfen wissen, wenn die Zeiten härter werden. Ich hoffe das nicht, wer aber unvorbereitet in eine Krise schlittert, der wird rasch und hart bestraft. Man kann also genausogut argumentieren, dass Sie den Realitätssinn verloren haben oder verdrängen.
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  • Kommentar von M. Keller (MK)
    Leute, wo genau liegt denn hier das Problem? Schon einmal überlegt; dies sind doch Berufspiloten. Betonung auf ‚BERUF‘. Ich habe noch nie gehört, dass das ganze Baugewerbe abgeschafft werden soll, nur weil dort fast täglich Berufsunfälle, auch Arbeitsunfälle genannt, passieren. Und unbestritten einige mehr als im Militärdienst und insbesondere bei unserer Luftwaffe. Also easy.....
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    1. Antwort von Daniele Röthenmund (gerard.d@windowslive.com)
      Vielleicht weil man Bauarbeiter braucht, aber man braucht keine Militärpiloten mehr. Die Luftüberwachung könnte man auch mit Drohnen übernehmen. Wer ein bisschen Realistisch ist weiss das die Paar Flugzeuge die wir haben, bei einem tatsächlichen Angriff, vielleicht uns 2 bis 3 Tage schützen könnten, alles andere ist Utopie!
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    2. Antwort von M. Keller (MK)
      Sie brauchen im Kriegsfall oder bei Bedrohung auch keine Bauarbeiter sondern eine gut ausgebildete Armee. Drohnen sind für die Luftverteidigung ungeeignet - zu langsam und unbewaffnet. Im übrigen ist in Krisenfällen für die Verteidigung jede Stunde sehr wertvoll. Sie schreiben sogar selbst von 2 bis 3 Tagen. Also brauchen wir eine funktionierende Luftwaffe, sowie eine gute Armee, die uns, der Zivilbevölkerung, diese Stunden/Tagen verschafft. Dies ist keine Utopie sondern einfach die Realität.
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