Zum Inhalt springen

Kampfjet-Beschaffung Tiger und F/A-18 fliegen länger als geplant

Ab 2025 sollen die ersten neuen Kampfjets in den Schweizer Himmel aufsteigen. Damit die F/A-18 lange genug in der Luft bleiben können, müssen diese für rund eine halbe Milliarde Franken nachgerüstet werden. Auch die Tiger sollen vorerst weiterfliegen.

Legende: Video Die Kampfjetpläne des Bundesrats abspielen. Laufzeit 02:07 Minuten.
Aus Tagesschau vom 21.11.2016.
  • Verteidigungsminister Guy Parmelin hat den Zwischenbericht der Expertengruppe, die die Beschaffung eines neuen Kampfflugzeugs vorbereitet, präsentiert.
  • Ein Kredit von 10 Millionen soll für die Beschaffungsvorbereitung eines neuen Kampfflugzeugs bereitgestellt werden.
  • In der Zwischenzeit soll die Lebensdauer der F/A-18-Kampfjets von 5000 auf 6000 Flugstunden verlängert werden.
  • Zudem soll ein Teil der Tiger-Flotte länger fliegen als bisher geplant.

Nachdem das Schweizer Stimmvolk den Kauf neuer Kampfjets an der Urne abgelehnt hat, sollen die bestehenden Flieger länger im Einsatz bleiben. Eine Expertengruppe des Bundes schlägt vor, die F/A-18 Jets bis maximal im Jahr 2030 fliegen zu lassen. Dies gab Verteidigungsminister Guy Parmelin bekannt.

«Wir wissen, dass wenn wir nichts machen wegen der aktuell intensiven Nutzung der F/A-18, dann werden wir um 2025 eine Lücke haben in der Luftverteidigung dieses Landes», sagte Parmelin in der «Tagesschau».

Die meisten Maschinen werden im Jahr 2025 mit 5000 Flugstunden das Ende ihrer Nutzungsdauer erreicht haben. Die Expertengruppe schlägt daher vor, die Lebensdauer der verbleibenden 30 F/A-18-Kampfjets auf 6000 Flugstunden zu verlängern.

Anpassungen bei F/A-18

Dafür müssen rund 80 mögliche Schwachstellen an der Struktur der Maschinen untersucht und bei Bedarf verstärkt werden. Gewisse Komponenten müssen ersetzt oder angepasst werden, darunter die Radarlenkwaffen oder das Kommunikationssystem. Zudem sollen die die F/A-18 erdkampffähig gemacht werden.

Die Kosten dafür betragen 490 Millionen Franken. Den entsprechenden Kredit will Parmelin dem Parlament bereits im nächsten Jahr vorlegen.

Zahnlose Tiger

Auch ein Teil der Tiger-Flotte soll länger im Einsatz bleiben. Ursprünglich wollte der Bundesrat die veralteten Kampfjets schon dieses Jahr aus dem Verkehr ziehen. Nach dem Nein zum Gripen leistete das Parlament Widerstand gegen die Ausserdienststellung.

Mit ihrer Ausrüstung und Bewaffnung taugen die Kampfjets nur noch sehr beschränkt für den Luftpolizeidienst. 26 Maschinen sollen daher vorwiegend als «Service-Flugzeuge» verwendet werden, zum Beispiel zur Zieldarstellung, als Aggressor im Luftkampftraining oder auch für Messflüge. Die Kosten für den Weiterbetrieb schätzt die Expertengruppe auf 30 Millionen Franken.

Neuer Kampfjet trotzdem nötig

Den Bedarf nach einem neuen Kampfflugzeug hat die Expertengruppe nicht infrage gestellt. Drohnen, Helikopter oder Fliegerabwehrraketen sind ihrer Ansicht nach keine Alternativen, weil diese nicht für den Luftpolizeidienst eingesetzt werden können.

Die Expertengruppe empfiehlt deswegen die Bereitstellung eines Kredits über 10 Millionen für die Beschaffungsvorbereitung des neuen Kampfflugzeugs.

Der Umfang der Evaluation ist gemäss dem Bericht noch offen. Möglich ist, dass das Verfahren auf jene Flugzeuge beschränkt wird, die schon beim letzten Anlauf im Rennen waren, also Gripen, Eurofighter und Rafale. Damit wäre es möglich, nur die in der Zwischenzeit vorgenommenen Änderungen zu prüfen, wie die Expertengruppe schreibt.

Noch kleiner wäre der Aufwand, wenn nur einer der drei bekannten Typen ins Rennen geschickt würde. Falls die Luftwaffe andere Flugzeuge ins Auge fasst, ist eine umfangreiche Evaluation mit Testflügen in der Schweiz nötig. Zu möglichen Typen oder der Anzahl neuer Kampfjets äussert sich die Expertengruppe in dem Bericht nicht.

Unabhängig vom Umfang der Evaluation sieht der Zeitplan vor, die Typenwahl 2020 zu treffen und dem Parlament 2022 die nötigen Mittel für den Flugzeugkauf zu beantragen. Die neuen Jets sollen zwischen 2025 und 2030 eingeführt werden.

Kritik an VBS-Plänen

Voreilig, ohne Plan B, am Volk vorbei: Die Kritik von Armeegegnern zu den bundesrätlichen Plänen für einen Kampfjet-Kauf ist harsch. Lesen Sie hier mehr dazu.

Keine wichtigen News verpassen

Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten per Browser-Push-Mitteilungen.

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren.

27 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von E. Waeden (E. W.)
    Lieber selber schützen, als sich von einer NATO beschützen lassen müssen. Trump jetzt Präsident der USA fordert die NATO ihre Mitglieder dazu auf aufzurüsten & hier fordern Armeegegener eine Abrüstung. Gut, diese sehen sich ja auch in der EU & NATO, blenden dabei aber aus, dass sich dann die Schweiz auf bei Auslandeinsätzen engagieren müsste. Aber eben, die Dienstverweigerer tangiert das dann ja auch nicht.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Thomas Steiner (Tom Stone)
    Bin ja kein Aviatik Experte, aber...Einen Flieger evaluieren, den man vor 6 Jahren schon auf dem Wunschzettel hatte, um ihn in 14 Jahren einzuführen? Wie lange soll der dann halten? Der neue Flieger ist dann schon 20 jährig. Natürlich nicht erbaut, logisch, aber von der Idee her. Und 10 Mio zum Überlegen, wie weiter? Aber in der Schweiz ist Korruption ja kein Thema.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von E. Waeden (E. W.)
    Jeder Mensch mit Grips investiert heute in Sicherheit. Dabei fängt Mensch schon bei seinen Fenstern & Türen an. Man trifft Vorsorge für Eventualitäten, welche auch uns treffen könnten. Devise ist: Abhalten & Abschrecken. Genauso verhält es sich mit der Vorsorge zur Sicherheit & Unabhängigkeit unseres Landes. Dazu gehören auch Kampfjets. Wer da sparen will, spart am falschen Ort.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Niklaus Bächler (SVP-Hinterfrager)
      Völlig falscher Ansatz! Unsere Luftwaffe ist so etwas von unnötig, aber dies werden sie auch mal noch erkennen.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    2. Antwort von Thomas Leu (tleu)
      @ Niklaus Bächler: Worauf beruht Ihre Expertise? Wir wären das erste Land in Europa (Zwergstaaten ausgenommen), das ohne Luftwaffe dastünde. Aber vielleicht sind wir Schweizer ja so clever und alle anderen die jetzt aufrüsten so dumm, dass sie noch nicht gemerkt haben, dass es keine Luftwaffe braucht.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen