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Todesfälle während Pandemien Corona verursacht höchste Übersterblichkeit seit 1918

  • Die Schweiz hat im Jahr 2020 die höchste monatliche Übersterblichkeit aufgewiesen seit der Spanischen Grippe im Jahr 1918 – einschliesslich aller saisonalen Grippespitzen und Hitzewellen.
  • Die monatlichen Spitzenwerte haben 2020 fast die Werte vom Januar 1890 erreicht, als die Russische Grippe ihren Höhepunkt verzeichnete, wie aus einer noch nicht begutachteten Studie von Forschenden der Uni Zürich und Bern hervorgeht.
  • Während die Russische Grippe grassierte, ergriffen die Behörden hierzulande kaum Massnahmen, um die Ausbreitung einzudämmen.
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Die Bedeutung der Übersterblichkeit
05:25 min, aus Echo der Zeit vom 22.12.2020.
abspielen. Laufzeit 05:25 Minuten.

Die Forschenden um den Historiker Kaspar Staub von der Universität Zürich und den Epidemiologen Marcel Zwahlen von der Universität Bern haben in Zusammenarbeit mit dem Bundesamt für Statistik BFS über 140 Jahre zurückgeblickt: Sie verglichen monatsweise und aufgeschlüsselt nach Altersstruktur die tatsächlichen mit den erwarteten Todesfällen, die sich aus der Entwicklung der jeweils fünf vorangegangenen Jahre ergaben.

Übersterblichkeit: BFS liefert Daten seit 1974

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Mit Todeszahlen allein lässt sich die Schwere von Pandemien kaum vergleichen. Denn: Früher waren etwa die Bevölkerungszahlen und die Lebenserwartung tiefer. Deshalb greifen Statistiker, Epidemiologinnen und Historiker auf die Übersterblichkeit zurück. Das Bundesamt für Statistik (BFS) berechnet diesen Indikator seit dem Jahr 1974.

Das Resultat: Gemäss den Berechnungen lag die Übersterblichkeit 1890 übers ganze Jahr gesehen bei 6 Prozent, 1918 bei 49 Prozent, im 2020 bei 14 Prozent.

Corona-Pandemie hat «historische Dimension»

Für ihre Studie haben die Forschenden auch für Spanien und Schweden die Übersterblichkeit der mindestens letzten 100 Jahre ermittelt. In dieser Zeit wurde Europa nicht nur von der Corona-Pandemie und der Spanischen Grippe heimgesucht, sondern auch von der Asiatischen Grippe (1957), der Hongkong-Grippe (1968), der Chinesisch-Russischen Grippe (1977) und der Schweinegrippe (2009).

Wie es zur Auswahl der Länder kam

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Die Forschenden haben sich bei der Auswahl der Länder auf die Schweiz, Spanien und Schweden konzentriert, da sich die Übersterblichkeit dort zuverlässig berechnen liess. Denn nicht nur waren Daten lückenlos vorhanden, sondern die Länder waren während der Weltkriege auch nicht in Kampfhandlungen verstrickt und die Landesgrenzen hatten sich nicht verändert.

Demnach wiesen auch Spanien und Schweden im Jahr 2020 die höchste Übersterblichkeit seit der Spanischen Grippe auf, wobei die Jahre des spanischen Bürgerkriegs (1936-1939) nicht berücksichtigt wurden. «Die Ergebnisse verdeutlichen die historische Dimension der Corona-Pandemie», sagte der Historiker Staub im Gespräch mit der Nachrichtenagentur Keystone-SDA.

Übersterblichkeit in verschiedenen Altersgruppen

Während die Pandemien der Jahre 1890 und 1957 alle Altersgruppen relativ gleichmässig betrafen, waren es während der Spanischen Grippe insbesondere junge Menschen – vor allem junge Männer – die verstarben.

Corona hat vor allem eine Übersterblichkeit bei älteren Menschen verursacht. In der Schweiz starben gemäss Zahlen des BFS nach dem Abklingen der zweiten Welle im Jahr 2021 weniger ältere Menschen als zu erwarten gewesen wäre.

Das könnte unter anderen daran gelegen haben, dass das Leben von manchen Covid-19-Toten nur um wenige Wochen oder Monate verkürzt wurde. Doch Letztere machten kaum mehr als ein Fünftel aus, vermutet Epidemiologe Zwahlen. «Diese nur um kurze Zeit vorgeschobenen Todesfälle erklären das Geschehen nicht.»

Tatsächlich bewegt sich die Kurve der Todesfälle seit Monaten wieder im Bereich des statistisch zu erwartenden Werts – wenn auch an der unteren Grenze.

Studie ist als Zwischenbewertung zu betrachten

Der Zürcher Historiker Staub weist darauf hin, dass die Studie nur als Zwischenbewertung angesehen werden könne. Noch sei die Pandemie nicht vorbei. Beispielsweise sei eine sogenannte «Echo-Welle» möglich, wie sie in den Jahren der Russischen Grippe sowie besonders ausgeprägt im Jahr 1920 nach dem Höhepunkt der Spanischen Grippe beobachtet werden konnte.

Zudem sei die Übersterblichkeit nur eine wichtige Kennzahl, um das Ausmass von Pandemien abzuschätzen, so Staub. Wichtig seien etwa auch die wirtschaftlichen, psychischen und andere gesundheitliche Folgen, wie etwa Long Covid.

SRF 4 News, 18.08.2021, 15:30 Uhr;

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47 Kommentare

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  • Kommentar von Bruno Hochuli  (Bruno Hochuli)
    Wenn die Schweizer Kantone und die Bevölkerung nicht endlich am selben Strick ziehen,werden wir noch viel mehr Leid erfahren. Egoismus und Verweigerung weil man irgend etwas negatives gehört hat, sollte langsam aufhören. Die Impfung schützt viel mehr Menschen vor schweren Krankheitverläufen als ohne Impfung. Es gibt immer ausnahmen, aber im Gesammten betrachtet wenige.
  • Kommentar von Hermann Roth  (Dr. Wissenschaftler)
    "Seit dem 27.01.2021 sind es 782 vollständig geimpfte Fälle, wobei von diesen 122 einer Hospitalisation bedurften und 23 verstarben. Von 6015 der gemeldeten Hospitalisationen und 808 der Todesfälle liegt die Information zum Impfstatus vor." (Quelle: Wochenbericht 32 BAG, S. 16). Von total 6015 Hospitalisationen liegt der Impfstatus vor. 122 davon waren vollständig geimpft. Das heisst 2% aller Hospitalisierten sind vollständig geimpft bzw. 98% aller Hospitalisierten sind ungeimpft.
  • Kommentar von Thomas Bünzli  (Tumasch)
    Eine Studie der Universität Zürich, welche publiziert wird, muss hohen Anforderungen und Standards genügen - für mich daher sehr erheiternd, wenn nun selbst ernannte Experten hier in den Kommentarspalten ( mit notabene allermeistens wenig bis Null Erfahrung in der Epidemiologie, der Forschung und der Stastistik! ) diese Statistik kritisieren - mit welchem fachlichen Background? Oder einfach mal wieder die übliche Selbstüberschätzung?
    1. Antwort von Markus Baumann  (pierrotlunaire)
      @Bünzli Auch Laien dürfen und sollten Fragen stellen, wenn ihnen beim Lesen einer SRF-Meldung über die Resultate einer noch nicht abschliessend begutachteten Studie Fragwürdiges auffällt. Dumm ist und bleibt nur derjenige, der sich nicht getraut zu fragen.
    2. Antwort von Peter Zurbuchen  (drpesche)
      Natürlich sollten auch Laien Fragen stellen, Herr Baumann, aber Sie stellen in Ihren Kommentaren Behauptungen und Vermutungen auf, wie "Vormals Krebstote galten im 2020 als Covid-Tote." oder "Die Todesursache können Sie nur mit einer Obduktion feststellen. Wie viele der bis heute als Corona-Toten Gemeldeten wurden obduziert? Ich vermute keine 10%.".
      Wenn Sie Fragen haben, dann stellen Sie Fragen.
    3. Antwort von Thomas Bünzli  (Tumasch)
      Herr Baumann, Fragen stellen soll und darf man immer - allerdings sollte dann echtes Interesse bestehen und Unklarheiten sollen so geklärt werden. Wenn ich hingegen Ihre bisherigen Kommentare lese und Sie dann noch schreiben, dass die Studie " Fragwürdiges " enthalte, frage ich mich schon, was Sie für fachliche Qualifikationen mitbringen.
    4. Antwort von Nora Zollberger  (norzo)
      @Bünzli 6:07: Ich kann Sie ja so gut verstehen. Ich frage mich manchmal auch, z.B. ob es die Realität überhaupt gibt. Oder ob evtl. alles nur ein Traum ist. Vielleicht ist mein Traum die einzige Realität? Sehr interessant, wirklich. Ich denke noch weiter drüber nach. Evtl. ist die Antwort auf alle Fragen wirklich 42.
    5. Antwort von Nora Zollberger  (norzo)
      @Bünzli 6:07: Ohje, bitte nicht missverstehen, mein Kommentar von eben war nicht an Sie gerichtet, sondern an all diejenigen, die Sie selber ebenfalls ansprechen. Bin voll bei Ihnen.