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Tonnenweise Abfall Neue Rezepte gegen Foodwaste

Weniger Beilagen und kleinere Desserts: Wie das Kantonsspital Luzern seine Essensabfälle reduzieren will.

Legende: Video Kantonsspital Luzern kämpft gegen Foodwaste abspielen. Laufzeit 04:23 Minuten.
Aus 10vor10 vom 29.09.2017.

25 Tonnen Essensabfälle produziert das Kantonsspital Luzern pro Monat. Fabian Gut, Qualitätsmanager in der Gastronomieabteilung des Spitals, war sich deshalb bewusst, dass die Medienberichte über die Verschwendung von Lebensmitteln nicht aus der Luft gegriffen sind:

«Das sahen wir ja tagtäglich im Spitaloffice. Kübelweise wurden hier Essensabfälle fortgeschmissen. Das tat mir immer weh.» Seinem Chef ging es ähnlich und so entschieden sich die beiden, gegen diesen Zustand aktiv etwas zu unternehmen. Sie zogen den Foodwaste-Experten Moritz Müllener bei und entschlossen sich, ihre Spital-Essensabfälle zu analysieren.

Patienten und Spitalküche sind die grössten «Sünder»

Das Resultat überraschte dann alle. Während das Spitalpersonal seinen Teller praktisch ganz aufisst, produzieren die Patienten den grössten Teil von Foodwaste. Trotz individueller Menübestellung, landen tonnenweise Lebensmittel im Abfall, zudem werden Milchkaffees, Suppen sowie Desserts sehr oft verschmäht.

Weniger auf dem Teller – auf Wunsch eine Zusatzportion

Darauf reagiert hat die Spitalleitung nun mit neuen Rezepten und kleineren Portionen. Zum Frühstück gibt es standardmässig weniger Jogurt, Käse, Brot und Milchkaffee. Hungrige können aber jederzeit grössere Portionen bestellen.

Ebenso sind mittags und abends weniger Beilagen und ein kleineres Dessert auf dem Tablett. «Es ist nicht einfach: bei uns soll natürlich einerseits kein einziger Gast hungern, andererseits aber klar weniger Lebensmittelabfälle anfallen», meint Fabian Gut. Patienten beurteilen die angepasste Menuliste bis jetzt positiv und begrüssen, dass die Spitalleitung hier aktiv geworden ist.

Auch in der Küche braucht’s eine neue Philosophie

Fabian Gut hat aber noch eine weitere Schwierigkeit: Die Spitalküche selber produziert ähnlich viel Foodwaste wie die Patienten: «Einem Koch zu sagen, er solle eher zu wenig als zu viel zu kochen, ist ein schwieriges Unterfangen.» Doch genau damit könne man Lebensmittelabfälle verhindern.

Die Luzerner Küchenbelegschaft hat sich dabei ein hohes Ziel gesetzt: Mit den umgesetzten Massnahmen möchte man einen Drittel der monatlich anfallenden 25 Tonnen Foodwaste eliminieren. Ein grosses Ziel, das im kommenden März mit einer neuen Analyse untersucht werden wird.

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14 Kommentare

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  • Kommentar von HANS KUEFFER (Hans)
    Für die Wegwerfmenüs bezahlt der Patient täglich CHF 10.-
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  • Kommentar von Asher Meng (Ashi)
    Gute Idee. Überall umsetzen bitte. Beispiel Brienzer Rothorn Bahn Restaurants. Den vielen asiatischen Gästen wird jedem gemischten Salat serviert. 100 % kommt in die Küche zurück, wegen anderen Lebensgew ohnheiten. Danke. Bin gerade im Spital in Israel. Super Beispiel. Hier werden kleinere Portionen serviert und dafür immer kleine Yoghurts Creme und Nachspeise. Schmeckt gut und Verdauung klappt auch besser. Essen ist sehr gut.
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  • Kommentar von Tom Duran (Tom Duran)
    Jetzt haben die überteuerten Gastgeber noch einen Grund ihre sauteuren Menüs auf Zwergengrösse zu minimieren. Mich haut es schier um, wenn ich 25.- für ein Menü hinlege, aber eigentlich nur eine Vorspeise erhalte. Ich esse immer mehr in Deutschland und kaufe auch dort ein. Grund: freundlicher, grössere Portionen, besserer Geschmack und einfach mehr fürs Geld. Bye bye schweizer Wirtschaft, richtet euch noch selber zu Grunde. Und wenn nicht, sorgen übereifrige Politiker dafür!
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    1. Antwort von E. Waeden (E. W.)
      Wieviele Tonnen an Lebensmitteln landen in Deutschland im Abfall? Auf alle Fälle sind es sehr viele. Zu viele! Und auch in D. werden in Gourmet-Küchen nur kleine Portionen serviert. Wer grosse Portionen mag, geht in die Beiz. Ist bei uns nicht anders, als in D auch. Aber Lebensmittelverschwendung ist eine Schande. Und etwas dagegen zu tun ist nur positiv. Statt Essen weg zu werfen, könnte man es Obdachlosen geben. Diese gibt es hier & in D. immer mehr.
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    2. Antwort von Nicolas Dudle (Nicolas Dudle)
      Der Patient hat immer noch die Wahlmöglichkeit, sich grössere Portionen servieren zu lassen. - Bei meinen diversen Spitalaufenthalten hatte ich bislang eher Probleme, kleinere Portionen zu bekommen. In den Privatspitälern klappte es meist ab dem dritten Tag, dass keine Suppen, Salate und Desserts mehr auf dem Tablett erschienen. In den Kantonsspitälern fiel dieser Wunsch regelmässig auf unfruchtbaren Boden.
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    3. Antwort von Theresia Weber (Resi)
      Bye bye Tom Duran! Sie werden wohl in kurzer Zeit Ihre Sachen packen und nach Deutschland ziehen. Wunsche Ihnen alles Gute.
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