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«Wir wollen aufrütteln.»
Aus Regionaljournal Bern Freiburg Wallis vom 01.09.2021.
abspielen. Laufzeit 09:42 Minuten.
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Toxische Männlichkeit Kulturschaffende kämpfen gegen Männerdominanz im Oberwallis

Ein junger Regisseur will mit einem provokanten Theaterstück die Diskussion um Geschlechterrollen aufs Tapet bringen.

Anspielungen auf Walliser Politiker, derbe Sprache und die Darstellung von Gewalt. Er wolle mit dem Stück aufrütteln, sagt der Walliser Regisseur Johannes R. Millius.

Das Stück «Man erntet was man sät» spielt in der Originalversion in Schweden. Der 31-jährige Regisseur hat es ans Wallis adaptiert und führt es im Kellertheater Brig auf. Das Originalstück nimmt Bezug auf diverse schwedische Persönlichkeiten und Politiker. Johannes R. Millius hat in der Vorbereitung nach Parallelen im Wallis gesucht. Zum Beispiel gibt es eine Anspielung auf das uneheliche Kind von Staatsrat Christophe Darbellay. «Im schwedischen Original ist die Rede von einem Politiker, der jahrelang ein Doppelleben mit einer zweiten Familie lebte. Da waren die Parallelen ins Wallis schnell klar», so Millius.

Das Wallis hat einen guten Nährboden für patriarchale Systeme.
Autor: Johannes R. Millius Theaterregisseur

Parallelen im Wallis zu finden, das sei erstaunlich einfach gewesen. «Es gibt wohl gewisse Vorgänge in der Politik und Gesellschaft, die so auf der ganzen Welt passieren.»

«Das Wallis hat einen guten Nährboden für patriarchale Systeme», sagt Johannes R. Millius und fügt an: «Ich denke aber, das Problem der toxischen Männlichkeit ist nicht geografisch eingeschränkt.»

Kantonsregierung ohne Frau

Ursula Stüdi, wissenschaftliche Mitarbeiterin beim kantonalen Amt für Gleichstellung und Familie, sagt, es gebe durchaus patriarchalen Strukturen im Oberwallis. «In den meisten Geschäftsleitungen sind Männer und diese ziehen gleichgesinnte nach.» Die Mentalität, dass Männer besser Verantwortung übernehmen können, sei weit verbreitet. «Ich bezweifle aber, dass dies ein Oberwalliser Problem ist. Für mich ist das eine Stadt-Land-Thematik. Und das Oberwallis ist halt sehr ländlich geprägt.»

Legende: Seit dem 1. Mai 2021 ist die Walliser Kantonsregierung ausschliesslich männlich. Kanton Wallis

Ein Blick auf die letzten Wahlen im Oberwallis zeigt, die grossen Mandate werden den Frauen nicht zugetraut. Bei den 63 Gemeinden im Oberwallis gibt es gerade einmal sechs Frauen im Amt des Gemeindepräsidiums. Und in der Walliser Kantonsregierung ist seit den letzten Wahlen keine Frau mehr vertreten.

Etwas besser sieht die Geschlechterverteilung im Kantonsparlament aus. Von den Oberwalliser Sitzen sind immerhin 21 Prozent von Frauen besetzt. Bei den Suppleantinnen (Ersatzpersonen) sind es gar rund 52 Prozent. Man müsse das positiv sehen, sagt Ursula Stüdi. Der Frauenanteil im Parlament zeige, dass eine Entwicklung im Gange sei. «Bei den höheren Ämtern gibt es aber durchaus viel Nachholbedarf.»

Bei den höheren Ämtern gibt es viel Nachholbedarf.
Autor: Ursula Stüdi Kantonales Amt für Gleichstellung und Familie

Sie sei zum Beispiel überrascht gewesen, dass es nach den Staatsratswahlen im Frühjahr keinen Aufschrei gab, so Stüdi. «Das wurde einfach so hingenommen, dass jetzt keine Frau mehr in der Regierung sitzt.»

Lonza machte Druck

2014 hatte eine Studie gezeigt, dass im Oberwallis 40 Prozent der Frauen mit Kindern nicht berufstätig sind. Das sind deutlich mehr als im schweizerischen Durchschnitt. Seither gab es keine ähnliche Untersuchung mehr. Ursula Stüdi vom kantonalen Amt für Gleichstellung und Familie ist aber überzeugt, dass sich die Zahlen langsam verbessern. «An vielen Orten gibt es nun familienergänzende Betreuungsangebote.» Das habe auch mit der grössten Oberwalliser Arbeitgeberin, der Lonza, zu tun. «Lonza expandiert und macht Druck bei den Gemeinden, dass diese entsprechende Betreuungsangebote anbieten.»

SRF 1, Regionaljournal Bern Freiburg Wallis, 01.09.2021, 17:30 Uhr;

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