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Trendwende bei Dublin-Abkommen Erstmals mehr Rücknahmen als Ausweisungen

Legende: Audio Dublin-Abkommen: Trendwende zeichnet sich ab abspielen. Laufzeit 01:49 Minuten.
01:49 min, aus HeuteMorgen vom 21.11.2018.

Das Dublin-Asylabkommen macht es möglich: Die Schweiz kann Asylsuchende in andere europäische Staaten zurückführen, wenn sich die Asylsuchenden nachweislich zuvor im betreffenden Land aufgehalten haben.

Umgekehrt können europäische Staaten auf diesem Weg auch Asylsuchende in die Schweiz zurückschicken. Zehn Jahre lang ging es vor allem in eine Richtung: Die Schweiz konnte deutlich mehr Menschen ins Ausland überstellen, als sie selbst übernehmen musste.

Die langjährige Bilanz im Detail

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  • Blickt man über die letzten zehn Jahre, so ist die Schweizer Dublin-Bilanz deutlich positiv.
  • Die Schweiz konnte laut den Zahlen des Staatssekretariats für Migration fast fünfmal mehr Asylsuchende ins Ausland zurücküberstellen, als sie selbst übernehmen musste.
  • Konkret überstellten europäische Staaten in der Zeit von Januar 2009 bis Oktober 2018 insgesamt 14'417 Menschen in die Schweiz. Demgegenüber konnte die Schweiz in derselben Zeit 69'035 Menschen ins europäische Ausland überstellen.

Seit mehreren Monaten aber kündigt sich eine Trendwende an: Insbesondere Frankreich und Deutschland führen immer mehr Asylsuchende in die Schweiz zurück. Erstmals muss die Schweiz nun mehr Menschen wegen Dublin zurück übernehmen als umgekehrt. «Es ist tatsächlich so, dass es der erste Monat ist, in dem wir mehr Zustimmungen für Einreisen als für Ausreisen haben», bestätigt Daniel Bach vom Staatssekretariat für Migration SEM.

Legende:
Die Dublin-Bilanz der letzten zwölf Monate Staatssekretariat für Migration SEM

Die Zahlen für Oktober liegen nahe beieinander, dennoch bedeuten sie eine Trendwende: Knapp 300 Menschen kann die Schweiz in einen anderen Dublin-Staat zurückschicken, 330 muss sie vom Ausland übernehmen. Jahrelang hatte die Schweiz deutlich von Dublin profitiert, nun führt das Abkommen erstmals zu höheren statt tieferen Asylzahlen.

Deutschland ist aktiver geworden

Die Trendwende habe viel mit den Entwicklungen in Deutschland zu tun. «Es hat vor allem damit zu tun, dass in Deutschland die Zahlen der Asylgesuche zurückgegangen sind und dass Deutschland viel besser in der Lage ist, Gesuche schnell zu behandeln», so die Einschätzung von Bach. Dementsprechend stelle Deutschland nun mehr Dublin-Gesuche an die Schweiz.

Nach turbulenten Jahren mit hohen Asylzahlen haben die deutschen Behörden nun wieder mehr Zeit, um überhaupt Dublin-Gesuche an die Schweiz zu richten. Die Schweiz umgekehrt stellt weniger Dublin-Gesuche ans Ausland, weil hierzulande weniger Menschen um Asyl bitten als vor zwei oder drei Jahren. Beide Entwicklungen haben zu dieser Trendwende geführt.

Asylzahlen kaum voraussehbar

Ob das so bleibt und ob das Abkommen von nun an für längere Zeit die Asylzahlen erhöht statt wie bisher deutlich senkt, darüber wollen die Schweizer Behörden nicht spekulieren. Welche Routen Migrantinnen und Migranten künftig wählten, wie viele es nach Europa schafften und welche Zielländer am begehrtesten seien – all das spiele eine Rolle. Vorhersehen lasse sich dies nicht.

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54 Kommentare

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  • Kommentar von Christophe Bühler ((Bühli))
    Ich glaube kaum, dass 330 betroffenen Personen alle über den Flughafen und nicht über die angrenzenden Schengen/Dublin Staaten eingereist sind. Da seit 2015 Schengen/Dublin von Frau Merkel de facto ohne Zustimmung der Schweiz mit den Füssen getreten wurde, bestünde bei konsequenter Haltung der Schweiz, somit vermutlich gar keine Rücknahmepflicht aus Deutschland.
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  • Kommentar von Thomas Leu (tleu)
    Solche Nachbarn wie Deutschland liebt man! Erst ein freundliches Gesicht zeigen und alle Flüchtlinge willkommen heissen; danach durch die Hintertüre wieder in die Nachbarländer abschieben.
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  • Kommentar von Jean-Philippe Ducrey (Jean-Philippe Ducrey)
    Derweil sich eigentlich jeder fragt, wie es laut Dublin sein kann, dass Flüchtlinge aus Afrika, die in Italien an Land gegangen sind, in der Schweiz Asyl erhalten. Ganz einfach: Die Italiener weigern sich, diese Flüchtlinge zu registrieren und lassen sie ungehindert an die Schweizer Grenze weiterreisen, wo man dann dumm genug ist, diese zu registrieren. Man könnte sie auch ohne Registrierung nach Deutschland weiterreisen lassen, wo sie ja laut Kanzlerin "willkommen" sind....
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    1. Antwort von Jürg Brauchli (Rondra)
      Mittlerweile registrieren die Deutschen diese eben auch nicht mehr, sonder schicken sie in jene Länder zurück, aus denen sie nach DE eingereist sind. Also auch nach CH. Und wenn wir das selbe machen würden, müssten die Meisten nach IT zurück. Aber eben...
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