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Bisher keine Zunahme von häuslicher Gewalt
Aus HeuteMorgen vom 16.04.2020.
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Trotz Corona-Isolation Meldungen zu häuslicher Gewalt haben nicht zugenommen

Anders als in Frankreich sind in der Schweiz die Schreckensszenarien nicht eingetreten. Aber die Frauenhäuser erwarten, dass der Anstieg erst noch komme.

Seit der Einführung der Ausgangssperre haben bei der Polizei in Frankreich die Anrufe wegen häuslicher Gewalt um 30 Prozent zugenommen. Ähnliche Schreckensszenarien wurden auch in der Schweiz erwartet. Nun aber gaben verschiedene Polizeikorps Entwarnung. Sie müssen nicht öfter als in normalen Zeiten wegen häuslicher Gewalt ausrücken. Auch die Frauenhäuser melden keine ungewöhnliche Zunahme der Gefährdungsmeldungen.

Anstieg könnte noch kommen

Das sei zunächst mal eine gute Nachricht, sagt Katja Niemeyer, Geschäftsführerin des Frauenhauses Winterthur. Aber die Erfahrung zeige, der Anstieg komme noch. «Das ist etwas, das wir beispielsweise gerade über die Feiertage oder in Ferienzeiten öfter beobachten», erklärt Niemeyer. «Die Anrufe kommen dann meistens nach den Feiertagen oder den Ferien. Das heisst, wenn der Gefährder nicht mehr zu Hause ist und das Opfer überhaupt die Möglichkeit hat, Hilfe zu holen.»

Diese Einschätzung teilt Marlies Haller. Sie ist Geschäftsführerin der Stiftung gegen Gewalt an Frauen und Kindern, die das Frauenhaus in Bern und Thun führt. Wenn alle zu Hause bleiben müssen – also Täter und Opfer – sei ein Hilferuf häufig gar nicht möglich.

Viele Frauen sagten, sie könnten nur zu bestimmten Zeiten telefonieren – wenn der Mann nicht zu Hause sei. «Jetzt ist er wahrscheinlich rund um die Uhr zu Hause», betont Haller. Keine Zunahme der Meldungen heisse also noch nicht, dass es keine Zunahme der Fälle gebe.

Frauenhäuser bereiten sich vor

Eine andere Erklärung für den vorläufig positiven Trend könnte aber auch die vergleichsweise sanfte Form der Ausgangsbeschränkungen sein, so Haller. Im Gegensatz zu Frankreich oder Italien dürfe man in der Schweiz ja noch nach draussen. Das könne brenzlige Situationen entschärfen.

«Es kann sein, dass die Stressfaktoren durch die Massnahmen etwas geringer ausfallen als in diesen Ländern, wo niemand mehr raus darf», so Haller weiter. Wie lange die verhältnismässig gute Situation anhalte, müsse sich aber noch zeigen. Die Frauenhäuser jedenfalls bereiten sich trotzdem auf viel Arbeit vor.

SRF 4 News, Heute Morgen, 16. April 2020, 06:00 Uhr

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12 Kommentare

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  • Kommentar von Dieter Strub  (STR)
    Der vierte Artikel zu diesem Thema innert drei Wochen. Immer schön auf Vorrat jammern. Wenn lang genug darüber Berichtet wird kann man äh frau sich das auch herbeireden. Und immer schön Gendergerecht. Wir Männer sind schon das letzte was es gibt auf der Welt.
  • Kommentar von Roman Kellermeister  (rkellermeister)
    Ist es nicht schon öfters vorgekommen, dass die Armadas von Psychologen, Pädagogen, Therapeuten und viele für anderen Denkende in unserer Gesellschaft sofort wissen, wo welche Probleme sind? Woher sie kommen wird fast täglich thematisiert: immer von der Präsenz der Männer. Schon der Schule stören die Jungs und nun die Männer zu Hause. Einfaches Muster. Wo „männliches“, dort Probleme und Gewalt. Männer können aber familienfreundlicher sein, als Frauen auf Suche nach Bestätigung nebst Mutter sein.
    1. Antwort von Urs Fries  (Stickel)
      Und dann gibt es noch die PolitikerInnen, die sich mit diesem Voraus-Alarmismus aufplustern, Ängste schüren und damit weibliche Stimmen fangen wollen wie die Zürcher SP-Regierungsrätin Fehr.
  • Kommentar von Peter Müller  (PeRoMu)
    'Meldungen zu häuslicher Gewalt haben nicht zugenommen', lese ich - und denke mir: Typisch! Da wurde - um den Lockdown schlecht zu reden - mal wieder ein Sturm im Wasserglas produziert. Und mir geht durch den Kopf, ob wohl wirklich alle, die in Zusammenhang mit dem Lockdown den Teufel an die Wand gemalt haben und weiterhin malen, die Karten auf den Tisch gelegt haben oder - weil die Aussicht auf staatliche Hilfe bestand und besteht - mal einfach drauflos gejammert wurde.