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Überfälliger Heuet Wetterfrust bei den Heubauern

Die derzeitige Wetterlage mit täglichen Gewittern ist für die Bauern ein Alptraum: Wie bloss soll so das Heu eingebracht werden?

Legende: Audio Schwierige Heusaison wegen Tagesgangwetter abspielen. Laufzeit 03:33 Minuten.
03:33 min, aus Rendez-vous vom 06.06.2018.

Am Mittag eitel Sonnenschein, später am Tag Gewitter. So präsentiert sich das Wetter seit zwei Wochen. Dieses Tagesgangwetter bringt die Bauern in die Bredouille: Eigentlich wäre jetzt Heusaison. Doch bei dem instabilen Wetter ist ans Mähen nicht zu denken.

Regen und Hagel setzen dem Gras zu

Sorgen macht sich etwa Bauer Hanspeter Bigler. Sein Hof im bernischen Mamishaus bei Schwarzenburg liegt auf 800 Metern Höhe. Mit Mähen muss er vorerst noch zuwarten. Er studiere jeden Tag die Wettersituation. Mehr kann er derzeit nicht tun.

Kommt hinzu, dass der Hagel bei einem Teil von Biglers Wiesen deutliche Spuren hinterlassen hat. «Wegen des Hagels nimmt die Qualität des Grases jetzt stetig ab – bis es schlecht wird», erläutert er die Situation.

Bauer mit Heugabel an einem Hang, dahinter strahlend blauer Himmel.
Legende: Davon träumen die Bauern zurzeit: Stabile Hochdrucklage, die das Heuen erlauben würde. Imago

Die Bauern können nur warten

Auch für Bauernkollege Hans Jörg Rüeggsegger aus Riggisberg ist das instabile Wetter ein Problem. Im März habe man noch geglaubt, in diesem Jahr erst spät ernten zu können. «Dann kam dieser wunderbare Frühling mit warmem Wetter und genügend Niederschlägen», sagt er.

Doch jetzt werde die Heuernte durch das Wetter verzögert «Die Natur zeigt uns wieder einmal, wer Herr ist in diesem Land», so das Fazit des Präsidenten des Berner Bauernverbands. Auch ihm bleibt nichts anderes übrig als abzuwarten.

Mehr Aufwand und Kosten für die Bauern

Mindestens drei heisse Tage bräuchten die Heubauern um die Wiesen zu mähen und das Gras zu trocknen. So stabiles Wetter ist aber vorerst nicht in Sicht. Das Gras bleibt also stehen und das wiederum habe Auswirkungen auf die Heuqualität, sagt Bauer Bigler aus Mamishaus.

Ohne qualitativ gutes Heu entstünden hohe Kosten für die Bauern: «Die Mäherei wird viel aufwendiger, man muss für den Winter Ausgleichsfutter kaufen, vielleicht kommen noch Tierarztkosten hinzu, wenn die Kühe nicht trächtig werden», erläutert Bigler. Viel hängt für die Viehbauern also von gutem Heu ab.

Bauer im Traktor beim Heuwenden.
Legende: Damit das geschnittene Gras zu Heu abtrocknen kann, braucht es mindestens drei heisse Sonnentage. Keystone

Silobauern nicht betroffen

Betroffen vom launigen Gewitterwetter sind vor allem die Heubauern: Das sind jene, die das Gras mähen und dann auf den Feldern trocknen lassen – im Gegensatz zu jenen Bauern, die das Gras nach dem Mähen in Silos transportieren, wo es fermentiert und so als Stallfutter haltbar gemacht wird.

Rund 10'000 Landwirte könne man in der Schweiz als Heubauern bezeichnen, sagt Hans Rüssli vom Schweizerischen Bauernverband. Sie seien dem Wetter ausgeliefert und könnten auch nicht auf das Silosystem ausweichen. Dies etwa, weil ihre Mlich-Abnehmer, beispielsweise Hartkäseproduzenten, explizit Heumilch verlangten.

Das ist meines Wissens noch gar nie vorgekommen.
Autor: Hans Rüssli vom Bauernverbandzum ungewohnten Tagesgangwetter im Mai und Juni

Mit reiner Heufütterung sei das Risiko für Fehlgärungen bei der Käseproduktion nämlich viel kleiner als wenn die Kühe mit Silage gefüttert worden seien, so Rüssli. «Ausserdem gibt es die Meinung, dass die Verfütterung von Heu an Rindvieh für dieses gesünder sei als Silofutter.»

Bauernregel soll sich nicht bewahrheiten

Rüssli sagt auch, es sei sehr aussergewöhnlich, dass das Tagesgangwetter derart früh im Jahr eingesetzt habe: «Das ist meines Wissens noch gar nie vorgekommen.» Normal ist solches Wetter bei uns vor allem im Hochsommer – wenn das Heu bereits eingefahren ist.

So hoffen die Heubauern jetzt, dass die nächste Woche stabileres Wetter bringt. Und manch einer sieht wohl auch mit unguten Gefühlen dem nächsten Freitag, 8. Juni, – dem Mäderlitag– entgegen. Für diesen gilt die Bauernregel: «Regnets am Mäderlitag, so regnet's 21 Tag.»

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3 Kommentare

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  • Kommentar von Pia Müller (PiMu)
    Ich möchte 1 Jahr erleben, wo die Bauern nicht jammern ! Zu nass - zu trocken - so ist es immer seit X-Jahren. Dieses Jahr haben wir nach dem kalten Winter ein fantastisches frühlings- und Vorsommer-Jahr. Bei uns im Rheintal kann man zusehen, wie die Felder täglich grüner werden und wachsen. Also endlich mal zufrieden und dankbar sein !!
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  • Kommentar von Yvette Nick (Lebenstreuhand)
    Vergesst nicht die vielen Heuschnupfengeplagten, die froh wären, wenn das blühende Gras endlich flächendeckend gemäht und eingebracht würde! Leider wird dies auch wegen der gültigen Subventionspolitik immer häufiger ausblühen gelassen. Gut für die Artenvielfahlt aber schlecht für die Volksgesundheit!
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  • Kommentar von Brigitte Kempf (???)
    Bei uns in Meiringen, wären wir froh, es würde endlich regnen. 2-3 Tage lang. Alles trocken, es wird langsam dürr, und das nächste Gras wächst nicht. Auch auf den Alpen, zu trocken.
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