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Eine neue Verordnung soll für weniger Lärm sorgen
Aus Echo der Zeit vom 22.08.2020.
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Übermässiger Strassenlärm Die neue Lärmschutzverordnung soll Bevölkerung dauerhaft schützen

Mehr als eine Million Menschen leiden unter zu lautem Strassenlärm. Sie sollen jetzt endlich geschützt werden.

«Die Autoposer und überlaute Motorräder nerven die Schweizer Bevölkerung». Das sagt Peter Ettler, pensionierter Rechtsanwalt und Mitglied der Lärmliga Schweiz. Das ist ein Verein, der gegen jeglichen Lärm kämpft und Betroffene berät.

Die gesundheitlichen Auswirkungen des Strassenverkehrs wirken viel breiter und sind einiges schlimmer, als jene von Flugzeugen oder Bahnlärm.
Autor: Peter EttlerMitglied Lärmliga Schweiz

Aber nicht nur Autoposer, die ihre Autos tunen, stören. Auch der ganz gewöhnliche Strassenlärm kann problematisch sein. Ein Vergleich: Von Flugzeug- und Bahnlärm sind etwa knapp 100'000 Menschen in der Schweiz übermässig betroffen. Vom Strassenlärm aber mehr als 1 Million. «Schon dieser Grössenunterschied zeigt, dass die gesundheitlichen Auswirkungen des Strassenverkehrs viel breiter wirken und einiges schlimmer sind, als jene von Flugzeugen oder Bahnlärm», sagt Ettler weiter.

Lärm kann krank machen und zum Tod führen

Lärm kann krank machen, kann schliesslich sogar zum Tod führen. Das hat eine Studie des Tropen- und Public Health Instituts in Basel gezeigt. Studienleiter Professor Martin Röösli sagt: «Lärm versetzt unseren Körper in Alarmstimmung. Und wenn diese Stressreaktion länger anhält, ist eine Belastung für unser Herzkreislaufsystem und das führt dazu, dass die entsprechenden Krankheiten bis hin zum Todesfall häufiger auftreten.»

So sterben, rein statistisch gesehen, durch Strassenlärm jedes Jahr 500 Menschen an Herzkreislauf-Krankheiten. Weitere erkranken dadurch an Diabetes.

Seit 2018 müssten die Massnahmen umgesetzt sein

In der Schweiz müsste eigentlich bereits die ganze Bevölkerung vor übermässigem Strassenlärm geschützt sein. Seit 1987 besteht dazu eine gesetzliche Pflicht. Bis 2018 hätte die öffentliche Hand die entsprechenden Lärmschutzmassnahmen umsetzen müssen – aber viele Gemeinden und Kantone erreichten die Vorgabe nicht.

Deshalb verlängerte der Bund die Frist bis 2022. Mit der Revision der Lärmschutzverordnung soll es nun gar keine Fristen mehr geben. Das würde es dem Bund ermöglichen, Lärmschutzmassnahmen der Gemeinden und der Kantone dauerhaft finanziell zu unterstützen.

Die Erfahrung zeige, dass das nütze, sagt Sophie Höhn. Sie leitet beim Bundesamt für Umwelt die Sektion Strassenlärm: Seit 2008 stünden finanzielle Mittel für entsprechende Sanierungen zur Verfügung. «Seit 2012 hat sich die Anzahl jährlich geschützter Personen pro Jahr vervierfacht», sagt sie.

270'000 Menschen wurden vor Strassenlärm geschützt

Gesamthaft wurden seit 1987 rund 270'000 Menschen vor übermässigem Strassenlärm geschützt. Peter Ettler von der Lärmliga reicht dies nicht. Er verlangt vom Bund stärkere Massnahmen. Zum Beispiel solle es für Schallschutzfenster keine Subventionen mehr geben. Das sei Pflästerlipolitik. Es brauche Massnahmen an der Quelle.

Man kann den Belag leiser machen, es gibt lärmarme Reifen, wären die Fahrzeuge leichter, würden sie weniger Lärm machen, auch Temporeduktionen können zu einer erheblichen Reduktion der Lärmbelastung beitragen.
Autor: Martin RöösliTropen- und Healthinstitut Basel

Gleicher Meinung ist Wissenschaftler Martin Röösli. Er zählt auf, was besser wirke: «Man kann den Belag leiser machen, es gibt lärmarme Reifen, wären die Fahrzeuge leichter, würden sie weniger Lärm machen, auch Temporeduktionen können zu einer erheblichen Reduktion der Lärmbelastung beitragen.»

Die Anzahl Autos werde nicht oder wenn, nicht sehr stark zurückgehen, meint Sophie Höhn vom Bundesamt für Umwelt: «Das heisst wir müssen dauerhaft an der Strasse arbeiten, lärmarme Beläge verbauen, Temporeduktionen verfügen, um die Leute dauerhaft gegen Strassenlärm zu schützen. Das ist eine Daueraufgabe.»

Damit auch die über 1 Million Menschen in der Schweiz geschützt werden, die noch immer übermässig unter Strassenlärm leiden.

Echo der Zeit, 22.08.2020, 18:00 Uhr; fulu

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40 Kommentare

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  • Kommentar von Ueli von Känel  (uvk)
    Lärmschutz ist gut, aber löst in keiner Weise Umwelt- und Klimaprobleme, sondern Lärmschutz könnte von vielen so interpretiert werden, dass man unlimited Autofahren darf; es macht ja kein Lärm mehr...Aber wenn wir an die nächste und v.a.übernächste Generation denken, dann müssen wir unseren Egoismus des Freizeitautofahrens (jene, die ein Auto haben) überwinden und weniger Freizeit-Autofahren. Dann müsste m. E. eine Freizeitautosteuer pro Km (minus Berufswege) eingeführt werden, Rp. 10-20/pro km
  • Kommentar von Harald Francke  (Harry&Dobby)
    Es gibt auch hier und da optisch störenden Lärmschutz. Plötzlich ist da kein Weitblick oder es ist hässlich. Klar sollte das Dilemma an der Wurzel des Übels gepackt werden. Selbst mir als Motoradfahrer ist es manchmal echt arg mit dem Sound anderer. Auch bei bestimmten PKW's. Bitte nehmt doch alle den Gang raus wenn es bergab geht!
    Es gibt bestimmt immer eine Lösung. Vielleicht ein Chip, der in bestimmten Bereichen die Leistung und den Lärm reguliert? Technisch ist nichts unmöööglich ...
    1. Antwort von Esther Jordi  (EstherJ.)
      "Bitte nehmt doch alle den Gang raus wenn es bergab geht!"
      So ein Blödsinn. Keine Motorbremse, dafür überhitzte Bremsen. Ach ja, und bei nasser Fahrbahn ohne Gang voll auf die Klötze zu treten, ist besonders empfehlenswert.
    2. Antwort von Harald Francke  (Harry&Dobby)
      Wenn man das situationsbedingt nicht differenzieren kann, dann kann ich auch rein gar nix.
  • Kommentar von Adrian Zuckermann  (azu)
    Als Einwohner der Region Gantrisch gehöre ich zu den direkt Betroffenen. Was ich nicht verstehen kann, ist das wir Fr. 4,3 Milliarden Steuergelder ausgeben für Flüsterasphalt + Schallmauern und so, aber nicht die Lärmquelle angehen. Macht endlich die Motorräder leiser, technisch ist das kein Problem. Es ist einfach nicht Fair, das die Betroffenen Leute auch noch mit Steuergelder mit bezahlen müssen für etwas unter dem sie leiden. Es ist kein Menschenrecht andere mit Lärm zu belästigen.