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Das Aargauer Traditionsunternehmen KWC wird an ausländische Firma verkauft: Ist das eine Chance oder ein Risiko?
Aus Regionaljournal Aargau Solothurn vom 03.03.2021.
abspielen. Laufzeit 03:35 Minuten.
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Überraschender Verkauf Traditionsmarke KWC ins Ausland verkauft – Angestellte zittern

Die Aargauer Franke Holding verkauft die traditionsreiche Sanitärproduzentin KWC AG an europäische Finanzinvestoren – Käufer und Gründe für den Verkauf sind ungewöhnlich.

  • Die traditionsreiche Schweizer Sanitär-Marke KWC wird erneut ins Ausland verkauft. Rund 900 Angestellte erhalten einen neuen Arbeitgeber.
  • Die heutige KWC-Besitzerin, die Franke Gruppe aus Aarburg, veräussert KWC an einen europäischen Finanzinvestor.
  • Grund für den Verkauf sei, dass Franke mit der Marke KWC nicht zu den weltweit führenden drei Playern gehöre, wie der Konzern das anstrebt.
  • Gewerkschaften und Arbeitnehmerverband sind skeptisch, KWC hofft auf Wachstum der Firma in Deutschland.

Seit 1874 produziert KWC im aargauischen Unterkulm Sanitärarmaturen wie Wasserhähne und Duschbrausen. 250 Angestellte arbeiten heute am Hauptsitz im Aargau. Nun wird die Marke in ungewöhnliche Hände verkauft. Die heutige KWC-Besitzerin, die Franke Gruppe, teilt am Mittwoch mit, man verkaufe die komplette Division «Water Systems», zu der auch KWC gehört, an verschiedene Fonds, welche vom britischen Finanzinvestor Equistone Partners beraten würden.

Wasserhahn
Legende: Franke Aarburg verkauft beide Water-Systems-Sparten. Dazu gehört auch die KWC aus Unterkulm AG. Keystone

Nicht nur der Käufer, auch die Gründe für den Verkauf erscheinen speziell. Die Franke Gruppe lobt ihre Division Water Systems und auch KWC als solide und auf dem Markt gut positionierte Unternehmen. Allerdings strebe die Franke Gruppe an «in jedem Marktsegment, in dem das Unternehmen tätig ist, weltweit zu den Top-3-Playern zu gehören», erklärt Mediensprecherin Gabriele Hepp. KWC ist also eine gute Firma, aber nicht gut genug.

Skeptische Gewerkschaften und Arbeitnehmer

Überrascht vom Verkauf zeigen sich auf Anfrage die Gewerkschaften. Sowohl Angestellte Schweiz als auch die Unia reagieren im ersten Moment skeptisch auf den Verkauf. «Die Gründe für diesen Verkauf können wir nicht nachvollziehen», sagt Hansjörg Schmid von Angestellte Schweiz und pocht auf den geltenden Gesamtarbeitsvertrag: «Wir fordern, dass der GAV auch unter der neuen Firma bestehen und die Arbeitsbedingungen gleich bleiben.»

Die Gründe für diesen Verkauf können wir nicht nachvollziehen.
Autor: Hansjörg SchmidGewerkschaft Angestellte Schweiz

Zudem macht sich die Gewerkschaft Sorgen in Bezug auf einen Stellenabbau. Man bekomme ein bisschen ein mulmiges Gefühl, wenn man die Mitteilung zum Verkauf lese, sagt Schmid weiter. Da KWC aber ein gut funktionierender Betrieb sei, dürfen aus seiner Sicht keine Stellen verloren gehen.

Geschichte der Schweizer Traditionsmarke KWC

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Geschichte der Schweizer Traditionsmarke KWC

Die Firma KWC gehört wohl zu den ältesten Schweizer Industriebetrieben. Seit 1874 produziert das von Adolf Karrer gegründete Unternehmen im aargauischen Unterkulm Sanitärarmaturen für Küche und Badezimmer, sowohl für den privaten Wohnungsbereich als auch für gewerblich-industrielle Nutzung. Vielen Leuten kennen wohl gut die Wasserhähne und Duschbrausen der Marke KWC.

KWC bekam im Lauf der Jahre mehrmals neue Besitzer und war auch schon in ausländischen Händen. Von 1984 bis 1987 war die deutsche Hansa-Gruppe Hauptaktionärin von KWC. 2008 bis 2013 gehörte KWC dem Finanzinvestor «IK Investment Partners» schwedischen Ursprungs. 2013 ging das Unternehmen zurück in Schweizer Hände mit der kompletten Übernahme von KWC durch die Franke Holding mit Sitz in Aarburg.

Trotz dieser Wechsel blieb der Produktionsstandort stets in Unterkulm. Heute beschäftigt das Unternehmen hier rund 250 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Die Produkte werden in rund 50 Länder exportiert.

Auch KWC-Arbeitnehmervertreter René Gautschi, selber seit über 30 Jahren bei im Produktionsbetrieb in Unterkulm angestellt, ist vom Verkauf verunsichert. Man sei sich zwar Besitzerwechsel gewohnt. Aber nun mache er sich Sorgen um die Zukunft der 250 KWC-Angestellten, besonders im aargauischen Unterkulm: «Vom Bauchgefühl her habe ich Bedenken, dass der Produktionsstandort noch weiter eingeschränkt wird.»

KWC-Führung sieht vor allem Chancen

Optimistischer klingt es in der Führungsetage von KWC. Auf Anfrage sagt Marketingchef Ramon Hendriks, dass es natürlich Risiken gebe bei einem solchen Verkauf, der Besitzerwechsel aber vor allem auch neue Möglichkeiten eröffne: «Wir sind zuversichtlich, dass der neue Eigentümer gemeinsam mit dem aktuellen Team weiterarbeiten will und dabei auch strategisch-finanziell unterstützen kann.»

Die Mitarbeiter sollen alle übernommen werden, sagt Marketingchef Hendriks weiter. Er hofft, dass KWC unter dem neuen Besitzer in die weltweiten Top-3-Armaturenhersteller aufsteigen kann. Als Erstes wolle man vor allem in Deutschland, später international, deutlich wachsen.

Regionaljournal Aargau Solothurn 03.03.21, 06:32 Uhr;

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16 Kommentare

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  • Kommentar von Felix Meyer  (gegen unwahre Wahrheit)
    Dieser Verkauf bestätigt wieder mal eindeutig, Firmen sind Handelswaren. Durch Globalisierung heute halt weltweit. Bringen Firmen nicht den erhofften oder gewünschten Gewinn werden sie weiterverkauft. Oder «Perlen» werden derart überhöht weitergegeben, dass es schwierig wird das verlangte Ziel zu erreichen. Firmen ein Produkt, das nach Lust und Laune gepostet, oder verscherbelt wird. Oft scheinen die Mitarbeitenden nur notwendiges Anhängsel zu sein. Für mich eine sehr schlechte Entwicklung.
  • Kommentar von Elio Marazzi  (Antonio)
    Vor 7 Jahren an Franke verkauft und jetzt an internationale Profiteure weiterverscherbelt. Es tut weh derart stolze Firmen mit Topqualitätsprodukten als Spielball von Finanzjongleuren zu sehen. Das ist echt traurig aber leider bald Tagesordnung. Der nächste Schritt wird wohl sein, dass KWC nochmals gewinnbringend nach China verkauft wird. Bald einmal wird die Schweiz wirtschaftlich implodieren.
  • Kommentar von Mario Lo  (MarLo)
    Kurz: Gigle!

    Und dann sicher noch einen CSR (Corporate Social Responsibility) Bericht veröffentlichen, die Unternehmenswerte feiern und allgemeines Schulterklopfen. Das Resultat, wenn man Managerdenken hat statt Unternehmertum, Rückgrat und echte Werte.